1. #1
    Ivy
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    Eilverfahren

    Im Herzen war ich schon immer spontan, ich ließ es hüpfen und von meinem Hang zur Rationalität wieder auffangen. Schließlich ist diese ein weiches, tröstendes Kissen mit harten Ecken, manchmal. Vielleicht lag mir deswegen diese Anreihung von Phonemen in den Ohren, die sich zu Wörtern zusammensetzten, dann langsam zu Syntagmen und schließlich gemeinsam zu einem Satz verschmolzen, auf dem viele noch viel hässlichere folgten.
    "Dein kaltes Herz hat mich kaputt gemacht!" Ich weiß nicht, warum sie sich gerade für diese Worte entschloss, wahrscheinlich Zufall gepaart mit der Absicht mich zu verletzen, das Eis zu zerschlagen. Möglicherweise war mir mein Herz doch schon zu oft durch die Hände der Vernunft gerutscht, auf den Boden geklatscht und bestand nun nur noch aus unzähligen Beulen, Kratzern. Vielleicht sah es früher so aus, als hätten es reine Kinderhände auf Papier gemalt. In jenem Moment jedoch, da glich es nur noch einer Kastanie. Kastanien sind schön. Zum Basteln.
    "Du hörst mich gar nicht! Du zeigst nie auch nur eine Regung!", ihre Augen blitzten so grotesk bei diesen Worten und ich fragte mich, warum ich mich je in ihnen verloren hatte. Innerlich weinte ich tausende, tiefe, endlose Meere.
    "Wohin gehst du?!" - "Ins Bad." Ich schlurfte dahin. Ein wirklich unpassender Moment, ich weiß, aber manchmal sollte man vernünftig sein. Außerdem lockte mich das sachte -Tropf, Tropf- meiner inneren Tränen immer weiter in diese Richtung. "Dann geh ich ganz!", schrie sie noch und ließ mich zurück.
    Mit dem Türknallen erlangte ich Klarheit. So wie immer. Die endlosen Meere werden wieder abfließen, eine Wüste zurücklassen, bis sich ein zartes Pflänzchen in mein Herz schleicht.
    Das Herz ist ein Organ. Dadurch dass es schlägt, lebe ich. Also funktioniert es, einwandfrei sogar, sagt mein Arzt. Was nun? Das Telefon liegt kalt am Ohr. Eigentlich gibt es keinen Menschen mit dem ich gut reden kann.
    "Hallo, ich hab lang nichts mehr von dir gehört!"
    "Hi, Karl. Jenny ist weg."
    Auch Karl ist diesbezüglich zum Glück keine Ausnahme.
    Später war ich unterwegs. Hatte dann noch viel später mitten auf dem Weg ein hässliches Tier gefunden. Einen jungen Vogel. Name: Jenny. Erschien mir passend. Hatte das Tier tatsächlich mit nach
    Hause genommen und hab die Nacht aus Angst zum Tag gemacht. Etliche Krankheiten tanzten durch meinen Kopf, die dieser Vogel in meine Wohnung einschleppen könnte.
    Endlich schlief ich, mit Tränen in meinen Augen, als mir klar wurde, dass mich die schlimmste Krankheit der Gesunden schon ereilt hatte.
    Geändert von Ivy (17.11.2013 um 23:04 Uhr)

  2. Diese 2 Benutzer bedanken sich bei Ivy für diesen Beitrag:

    BlackLight (17.11.2013), Zumi (25.02.2014)

  3. #2
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    AW: Eilverfahren

    Ein sehr exzentrischer Text, ohne fassbare Atmosphäre. Ich weiß nicht richtig, wie ich den Text nun einordnen soll, aber vielleicht passt das wiederum perfekt zur Thematik.

    Ein Mensch, der in den Wellen der Meute sein inneres Salzwasser niemals mit dem äußeren Meer teilen kann. Man ist sich nicht sicher, ob das "Ich" denn nun gerne von seinem Leiden erlöst wäre und inwiefern Offenheit gleichsam Qual und Erleichterung auslösen würde. Selbst als Leser, der in diese Person hineinblicken kann, bleibt es einem verwehrt, die einzelnen Verhaltensmuster präzise zu deuten. Das führt meinerseits zu Unbefriedigung. Ich möchte diesen Charakter erfassen, weiteren Situationen aussetzen, in denen ich ihn beobachten und analysieren kann, aber vielleicht ist das seine Angst. Das "Ich" möchte flüchtig bleiben, sich nicht in einem längeren Text zeigen, weil doch Entblößung so unauthentisch und unkontrollierbar ist.

    Ein sehr interessantes Textexperiment, das mich allerdings gleichsam fragend und in meinen Gedanken unvollständig zurücklässt.


 

 

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