1. #1
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    Nächtliches Sackgassenleben

    Ich wollte schon lange mal wieder etwas hier posten, aber irgendwie dann doch nicht, auf jeden Fall ist diese Geschichte irgendwann vom Oktober letzten Jahres. Was man noch wissen sollte ist dass der Titel sehr provisorisch ist weil es mir nicht leicht fällt Geschichten Namen zu geben. Ich freue mich in diesem Sinne über Kritik jeder Art.

    Oh und vielen Dank an meine hübsche junge Korrekturleserin Sophia aka Limetree, sonst gäbs hier keine Kommas.



    Nächtliches Sackgassenleben

    Gelehnt an einen Müllcontainer, wie eine abgelaufene Ware, die nicht mehr hinein gepasst hatte, saß er da. Seine Augen waren geschlossen, die Hände schienen sich ins Pflaster gekrallt zu haben. Zumindest hatten sie es versucht, denn Halt gefunden hatten sie nicht wirklich. Es musste kalt sein, denn aus den Nasenlöchern des Mannes kam in unregelmäßigen Abständen weißer Dunst. Nach Aufstehen schien ihm nicht zumute zu sein, ansonsten wäre er vor Stunden schon aufgestanden. Dass er schon so lange dort mehr kauerte als saß, sah man an seinem zerknitterten Anzug, der sich langsam aber sicher an den Untergrund angepasst haben musste, denn ein Übergang von Boden zu Hose oder Jackett war nicht zu erkennen, was auch daran gelegen haben mag, dass es schon recht dunkel war. Das dreckige Licht einer Straßenlaterne strahlte durch ihn hindurch, während das kalte Metall des Containers sich durch Kleidung und Fleisch fraß.

    Er stöhnte, doch seine Augen blieben nach wie vor geschlossen. Neben seiner rechten Hand lag ein Aktenkoffer. Er war zerkratzt. Der Mann öffnete die Augen - wie alt die Augen eines Menschen doch wirken konnten - er griff nach dem Aktenkoffer und starrte ihn voller Abscheu an, als wäre dieser an allem schuld, als hätte er ihm Kälte und Verzweiflung gebracht. Nachdem er den Koffer geöffnet hatte, schaute er ihn beinahe mitleidig an, doch dann verhärtete sich seine Miene erneut. Den Koffer so gehalten, dass der Koffer sich nicht öffnete, solange er ihn hielt, schleuderte der Mann den Koffer in die Höhe. Es regnete... es regnete Papier, während der Mann lachend nach oben starrte und sich drehte wie ein Mädchen in seinem ersten Kleid. Es war kein schönes Lachen, kein glückliches, es war verzweifelt, müde und voller Wahnsinn.

    Damals hatte es das Papier nicht geregnet, damals hatte es in Schränken gestanden, in Aktenordnern sortiert - bis heute Mittag. Was hatte er nicht alles für das Papier aufgeben müssen... Nicht, dass er das Papier sonderlich gemocht hätte, aber er brauchte es und es brauchte ihn sicherlich auch auf eine gewisse Art und Weise. Das Papier in der Luft tanzen zu sehen, schien ihn glücklich zu machen. Es fiel auf ihn herab, er fing ein Blatt und las es sich durch. Seine Hände zerrissen es energisch, danach warf er die Schnipsel hoch, doch statt zu lachen, krümmte er sich und brach in Tränen aus: „Ich hasse dich! Ich hasse dich, verdammt!“ Er schrie es schluchzend. Die alte Frau, die ihn durch das Fenster anstarrte, interessierte ihn nicht. Nichts interessierte ihn mehr und so schlief er ein, weinend, in der Kälte die ihn nicht kümmerte, gelehnt an einen Metallcontainer, welcher all seine verbliebene Körperwärme absorbierte. Doch was dort lag, war kein Mensch mehr. Er war ein Produkt, weggeworfen, weil er verbraucht worden war. Weil er nicht mehr die Leistung erbrachte, die man erwartete. Das neuere Modell dagegen schon, zudem war es billiger.
    Geändert von Hannah Devil (21.06.2014 um 19:10 Uhr)
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  3. #2
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    AW: Nächtliches Sackgassenleben

    echt mal tiefsinnig.
    rmv.de

    -- Verbindung liegt in der Vergangenheit --

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  5. #3
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    AW: Nächtliches Sackgassenleben

    Oh Mann, das ist ja echt lange her. Aber ich erinner mich noch...irgendwie. Trotzdem:

    "was auch daran gelegen haben mag, dass <es> schon recht dunkel war."

