1. #1
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    Zugfahrt ins Glück - Kurzgeschichten- und Gedichtwettbewerb 2013

    Ich bin nicht der Autor dieses Werkes und habe keinerlei Rechte daran, ebenso distanziere ich mich von jeglichem Inhalt. Dieses Werk wurde weder gekürzt noch auf andere Art und Weise verändert, das tut uns leid, GEMA. Viel Spaß beim Abstimmen.
    Mit freundlichen Grüßen, Hannah Devil.

    Zugfahrt ins Glück

    Irgendwie hatte er ein wenig Angst vor der alten Frau, aber es blieb ihm nichts anderes übrig, er
    musste sich sputen um diesen letzten Platz noch zu ergattern. Er packte seinen Rucksack in die Ablage
    und setzte sich.
    „Sehr geehrte Fahrgäste, bitte beachten Sie: In Wagen 21 an der Spitze des Zuges befinden sich noch
    freie Sitzplätze. Und bitte stellen Sie Ihr Gepäck nicht in die Gänge, sondern nutzen Sie die Ablage
    über Ihnen oder den Stauraum in der Mitte des Wagens. Vielen Dank.“, schallte es aus dem
    Lautsprecher.
    „Das liegt wohl am Feiertag morgen“, dachte sich Benni. Er holte den iPod heraus und wollte Musik
    hören. Noch bevor er die Kopfhörer in die Ohren stecken konnte, beugte sich die alte Frau rüber zu
    ihm.
    „Die Nachbarskinder haben auch so einen. Ich verstehe ja nichts mehr von so neumodischen Sachen.“
    Benni wusste nicht genau, was er antworten sollte. Schließlich sagte er: „Den hab ich zum Geburtstag
    bekommen von meiner Oma.“
    Auch wenn die Frau düstere Gesichtszüge hatte und somit alles andere als freundlich aussah, schien
    sie doch recht nett zu sein. Benni bemerkte aber, wie kurz ein seltsamer Schatten durch ihre Augen
    huschte.
    „Da hast du aber eine nette Oma.“
    Benni lächelte.
    „Wie heißt du denn?“, fragte sie.
    „Benjamin, aber alle nennen mich Benni“, sagte er.
    „Bist du denn alleine hier im Zug? Wie alt bist du denn?“, fragte die alte Frau besorgt.
    „Ich bin vor einem Monat 13 geworden“, sagte Benni stolz. Er erzählte von seinem Vater, der seit zwei
    Jahren in der Schweiz lebte und arbeitete und den er regelmäßig besuchen fuhr. Er fand es blöd, dass
    sein Vater so weit weggezogen war, nachdem sich seine Eltern getrennt hatten. Aber die Arbeit dort
    schien ihm Spaß zu machen und er schien auch nicht allzu schlecht zu verdienen. Außerdem liebte
    Benni das Zugfahren.
    „Wo fahren Sie denn hin?“, fragte er.
    „Ich fahre nach St. Sizière. Das kennen die wenigsten Leute, aber da gibt es ein gutes Hotel.“
    Sie erzählte von einem malerischen Dorf in den Walliser Alpen und von ihrem Hotel, das besondere
    Angebote für ältere Leute wie sie hätte. Es hieß, man würde sich dort wie im Himmel fühlen.
    Benni musste lachen.
    „Das klingt ja sehr interessant.“, meinte er, obwohl er nicht so recht verstand, was die Frau damit
    genau meinte.
    „Magst du denn Zugfahren?“, fragte die Frau, wohl wissend, dass es doch der Traum vieler Jungs ist,
    Lokführer zu werden.
    „Ja“, sagte Benni und musste grinsen. Er erzählte von den vielen Fahrten, die er schon gemacht hatte –
    alleine oder auch zusammen mit seiner großen Schwester.
    „Du fährst diese Strecke also oft?“, fragte sie und so erzählte er auch, was er über diese Züge und die
    Strecke alles Besonderes wusste. Er wusste auch, auf welchem Gleis sie ankämen und zu welchem
    Gleis die Frau müsse, um ihren Zug in Richtung Genf zu bekommen. Die Ansage mit den Anschlüssen
    hatte er schon oft genug gehört.
    Die Frau erzählte von den Reisen, die sie mit ihrem Mann früher gemacht hatte und davon, was sie
    alles schon gesehen hatte. Obwohl die Frau schon gleich wieder aussteigen musste, wirkte sie
    erstaunlich gelassen. Ihr schien es zu gefallen, jemanden zum reden zu haben. Benni war ganz in
    Gedanken versunken und stellte sich all die Orte vor, an denen die Frau schon gewesen war: Ägypten,
    Russland, Amerika…
    Das Knacken des Lautsprechers riss ihn aus seinen Gedanken.
    „Sehr geehrte Fahrgäste, in Kürze erreichen wir Basel SBB. Es werden alle vorgesehen Anschlusszüge
    erreicht. Vielen Dank für Ihre Reise mit der Deutschen Bahn. Auf Wiedersehen.“
    „Wow. Da haben Sie aber viel erlebt. Wenn ich alt bin, will ich auch so viele schöne Orte besucht
    haben.“, sagte Benni ganz neidisch.
    Die Frau erzählte auch von ihrem Pelzmantel, den sie damals in St. Petersburg gekauft hatte. Benni
    tippte, dass der Mantel bestimmt aus Biberfell gemacht wurde. Er hatte mal im Fernsehen eine
    Dokumentation darüber gesehen. An die Bilder der armen Biber mochte er sich ungern erinnern. Den
    Schal, den sie trug, hatte sie dort für ihren Mann gekauft. Nachdem er gestorben war, trug sie ihn
    häufig.
    Dieser Schal war ihm schon vorher aufgefallen. Jetzt wusste er, was ihm daran komisch vorgekommen
    war. Es war ein Männerschal. Abgesehen davon, dass er nicht recht zu ihr zu passte, war es ein sehr
    schöner Schal, aus dicker Wolle und schön bunt.
    Der Frau war sein bewundernder Blick nicht entgangen.
    „Möchtest du den Schal gerne haben? Ich brauche ihn sowieso eigentlich nicht mehr.“, sagte sie,
    während sie aufstand.
    Bevor Benni eine Chance hatte zu antworten, zog sie den Schal aus und gab ihn ihm.
    „Ich weiß gar nicht, wie ich mich hierfür bedanken soll.“, sagte Benni, noch ganz verschüchtert von
    der Großzügigkeit der Frau.
    „Das ist schon in Ordnung. Ich weiß ja, dass er in guten Händen ist.“, versicherte sie ihm, während sie
    aufstand. Erst jetzt bemerkte er, dass die Frau nur einen Rucksack dabei hatte. Er fragte sie, wie lange
    sie denn bleiben wolle.
    „Ach, das weiß ich noch nicht. Aber ich brauche nicht viele Kleider, falls du das meinst.“, antwortete
    sie mild.
    Benni wollte noch nachfragen, ob ihr es denn nichts ausmachen würde, immer wieder dieselben
    Kleider anzuziehen, doch die Türen öffneten sich bereits.
    „Mach es gut, Benni. Viel Spaß bei deinem Vater.“, sagte die Frau und ging in Richtung Ausgang.
    „Vielleicht sehen wir uns ja auf der Rückfahrt.“, meinte Benni mit einem scherzhaften Lächeln. Aber
    tatsächlich wäre er wirklich froh, wenn jede Zugfahrt so interessant wäre, wie diese es gewesen war.
    „Ich glaube nicht.“, sagte die Frau und lächelte, als ob sie es schon wüsste.
    „Tschüss.“
    Benni lächelte und betrachtete seinen neuen Schal. Als er aufblickte, sah er sie noch um die Ecke
    gehen. Dann war sie in der Menschenmenge verschwunden.
    Ritalin - So much easier than parenting!


