1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    20.01.2016
    Beiträge
    11
    Danke verteilt
    0
    Danke erhalten
    4 (in 2 Beiträgen)

    Wie ein Vogel

    Wie ein Vogel
    "Was soll das? Spinnst du?!" Hände greifen nach meinen Schultern und schütteln mich. "Lass!", unterbricht eine zweite Stimme. "Das bringt doch nichts, reden wir in Ruhe darüber."
    "Da gibt's nichts mehr zu reden", sage ich trocken. "Ich will nicht." Man sieht mich entsetzt an. Fremde Augenpaare beobachten uns durch das Fensterglas. Den glatzköpfigen Jungen, der trotzig im Bett sitzt. Das aufgebrachte Paar, das trotzig zurückstarrt.
    "Ich verstehe einfach nicht warum-"
    "Natürlich nicht", unterbreche ich. "Wie könntest du auch?" Es verschlägt ihr die Sprache.
    "Komm, lass uns gehen." Er fasst ihre Hand. "Vielleicht denkt er morgen anders darüber."
    "Hoffentlich." Sie seufzt und folgt ihm hinaus.
    Ich atme auf und lehne mich zurück. Als ob, mich kann niemand mehr bekehren. Zweimal habe ich es gemacht. Zweimal bin ich durch die Hölle gegangen. Es reicht. Die Sonne lässt ihre Strahlen durch das Fenster fallen. In das trostlose Zimmer, dessen Eintönigkeit meine Lungen zusammenpresst, mich nicht mehr atmen lässt. Warum sich noch länger an diesen Faden namens Leben
    klammern, der so dünn ist, dass er jeden Moment zerreißen kann? Warum weiter diese Qualen ertragen um mich vor dem Abriss zu bewahren, dem ich am Ende doch nicht entkommen kann? Wozu?
    Aber ich weiß ja die Antwort. Die Antwort ist: Es gibt keine Antwort. Deshalb habe ich mich so entschieden. Ich sehe es vor mir, das Wasser. Möchte hineinspringen, fühle, wie das kühle Nass meinen Körper umspült, aber ich kann nicht. Weshalb? Etwas hält mich, hält mich gefangen. Ich schaue mich um und sehe was es ist. Es ist ein Faden, welcher mich hält und ich werde wütend. "Lass mich", herrsche ich ihn an, "Lass los, lass mich los...!" Urplötzlich fängt die Erde an zu zittern. Ein Erdbeben? Nein.
    Erschrocken schlage ich die Augen auf. Wieder hält sie meine Schultern. "Wer?", fragt sie nervös. "Wer soll dich loslassen?" Noch bevor ich antworten kann, redet sie weiter. "Die Ärzte sagen, deine Werte haben sich rasant verschlechtert, deine Krankheit..."
    "Leukämie", sage ich. "Sie heißt Leukämie. Ich weiß was ich habe." Sie seufzt wieder.
    "Junge, sei doch endlich vernünftig!"
    "Nein!" Meine Hände zittern. "Ich sage Nein, ich mache keine Chemotherapie mehr!"
    Die Tage ziehen vorbei. Sie zittern, sie beten, sie flehen, sagen, ich dürfe mich nicht besiegen lassen. Einst sah auch ich ihn als meinen Feind. Aber jetzt ist er mein Freund. Er wird mir dabei helfen, frei zu sein. Es würde mir immer schlechter gehe, sagen sie. Aber ich denke nicht so. Sie weinen wenn sie sehen, dass ich nicht mehr aufstehen kann. Warum weinen sie? Es geht mir gut, ging mir nie besser. So viele Menschen stehen um mein Bett herum. Sie alle vergießen Tränen. Das sollen sie nicht, sie sollen lächeln. Denn bald werde ich frei sein.
    Da ist sie wieder, die sich sanft kräuselnde Oberfläche, die das Licht tausendmal bricht. Und immer wieder flackern die Bilder ihrer Gesichter auf. Meine Augen sehen sie an. Heute werden sie für mich sprechen, denn ich kann es nicht. Ob sie meine Entschuldigung annehmen werden? Ich schaue in die Gesichter um mich. Sehe ihren Schmerz, ihre Trauer. Aber ich sehe auch ihre Liebe, die in ihren Blicken leuchtet. Jetzt bin ich wirklich glücklich. Ganz plötzlich, mit einem Ruck, fällt es von mir ab, endlich. Ein letztes Lächeln.
    Ich schließe die Augen und tauche ins Wasser ein.