    "Damals hatte es das Papier nicht geregnet" klingt irgendwie komisch.

    "in der Kälte, die ihn nicht kümmerte"

    Feedback habe ich dir wahrscheinlich schon gegeben gehabt.
    Wer an Telekinese glaubt, der hebe bitte meine Hand.



  6. #4
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    AW: Nächtliches Sackgassenleben

    Zitat Zitat von Limetree Beitrag anzeigen
    Oh Mann, das ist ja echt lange her. Aber ich erinner mich noch...irgendwie. Trotzdem:"was auch daran gelegen haben mag, dass schon recht dunkel war.""Damals hatte es das Papier nicht geregnet" klingt irgendwie komisch."in der Kälte, die ihn nicht kümmerte"Feedback habe ich dir wahrscheinlich schon gegeben gehabt.
    Dankeschön, ja hattest du, das Komma in deinem letzten Beispiel habe ich absichtlich weggelassen weil es mir nicht gefallen hat.
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  7. #5
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    AW: Nächtliches Sackgassenleben

    Das ist doch Kritik auf höherem Level

    Schönes Geschichtchen. Schreib mal mehr, du hats Talent!
    Gefällt mir echt gut!

  8. Diese Benutzer bedanken sich bei jan_metal für diesen Beitrag:

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  9. #6
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    AW: Nächtliches Sackgassenleben

    Zitat Zitat von jan_metal Beitrag anzeigen
    Das ist doch Kritik auf höherem Level
    Das soll ja auch so sein. Wo wäre ein Pianist, wenn man irgendwann aufgehört hätte, ihn zu kritisieren, nur weil er alle Noten schon richtig gespielt hat?
    Kritik muss sich dem Können anpassen.
    -- IMO intended --

  10. #7
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    AW: Nächtliches Sackgassenleben

    Eben darum geht's mir "Hast du ganz ganz toll gemacht!" bringt ja niemandem was, weil alles auf einem Level bleibt oder absackt. Dementsprechend bin ich für "negative" Kritik dankbarer weil sie mich eher weiterbringt.
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  11. #8
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    AW: Nächtliches Sackgassenleben

    Weil sich Kritik gewünscht wird und mir Kritik immer Spaß macht:

    Zitat Zitat von Hannah Devil Beitrag anzeigen
    Gelehnt an einen Müllcontainer, wie eine abgelaufene Ware, die nicht mehr hinein gepasst hatte, saß er da. Seine Augen waren geschlossen, die Hände schienen sich ins Pflaster gekrallt zu haben. Zumindest hatten sie es versucht, denn Halt gefunden hatten sie nicht wirklich.
    Also sind seine Hände geballt? Oder wie muss ich mir das vorstellen? Wie sehen Hände aus, die sich in eine glatte Oberfläche krallen?
    Vielleicht diesen zweiten Satz verändern; Hört sich komisch an.

    Zitat Zitat von Hannah Devil Beitrag anzeigen
    Es musste kalt sein, denn aus den Nasenlöchern des Mannes kam in unregelmäßigen Abständen weißer Dunst.
    Dir muss doch etwas besseres einfallen als 'kam'? 'Stieg ... auf' zum Beispiel. Oder 'trat .. aus'.

    Zitat Zitat von Hannah Devil Beitrag anzeigen
    Nach Aufstehen schien ihm nicht zumute zu sein, ansonsten wäre er vor Stunden schon aufgestanden.
    Hört sich komisch an. Warum sollte er nicht auch nach zwei Stunden aufstehen wollen? Vielleicht hat er ja grad Lust dazu bekommen. Nur, weil jemand irgendwo lange sitzt heißt das nicht, dass er/sie nicht aufstehen will.