  2. #2
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    AW: Zugfahrt ins Glück - Kurzgeschichten- und Gedichtwettbewerb 2013

    Hach, zu viele Geschichten für Zugliebhaber hier

    Auch hier find ich es ganz nett, dass man ein wenig mehr nachdenken muss... gehört auch zu meinen Favoriten ^^
    Time don't mean a thing when you're by my side
    Please stay a while

  3. #3
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    AW: Zugfahrt ins Glück - Kurzgeschichten- und Gedichtwettbewerb 2013

    Die Geschichte gefällt mir besonders. In den unteren Klassenstufen hatte man ähnliche Texte im Deutschbuch lesen können, und die fand ich alle ziemlich putzig. Die Erzählweise lässt einen durchaus von einer Zugfahrt als kleiner Junge träumen.
    Sie ist ziemlich simpel, aber darin liegt der Reiz

  4. #4
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    AW: Zugfahrt ins Glück - Kurzgeschichten- und Gedichtwettbewerb 2013

    Hab auch mal mit einer alten Frau im Zug geredet als ich fürn Wochenende zu meiner Mutter fuhr. Die Geschichte erinnert mich an das.

  5. #5
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    AW: Zugfahrt ins Glück - Kurzgeschichten- und Gedichtwettbewerb 2013

    Ganz ehrlich fehlt mir hier die Wirkliche Handlung. Ja er redet mit der alten Frau, die ihm einen Schal schenkt. Und weiter?
    Ich versteh den Sinn hinter dieser Geschichte nicht wirklich, entweder weil es keinen gibt oder ich zu blöd bin um ihn zu erkennen.

  6. #6
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    AW: Zugfahrt ins Glück - Kurzgeschichten- und Gedichtwettbewerb 2013

    Zitat Zitat von jan_metal Beitrag anzeigen
    Ganz ehrlich fehlt mir hier die Wirkliche Handlung. Ja er redet mit der alten Frau, die ihm einen Schal schenkt. Und weiter?
    da sind schon ein paar andeutungen im text...
    If mostpeople were to be born twice they'd improbably call it dying
    (E. E. Cummings)

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