  2. Diese 3 Benutzer bedanken sich bei Zarafina für diesen Beitrag:

    Annso (23.01.2016), Celiinchen (23.01.2016), eight (23.01.2016)

  3. #2
    Spezi
    Registriert seit
    26.08.2012
    Beiträge
    467
    Danke verteilt
    53
    Danke erhalten
    70 (in 49 Beiträgen)

    AW: Wie ein Vogel

    Hast du das slebst geschrieben?
    nein


  4. #3
    -- Themenstarter --
    Neuling
    Registriert seit
    20.01.2016
    Beiträge
    11
    Danke verteilt
    0
    Danke erhalten
    4 (in 2 Beiträgen)

    AW: Wie ein Vogel

    Klar, hab das auch beim Jungen Literaturforum Hessen-Thüringen eingeschickt, zusammen mit einer anderen Kurzgeschichte und einem Gedicht. Hoffe natürlich ich gewinne etwas ^-^

  5. #4
    Spezi
    Registriert seit
    26.08.2012
    Beiträge
    467
    Danke verteilt
    53
    Danke erhalten
    70 (in 49 Beiträgen)

    AW: Wie ein Vogel

    also, ich denke, du hast gute chancen.
    die art und weiße wie du schreibst gefällt mir. wie lang bist du dafür gesessen?^^
    nein


  6. #5
    -- Themenstarter --
    Neuling
    Registriert seit
    20.01.2016
    Beiträge
    11
    Danke verteilt
    0
    Danke erhalten
    4 (in 2 Beiträgen)

    AW: Wie ein Vogel

    Danke ^^
    Puh, vielleicht eine Dreiviertelstunde? Ich krieg immer nur Ideen zu solcher Art von Geschichten, Happy Ends nach dem Motto 'und wenn sie nicht gestorben sind..' kann ich nicht schreiben. Glückliche Storys werden immer so seicht bei mir, also bisschen Tragik muss schon rein xD wobei es bei der hier ja im Prinzip für den Jungen schon ein Happy End ist
    »Rings, martingales and tie downs are good excuses for bad hands and not enough knowledge.«
    - Pat Parelli

  7. #6
    Girl Online17
    Gast

    AW: Wie ein Vogel

    Sehr schön geschrieben, auch wenn es dennoch trauig war ist es doch ein kleines Happy End für den Jungen. Wie bist du auf die Idee gekommen so was zu schreiben? Ich meine ist ja schon ein ernstes Thema.

  8. #7
    Spezi
    Registriert seit
    21.12.2015
    Alter
    18
    Beiträge
    458
    Danke verteilt
    22
    Danke erhalten
    75 (in 65 Beiträgen)

    AW: Wie ein Vogel

    Manchmal hab ich ne Idee und wills auch aufschreiben,
    Aber wenn ich damit anfange hab ich irgendwie keine Lust mehr..

