1. #1
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    Der melonische Schick - Kurzgeschichten- und Gedichtwettbewerb 2013

    Ich bin nicht der Autor dieses Werkes und habe keinerlei Rechte daran, ebenso distanziere ich mich von jeglichem Inhalt. Dieses Werk wurde weder gekürzt noch auf andere Art und Weise verändert, das tut uns leid, GEMA. Viel Spaß beim Abstimmen.
    Mit freundlichen Grüßen, Hannah Devil.


    Der melonische Schick


    "Hallo", sagte die Melone leise, als Tobi sich den Hut auf den Kopf gesetzt hatte. Tobi wunderte sich nicht, dass die Stimme des Huts so leise, mehr ein Flüstern war. Hüte haben keinen Mund.

    "Hallo!" antwortete Tobi und wartete ab, ob der Hut antworten würde. Eben war ihm nämlich eingefallen, dass Hüte gar nicht sprechen können, weil sie keinen Mund hatten.

    Aber die Melone antwortete trotzdem. Vielmehr fragte sie ihn gut gelaunt: "Wie geht es dir?"

    Tobi überlegte wie es ihm gerade so ging und fand: "Ganz gut. Und dir?"

    "Ich bin noch etwas schläfrig." antwortete der Hut und klang auch so, als wäre er gerade aufgewacht.

    Tobi dachte etwas nach und fand, dass dies nicht so verwunderlich wäre, weil er die Melone gerade aus der alten, in Zeitungspapier gewickelten Hutschachtel genommen hatte. Darin hatte der Hut viele, viele Jahre verbracht und vermutlich geschlafen.

    Das fand Tobi zumindest, weil er sich vorstellte, dass es die ganze Zeit ziemlich dunkel in der Schachtel gewesen sein musste, die sich noch dazu in einem alten Koffer seines Urgroßvater befunden hatte.

    "Wir schauen gut aus." sagte der Hut, als sich Tobi vor dem alten Spiegel auf dem Dachboden des noch älteren Hauses seines Urgroßvaters stellte und kritisch betrachtete.

    Die Melone war etwas größer als sein Kopf und verdeckte fast seine ganze Stirn. So tief war sie gerutscht.

    "Meinst du wirklich?" hakte Tobi kritisch nach.

    Er hatte noch nie eine echte Melone gesehen. Nur in alten Filmen, wo diese meist auf Köpfen von Männern mit Anzügen saßen, die Schirme als Gehstöcke benutzten.

    Gentlemen nannte man solche Männer, die dazu immer noch sehr wichtig aussahen.

    Wichtig, so fand Tobi, sah er nun wirklich nicht aus. Er trug keinen Anzug, zwar eine Weste, die auch die Melonenmänner aus den Filmen trugen. Aber seine Weste war Saharabraun oder so etwas in der Art. Immerhin war das T-Shirt dunkel.

    Dunkel-Lila genau genommen, aber dunkel. Seine Dreiviertelhose und die nackten Schuhe in den Trekking-Sandalen passten allerdings nicht zum Bild eines Gentleman aus den Filmen, die, so erinnerte sich Tobi plötzlich, nicht nur alles in Schwarz trugen, sondern dazu noch Krawatten.

    "Doch, find ich schon. Wir sehen schick aus." fand die Melone.

    Tobi hätte allerdings erwartet, dass eine so alte Melone eher altmodisch eingestellt sein mußte. Die seines Urgroßvaters allerdings erschien ihm recht flippig zu sein.

    Flippig war alles was grell, bunt und nicht normal war. Jedenfalls wenn es nach Großmutter Bärbel ging. Sie verwendete das Wort ziemlich häufig und Tobi fand, so wie sie sich benahm und anzog, mußte sie das Wort erfunden haben.

    "Was machst du hier?" vernahm Tobi die Stimme seiner Mutter von der Treppe zum Dachboden hoch.

    "Nix." antwortete Tobi gleichmütig und betrachtete sich noch kritischer im Spiegel.

    "Schon etwas gefunden?" fragte seine Mutter und erschien auf dem Dachboden, wo sie stehen blieb und sich erst einmal umschaute.

    "Gespenstisch", kommentierte sie die zumeist mit weißen Laken bedeckten Möbelstücke, die man hier oben irgendwann einmal verstaut hatte. Dann Trat Frau Lubent näher und lachte, als sie Tobi vor dem Spiegel stehen sah.

    "Du siehst schick aus." meinte sie.
    "Siehst du", flüsterte der Hut auf Tobis Kopf.

    Tobi schielte zu seiner Mutter hin. Er wollte sich vergewissern, ob sie es ernst meinte, ihn veräppeln wollte oder ihn einfach nur süß fand, was so verwerflich wie veräppeln war. Jedenfalls für Tobi.

    "Glaub's mir. Wirklich schick." lachte Tobis Mutter, wirkte dabei so, als ob sie es gerade so meinte.

    "Glaub ich auch." fand nun auch Tobi, der sich jetzt in stolzer Pose vor dem Spiegel präsentierte.

    "Hmm, nur eines fehlt." bemerkte Frau Lubent und blickte Tobi nachdenklich an.

    "Ach jaaa?" sagten dieser und der Hut auf seinem Kopf gleichzeitig. Allerdings konnte Tobis Mutter nur Tobi hören, nicht den Hut, weil dieser zu leise sprach.

