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    Freiheit

    Eine leichte Brise bahnte sich durch die klare Novembernacht. Die Sterne waren gut zu sehen, wie sie über allem Irdischen thronten, gebannt an dies Himmelszelt, Formationen bedächtig ergeben, erzählend, aus einem Fremden Leben. Weiter unten, in unse're Welt geworden, ragten die kalten Mauern der Aegidienkirche, Narbenschwanger von so Vielem, was aus trüben Erzählungen blieb. Das Dach des Gemäuers glänzte durch seine Abwesenheit und schenkte einen Blick in die Ferne. Im, vom Frost bedeckten Hof, standen zwei in Stein gebannte Wächter, die Augen quer durch die feucht-kühle Einsamkeit gerichtet, hinüber zum Altar, welcher einem Rittergrab glich. Nur war es kein Ritter, kein Held der Vergangenheit, der auf dem blanken Stein gebettet war, bewacht vom hölzernen Kreuz, welches sich dahinter erhob.
    Nicht heute Nacht

    Sein schwarzer Wollmantel, welcher kurz vor seinen in Stiefeln gekleideten Füßen sein Ende fand, streifte, vom Wind geleitet, spielerisch, mit einer kindlichen Leichtigkeit, den starren Altar. Durch seinen offenen Mantel, an den Knöpfen des Baumwollhemdes vorbei, konnte man einen Blick auf seine nackte Brust erhaschen, die sich bedächtig auf- und absenkte. Etwas höher hatte sich ein sanftmütiges Lächeln ausgebreitet, welches ab und an durch den Vorhang der schulterlangen, braunen Haare auszumachen war. Sein Blick streifte den steinernen Thron auf und ab, begutachtend, was ihm Antrieb gab, was ihn am Leben hielt. So oft hatte er diesen Ort heimgesucht, so oft versucht die Leere zu füllen, so oft den Tod gegrüßt und das Schicksal verhöhnt. Doch in dieser Nacht würde er sich nicht dem Schmerz der Vergangenheit hingeben.
    Nicht heute Nacht.

    Eine schmale Klinge blitze in seiner Hand auf und durchtrennte die kühle Brise, die ihn umwarb. Die braunen Tigeraugen reflektierten die Schönheit, die vor ihm, in nackte Unschuld gehüllt, gebettet war. Die Brust bebte leicht, während der gleißende Mond, zarte Gedichte auf ihre fahle Haut schrieb. Ihre feuerroten, schimmernden Haare fielen leicht gewellt über ihre Schultern, in der gleichen Ruhe versunken, wie ihr unbedeckter Leib.
    „Schlaf nur schön, meine Liebste. Dem grausamen Leben bist du bald entkommen, das Leid wird dir ein Fremder Gast sein, eine Illusion aus Unbekanntem. Hauche nur Gespenster in das Dunkle, sattel sie mit deinen Gedanken, lass sie deine Wünsche tragen, hinfort, im Diesseits, nimmermehr."
    Seine blassen, vom Winter gezeichneten Lippen, gaben, wie in Trance, die Worte frei, die sich schon ewig nach ihrem Ausbruch sehnten.
    „Das Leben hat dich schwach gemacht, dir den Willen geraubt, des Glaubens bestohlen, jeglich Hoffnung begraben. Sieh, sieh nur, was dir geblieben ist. Den Spiegel nach innen gekehrt, die Augen so matt, die Scherben sind nicht fern, und schneiden, sie lassen deinem Leben freien Fluss, unkontrolliert, hinfort, wo das Leben nie war, nimmermehr. Deine Hülle, wenn auch zart, doch so zerbrechlich, zu schützen gesannt, was doch dem Abgrunde bereits einverleibt, verurteilt, nicht der Gerechte richtet. Die Zeiten haben sich nun gewandelt, das Rad gab dem Schwindel nach, Tür und Tor haben den Blick verändert, lass heute nicht Allerwelt sein, lass den Hauch der Morgenröte dir nicht in die Seele brennen.
    Nicht heute Nacht"

    Sein Kopf beugte sich behutsam über ihr blasses Gesicht und warf einen Schatten auf die puppenhaften, geschlossenen Fenster zur Welt, welches in dieses Porzellanmosaik gelegt waren. Sein Atem drang hervor, erkundete ihr Antlitz und verlor sich in den dichten Wellen ihres Haars. Vorsichtig glitten ihre mattroten Lippen auseinander und ihr Atem begann einen leidenschaftlichen Tanz mit dem Seinen. Die roten Lippen verloren sich in stürmischer See, auf welcher er ihr das nahm, was ihn in die Verzweiflung trieb. Der Moment, zweier Seelen, die sich, von Unschuld umgeben, der Leichtigkeit des Seins hingaben, zwanglos, schutzlos, dies war es, was er ersehnt hatte, erfleht, und nie erreicht. Doch nun, wo er, der Sysiphos, es vollbracht hatte, hier, so würde es ihm keine dreiste Seele nehmen können.
    Nicht heute Nacht.