    Zitat Zitat von Hannah Devil Beitrag anzeigen
    Dass er schon so lange dort mehr kauerte als saß, sah man an seinem zerknitterten Anzug, der sich langsam aber sicher an den Untergrund angepasst haben musste, denn ein Übergang von Boden zu Hose oder Jackett war nicht zu erkennen, was auch daran gelegen haben mag, dass es schon recht dunkel war.
    Das 'mehr kauerte als saß' würde ich mehr ausbauen. So in einem Nebensatz wirkt es recht zurückgestellt; Obwohl es im Laufe der Geschichte ja ein wichtiges Thema ist.

    Zitat Zitat von Hannah Devil Beitrag anzeigen
    Das dreckige Licht einer Straßenlaterne strahlte durch ihn hindurch, während das kalte Metall des Containers sich durch Kleidung und Fleisch fraß.
    Jaa.. Hört sich komisch an. Das Straßenlaternenlicht - Okay. Künstlerische Freiheit zur Verdeutlichung seines abwesenden, überflüssigen Seins. Aber das kalte Metall klingt wie direkt aus einem Alien-Film. Anstatt 'das kalte Metall' lieber 'die Kälte des metallenen Müllcontainers'. Dann hört es sich nicht mehr so an, als würde das Metall ihn verschlingen.

    Zitat Zitat von Hannah Devil Beitrag anzeigen
    Er stöhnte, doch seine Augen blieben nach wie vor geschlossen. Neben seiner rechten Hand lag ein Aktenkoffer. Er war zerkratzt.
    'Er war zerkratzt' ist mir ein bisschen kurz. Geh doch mal auf die Kratzer ein; Jahrelanger Gebrauch im Alltag, vielleicht ein wohl platzierter Flashback oder so..

    Zitat Zitat von Hannah Devil Beitrag anzeigen
    Der Mann öffnete die Augen - wie alt die Augen eines Menschen doch wirken konnten - er griff nach dem Aktenkoffer und starrte ihn voller Abscheu an, als wäre dieser an allem schuld, als hätte er ihm Kälte und Verzweiflung gebracht.
    Mh, dieser Zwischenruf über seine Augen passt nicht. Welche Erzählstruktur nimmst du denn ein? Allwissend, klar. Aber so mitfühlend? Du klingst da ja wie eine dritte Person! Inkonsequent gegenüber dem Rest der Geschichte. Kleine Änderungen in der Art von '- Augen wie man sie von einem Hundertjährigen erwarten würde-' oder '- müde, traurige Augen eines alten Mannes-' wären angebracht.

    Zitat Zitat von Hannah Devil Beitrag anzeigen
    Nachdem er den Koffer geöffnet hatte, schaute er ihn beinahe mitleidig an, doch dann verhärtete sich seine Miene erneut.
    Zu schneller Wechsel der Emotionen. Vielleicht einfach noch einen beschreibenden Satz zwischen 'mitleidig' und 'hart' gucken.

    Zitat Zitat von Hannah Devil Beitrag anzeigen
    Den Koffer so gehalten, dass der Koffer sich nicht öffnete, solange er ihn hielt, schleuderte der Mann den Koffer in die Höhe.
    Koffer, Koffer, Koffer. Ein wenig Abwechslung in konsekutiven Sätzen, bitte.

    Zitat Zitat von Hannah Devil Beitrag anzeigen
    Es regnete... es regnete Papier, während der Mann lachend nach oben starrte und sich drehte wie ein Mädchen in seinem ersten Kleid.
    Der Mann drehte sich? Ich dachte, der kauert da rum..?

    Zitat Zitat von Hannah Devil Beitrag anzeigen
    Es war kein schönes Lachen, kein glückliches, es war verzweifelt, müde und voller Wahnsinn.
    Damals hatte es das Papier nicht geregnet, damals hatte es in Schränken gestanden, in Aktenordnern sortiert - bis heute Mittag. Was hatte er nicht alles für das Papier aufgeben müssen... Nicht, dass er das Papier sonderlich gemocht hätte, aber er brauchte es und es brauchte ihn sicherlich auch auf eine gewisse Art und Weise. Das Papier in der Luft tanzen zu sehen, schien ihn glücklich zu machen.
    Wieder zu oft das Wort 'Papier'. Unterlagen, Blätter, Dokumente, Zettel, Nachweise, etc..

    Zitat Zitat von Hannah Devil Beitrag anzeigen
    Es fiel auf ihn herab, er fing ein Blatt und las es sich durch.
    Ich mag das 'sich' da nicht. Wird aber wohl persönliche Präferenz sein.