    "Eine Krawatte fehlt", sprach Tobis Mutter entschlossen.

    "Sie hat recht. Wir brauchen eine Krawatte." meinte auch der Hut und hörte sich so an, als ob er sich wunderte, nicht selbst auf die Idee gekommen zu sein.

    "Ich hab noch nie eine Krawatte getragen." meinte Tobi leise, nur für die Melone hörbar.

    "Die sind schick." flüsterte der Hut.
    "Ich find sie altmodisch." meinte Tobi diesmal lauter.

    Frau Lubent hatte ein Laken von einem alten Schrank mit nur einer Tür gezogen. Der Schrank stand auf komisch krummen Beinen und wirkte auf Tobi zuerst wie ein altes Toilettenhäuschen. Ähnlich wie diese blauen Plastikdinger auf dem Jahrmarkt im Dorf.

    An der Tür des Schranks hingen viele Krawatten.

    "Haben die Urgroßvater gehört?" fragte Tobi neugierig. Da waren viele bunte Krawatten dabei.

    "Nein. Dazu sind sie zu modern." befand seine Mutter und betrachtete die Krawatten nachdenklich, wobei sie gleichzeitig kritische Blicke auf Tobi warf.

    Modern fand Tobi diese Krawatten nicht. Aber flippig.

    Seine Mutter hielt ihm eine knallgelbe Krawatte hin. Die Farbe war so knallig gelb, dass sie fast so blendete, als würde Tobi ohne Sonnenbrille in die Mittagssonne blicken.

    Frau Lubent ging vor Tobi in die Hocke und band ihm die Krawatte. Zunächst so, wie man alle Krawatten bindet, dann lockerte sie diese und stand auf.

    "Ja", meinte sie zufrieden, "so wirkt das besser. Lässiger Schick. Ganz dein Stil."

    "Style heißt das und schick cool." korrigierte Tobi seine Mutter. Aber er fand, dass die Krawatte wirklich zu ihm passte. Und zu der Melone.

    "Ich hab's ja gewusst." sagte die Melone fast triumphierend.

    "Wir essen in ein paar Minuten. Bleib nicht solange hier stehen und verlier dich nicht im Spiegel." fozzelte Tobis Mutter, lächelte verschmitzt und verließ den Dachboden wieder.

    "Wie kann man sich im Spiegel verlieren?" fragte Tobi irritiert und betrachtete den Spiegel kritisch.

    "Das weiss ich auch nicht. Vielleicht muss man in den Spiegel gehen, um es heraus zu finden." überlegte der Hut.

    "Nachher. Nicht jetzt. Ich hab hunger." entschied Tobi.
    "Gut. Nachher. Nimmst du mich mit?" fragte die Melone.

    "Klar.", nickte Tobi so heftig, dass es den Hut schüttelte.
    "Hee", beschwerte sich dieser.
    "Entschuldige", sprach Tobi und hielt die Melone fest.
    "Schon gut." flüsterte der Hut.

    Gemeinsam verließen sie den Dachboden, zu dem der Duft des Mittagsessens bereits herauf stieg.

    Ritalin - So much easier than parenting!


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    Limetree (16.01.2015)

  3. #2
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    AW: Der melonische Schick - Kurzgeschichten- und Gedichtwettbewerb 2013

    Ganz nett, aber so richtig mitnehmen tut mich die Story nicht... erinnert mich ein bisschen an Harry Potter mit dem Hut *g*
    Time don't mean a thing when you're by my side
    Please stay a while

  4. #3
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    AW: Der melonische Schick - Kurzgeschichten- und Gedichtwettbewerb 2013

    Ich mag die Geschichte. Sie hat etwas niedliches. Wie der Beginn einer groooooooßen Reise. Gefällt mir sehr

  5. #4
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    AW: Der melonische Schick - Kurzgeschichten- und Gedichtwettbewerb 2013

    Mir gefällt der Schreibstil, er erinnert mich etwas an mich. Die Schriftart ist für die Geschichte passend, die Schrift aber auch ein bisschen groß.

    Es ist schade, dass so wenig passiert, aber man merkt auch, dass die Geschichte hier grade erst ihren Anfang nimmt. Nach dem Wettbewerb wäre es schön, würde der Autor die Geschichte vielleicht noch weiterführen/mehr veröffentlichen.^^

    Wäre gut, wenn der Hut irgendwann den Jungen kontrolliert und er wie besessen wird.*g*
    Wer an Telekinese glaubt, der hebe bitte meine Hand.



  6. #5
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    AW: Der melonische Schick - Kurzgeschichten- und Gedichtwettbewerb 2013

    Ich mag die Idee, es passiert zwar wenig aber es ist doch interessant. Gegen eine Fortsetzung hätte ich nichts einzuwenden.
    Kennt eigentlich noch jemand Pan Tau, den Mann mit Melone?

    Anhang 19063
    Ritalin - So much easier than parenting!


  7. #6
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    AW: Der melonische Schick - Kurzgeschichten- und Gedichtwettbewerb 2013

    Erinnert mich an Mary Poppins.

    Wer an Telekinese glaubt, der hebe bitte meine Hand.



  8. #7
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    AW: Der melonische Schick - Kurzgeschichten- und Gedichtwettbewerb 2013

    das find ich süß!
    Manchmal sind Menschen wunderschön.
    Nur durch das, was sie sind.

    Markus Zusak

 

 

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