    Schön geschrieben

  9. #8
    -- Themenstarter --
    Neuling
    Registriert seit
    20.01.2016
    Beiträge
    11
    Danke verteilt
    0
    Danke erhalten
    4 (in 2 Beiträgen)

    AW: Wie ein Vogel

    Danke ihr Beiden ^^
    Im Prinzip schreibe ich immer über ernste Themen. Armut, Krankheiten usw. Ich will eben etwas, was die Menschen vielleicht zum Nachdenken anregt und nicht gleich wieder vergessen. Und auch nur dort finde ich, werden meine Storys halbwegs gut.
    »Rings, martingales and tie downs are good excuses for bad hands and not enough knowledge.«
    - Pat Parelli

  10. #9
    Girl Online17
    Gast

    AW: Wie ein Vogel

    Finde ich aber gut das du auch ernste Themen ansprichst die vielleicht oft verdrängt werden. Heut zu tage schreiben ja viele nur noch über Liebe und Happy Ends, aber die eigendlichen Hintergründe verschwinden.

  11. #10
    Spezi
    Registriert seit
    26.08.2012
    Beiträge
    467
    Danke verteilt
    53
    Danke erhalten
    70 (in 49 Beiträgen)

    AW: Wie ein Vogel

    sag bloß, dass es früher nicht um diese Themen ging.
    nein


  12. #11
    Spezi
    Registriert seit
    21.12.2015
    Alter
    18
    Beiträge
    458
    Danke verteilt
    22
    Danke erhalten
    75 (in 65 Beiträgen)

    AW: Wie ein Vogel

    Zitat Zitat von Girl Online17 Beitrag anzeigen
    Finde ich aber gut das du auch ernste Themen ansprichst die vielleicht oft verdrängt werden. Heut zu tage schreiben ja viele nur noch über Liebe und Happy Ends, aber die eigendlichen Hintergründe verschwinden.
    Außerdem vergisst man Storys mit nem unguten Ende nicht so schnell,
    Und die beeindrucken einen auch stärker. Mich zumindest

    Als ich in Deutsch letztens ne Geschichte schreiben sollte, die mindestens 7 Seiten lang sein sollte und benotet wurde,
    hab ich den Anfang so geschrieben, dass ein Mädchen nachts auf ner Brücke steht und sich umbringen will.
    Dann gabs so eine Art Rückblende und doe Vorgeschichte wurde erzählt. Am Ende ist die "Rückblende" vorbei
    und sie springt. Gab zwar ne gute Note, aber mein Lehrer hat mich nach dem Unterricht zu sich gerufen und mich dreißigmal gefragt ob ich mich umbringen will, weil er dachte ich würde da irgendwas persönliches reinstecken

  13. #12
    -- Themenstarter --
    Neuling
    Registriert seit
    20.01.2016
    Beiträge
    11
    Danke verteilt
    0
    Danke erhalten
    4 (in 2 Beiträgen)

    AW: Wie ein Vogel

    @Lukas, ich hab mal sowas ähnliches in der Schule geschrieben. Da ging's um ein Mädel, welches unter einer Brücke schlief und weil das der Anfang war, wusste ja auch keiner warum. Sie hat dann in einem inneren Monolog rückwirkend erzählt, wie es dazu kam. Plot war, dass der Vater die Mutter misshandelte und sie das irgendwann nicht mehr ausgehalten hat, aber nicht nur wegen dem Vater, sondern auch weil die Mutter sich nicht wehrte und das eben einfach so hinnahm. Am Ende wurde noch einmal auf ihren jetzigen Standpunkt verwiesen und dann quasi abrupt abgebrochen, sodass der Leser sich den Rest weiterdenken konnte wie er wollte ^^
    Gab auch ne super Note, aber meine Lehrerin wusste ja, dass in meine Geschichten so gut wie immer Tragik oder Brutalität reinfließen (ja, letzteres schreibe ich auch oft xD) und hat nichts weiter dazu gesagt^^
    »Rings, martingales and tie downs are good excuses for bad hands and not enough knowledge.«
    - Pat Parelli

 

 

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Ähnliche Themen

  1. Vogel "zugeflogen"
    Von DarkStar im Forum Hund, Katze, Maus
    Antworten: 12
    Letzter Beitrag: 27.07.2011, 13:00

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Back to Top

Search Engine Optimization by vBSEO 3.6.1

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60