    Zitat Zitat von Hannah Devil Beitrag anzeigen
    Seine Hände zerrissen es energisch, danach warf er die Schnipsel hoch, doch statt zu lachen, krümmte er sich und brach in Tränen aus:
    Da hätte ich gerne ein 'dann' oder ähnliches am Anfang.
    Und warum sollte er denn lachen, nur, weil er sein Papier zerreißt? Da bist du mit den Gedanken weiter als deine Leser.

    Zitat Zitat von Hannah Devil Beitrag anzeigen
    „Ich hasse dich! Ich hasse dich, verdammt!“ Er schrie es schluchzend. Die alte Frau, die ihn durch das Fenster anstarrte, interessierte ihn nicht. Nichts interessierte ihn mehr und so schlief er ein, weinend, in der Kälte die ihn nicht kümmerte, gelehnt an einen Metallcontainer, welcher all seine verbliebene Körperwärme absorbierte.
    Der schläft aber schnell ein. Ich meine, eben saß er noch stundenlang regungslos da und kaum schmeißt er seinen Koffer weg wird er müde. Weird.
    (Und das 'absorbierte' hört sich wieder nach Alien-Science-Fiction-Metall an.)

    Zitat Zitat von Hannah Devil Beitrag anzeigen
    Doch was dort lag, war kein Mensch mehr. Er war ein Produkt, weggeworfen, weil er verbraucht worden war. Weil er nicht mehr die Leistung erbrachte, die man erwartete. Das neuere Modell dagegen schon, zudem war es billiger.
    Wäre ein 'es' nicht passender? 'Weggeworfen, weil ES verbraucht worden war'? Unterstreicht die Produkt-Sache noch mehr.
    Und das 'neuere Modell' hast du aber schnell abgehandelt. Da hätte ich noch gerne mehr von gelesen. 'zudem war es billiger, jünger und arbeitete noch ohne diesen gewissen Gleichmut, den man nach zu vielen Jahren in zu ähnlichen Büros entwickelt.' oder so.

    Alles in allem ganz nett.
    Sehr filmisch ausgearbeitet.
    -- IMO intended --

  12. #9
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    AW: Nächtliches Sackgassenleben

    @Skycatcher:

    Das hilft mir wirklich weiter, ich werde den Text auf jeden Fall überarbeiten wenn ich mit deinen Aussagen überein stimme. Die Stellen die dir so kurz vorkommen sind so weil es schlicht wirkt und man trotzdem drüber nachdenkt, ich mag das so und finde es besser als ausschweifende Umschreibungen. Was deine Vorschläge wegen der Wortwahl angeht hast du größtenteils recht und ich werde diese Stellen nachbessern. Danke sehr fürs Mühe machen

    EDIT: Um auf deine Fragen einzugehen

    Also sind seine Hände geballt? Oder wie muss ich mir das vorstellen? Wie sehen Hände aus, die sich in eine glatte Oberfläche krallen?
    Vielleicht diesen zweiten Satz verändern; Hört sich komisch an.
    Du kennst Pflastersteine? Wenn sie verlegt sind sind zwischendrin Fugen und denn du hinfällst und dir wehtust versuchst du dich reinzukrallen aber es geht nicht. So in etwa sollte das aussehen

    Der Mann drehte sich? Ich dachte, der kauert da rum..?
    Logikfehler ftw..ja da hab ich doch glatt vergessen ihn aufstehen zu lassen *g*

    EDIT2:
    Ich würde ja gerne die überholte Fassung reinstellen, aber Mods damit zu belasten das noch 100 weitere Male zu ändern wäre böse.
    Geändert von Hannah Devil (22.06.2014 um 20:35 Uhr)
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  13. #10
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    AW: Nächtliches Sackgassenleben

    Zitat Zitat von Hannah Devil Beitrag anzeigen
    EDIT2:
    Ich würde ja gerne die überholte Fassung reinstellen, aber Mods damit zu belasten das noch 100 weitere Male zu ändern wäre böse.
    Stell es doch neu rein? Dann kann man die Veränderungen besser sehen

    Mh, das mit dem Pflaster habe ich glatt überlesen. So kann es gehen. Okay, ja, dann kann ich mir etwas darunter vorstellen.
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  14. #11
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    AW: Nächtliches Sackgassenleben

    Nächtliches Sackgassenleben - Überarbeitete Version

    Gelehnt an einen Müllcontainer, wie eine abgelaufene Ware, die nicht mehr hinein gepasst hatte, saß er da. Seine Augen waren geschlossen, die Hände schienen sich ins Pflaster gekrallt zu haben. Zumindest hatten sie es versucht, denn Halt gefunden hatten sie nicht wirklich. Es musste kalt sein, denn aus den Nasenlöchern des Mannes stieg in unregelmäßigen Abständen weißer Dunst empor. Nach Aufstehen schien ihm nicht zumute zu sein, ansonsten wäre er vor Stunden schon aufgestanden. Dass er schon so lange dort mehr kauerte als saß, sah man an seinem zerknitterten Anzug, der sich langsam aber sicher an den Untergrund angepasst haben musste, denn ein Übergang von Boden zu Hose oder Jackett war nicht zu erkennen, was auch daran gelegen haben mag, dass schon recht dunkel war. Das dreckige Licht einer Straßenlaterne strahlte durch ihn hindurch, während das kalte Metall des Containers sich durch Kleidung und Fleisch fraß.


    Er stöhnte, doch seine Augen blieben nach wie vor geschlossen. Neben seiner rechten Hand lag ein riesiger Aktenkoffer. Er war zerkratzt. Der Mann öffnete die Augen - sie wirkten schrecklich alt im Licht der Straßenlaterne - er griff nach dem Aktenkoffer, rappelte sich auf und starrte ihn voller Abscheu an, als wäre dieser an allem schuld, als hätte er ihm Kälte und Verzweiflung gebracht. Nachdem er den Koffer geöffnet hatte, schaute er ihn beinahe mitleidig an, doch dann verhärtete sich seine Miene erneut. So gehalten, so dass er sich nicht öffnete, solange er ihn hielt, schleuderte der Mann das schwarze Ungetüm in die Höhe. Es regnete... es regnete Papier, während der Mann lachend nach oben starrte und sich drehte wie ein Mädchen in seinem ersten Kleid. Es war kein schönes Lachen, kein glückliches, es war verzweifelt, müde und voller Wahnsinn.


    Damals hatte es selbiges nicht geregnet, damals hatte es in Schränken gestanden, in Aktenordnern, Blitzspannern und Mappen sortiert - bis heute Mittag. Was hatte er nicht alles für das Papier aufgeben müssen... Nicht, dass er seine Unterlagen und Dokumente sonderlich gemocht hätte, aber er brauchte sie und sie brauchten ihn sicherlich auf eine gewisse Art und Weise auch. Das Papier in der Luft tanzen zu sehen, schien ihn glücklich zu machen. Es fiel auf ihn herab, er fing ein Blatt und las es durch. Seine Hände zerrissen es energisch, danach warf er die Schnipsel hoch, doch statt zu lachen, krümmte er sich und brach in Tränen aus: „Ich hasse dich! Ich hasse dich, verdammt!“ Er schrie es schluchzend. Die alte Frau, die ihn durch das Fenster ängstlich zu beäugen schien, interessierte ihn nicht. Nichts interessierte ihn mehr und so schlief er ein, weinend, in der Kälte die ihn nicht kümmerte, gelehnt an einen Metallcontainer, welcher all seine verbliebene Körperwärme absorbierte. Doch was dort lag, war kein Mensch mehr. Er war ein Produkt, weggeworfen, weil es verbraucht worden war. Weil es nicht mehr die Leistung erbrachte, die man erwartete. Das neuere Modell dagegen schon, zudem war es billiger.



    Ich habe die knappen Formulierungen kaum geändert weil sie mir wie gesagt gefallen, das gruslige Alienmetall mochte ich auch so wie es ist ansonsten war ich recht einverstanden mit deinen Vorschlägen und habe sie dort wo sie mir passend erschienen umgesetzt.
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  15. #12
    König
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    AW: Nächtliches Sackgassenleben

    find ich gut
    Meine Träume sind farbenfroh, viele in meiner Gegend können vor Angst nicht schlafen.

  16. #13
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    AW: Nächtliches Sackgassenleben

    Danke..ich kann mich nicht zwischen den beiden Versionen entscheiden..mal sehen.
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