    Seine schmale Klinge versank im schwarzen Meer der Tinte, saugte an seinen Gedanken aus Nostalgie.
    „Was das Leben dir genommen, das werde ich dir heute geben. Hab keine Angst, zarte Seele, die Stille der Nacht birgt Vollkommenheit. Lass des Künstlers Hand dein Werk zur Vollendung bringen, dich heben, hinauf, in die Weiten deiner Welt. Dieser Ort ist nichts für dich, hier herrscht die Gewalt, getrieben Egoismus im Kleid der Moral. Hier, wo der Feige in Lügen badet, genährt vom Blut des Einfachen, sich die Gier einverleibend, die bittersüßen Tränen der einen Mutter trinkend, den Tod verlacht. Dieser Ort, der dem Zweifel ein Heim ist, jedoch jeglich Freude verstößt, ein ausgesetzter Fötus, zehrend nach der Wiege, die das Leben bereit halten sollte, schwer atmend, die Pest der Arroganz. Doch du hast Glück, du Eine, du erwähltes Wesen, ernannt dich dem Größeren hinzugeben, dem allgegenwertigen Ganzen, zu einem Objekt der höheren Erkenntnis werden zu lassen."
    Der kalte Stahl glitt über ihre Brust und legte die schreiende Unschuld frei, welche aus ihrer irdischen Hülle rannte. Wie Pinselstriche, geleitet von DaVincis Geist, glitt er über die papyrusartige Haut. Gedanken wurden zu Lauten, Laute zu Worten, die sich als Zeilen auf ihrer blassen Haut einbrannten, lyrische Küsse für die Ewigkeit.
    „Ich bin ein Künstler, Geist der vollkommenen Erkenntnis, der Schöpfer von Gut und Schlecht, und du, edle Muse, bist meine Leinwand, mein einsames haltlos Blatt, welches meine gedankenschwangere Seele befreit, die Poesie der fernen Welt in die Ewigkeit bannt. Deine Schönheit lebt in diesen Zeilen, Verse so rein wie das Himmelszelt, das sie bescheint. Meine Lillith, meine Schöne, meine Reine, meine Muse, schlaf ein, schenke deiner Seele Ruhe, meiner, die Schmerzen sind nicht ewig, der Wind spricht unser Gelübde, höre sein Gebet, sein Gesang gilt nur dir. Nimm dies Geschenk, die Leere ist nicht so einsam wie dies Leben, jede Blume begann die Blüte auf ihrem Felde, Knospen weilen nicht in Trauer und auch du wirst deine Flügel aus dem Kokon strecken, die Sterne erwarten dich schon, lass dein Licht das Ihre in Neid verglühen, bis sie ausgebrannt, dem sterbenden Glauben gleichend, vor dir niedersinken."
    In seiner Trance, vom Wahn genährt, glitt die Klinge, schnitt, hier und da, der Wein des Lebens, ein Schrei, der vor den Lippen starb, hinüber, nimmermehr gehört, mit einer leisen Bitte, einem Wunsch, einem Versprechen, in die erbarmungslose Nacht. Seine Gedanken, kreisend im Nichts, erstickt am Moment, fielen in ein flüstern, hetzend, der Kehle fliehend.
    „Lillith, oh meine Lillith, Kind des Mondes, trage diese Zeilen, lebe, hinfort, zwischen Versen, die Liebe Zweier, die, welche die Krone eines Baumes vor der drohenden Morgenröte bewacht, wissend, dass ihr Atem ein „für immer" in die alte Rinde ritzt gedacht dies Leben zu überdauern, getragen, wie das Haupt der Cleopatra, in Gärten des Herrn, der, im milden Gemüt versunken, die Zeit verbannt, gebracht, um dem Felde die Ruhe zu geben, wenn der Blick den Horizont kreuzt, der dem Feuer des Vergebens erlag."
    Wieder führten seine Lippen über die des erblühendes Engels, wieder lies er seine Hand zu Federstrichen werden, welche sie in ein Kleid aus Rosen hüllte, ihr die zarte Unschuld entlockte und besiegelte, was nächtlich Eulengesang angekündigt hatte. Immer wieder fuhr das Blitzen durch warmes Fleisch und legte frei, was ihr den Atem schenkte. Sein Mund bahnte sich einen Weg zu ihrer pulsierenden Schläfe, die ahnungslos den Geist antrieb. Er senkte seinen Körper auf den ihren und vergrub die Lippen, tief versteckt in ihrem Haar, flüsternd, ihr einen letzten Kuss auf ihr Antlitz hauchend, bevor der schimmernd rote Stahl ihr das letzte Gespenst nahm. Sein Gemüt ruhte auf seiner Hand. Ein einsamer Hauch trug einen erfüllten Wunsch durch die Äste. Er war frei.
    Heute Nacht.

    Think Different

    More: http://www.gedankenhure.wordpress.com/

  2. #2
    urneturne
    Gast

    AW: Freiheit

    Zitat Zitat von Kuschi Beitrag anzeigen
    Eine leichte Brise bahnte sich durch die klare Novembernacht. Die Sterne waren gut zu sehen, wie sie über allem Irdischen thronten, gebannt an dies Himmelszelt, Formationen bedächtig ergeben, erzählend, aus einem Fremden Leben.
    Da hab ich schon aufgehört zu lesen.

    Pathetik und so.. Es ist unnötig, in eine Naturbeschreibung noch so viel Pseudo-Erhabenheit reinzuquetschen.

    Und dann noch all diese EKLIGEN deplatzierten Partizipien.

  3. #3
    Nolwiel3
    Gast

    AW: Freiheit

    Sehr theatralisch geschrieben, aber mir gefällt es eigentlich. Ich finde den Zusammenhand von Geschichte zur Überschrift gut und mag auch deinen Schreibstil.
    Als kleine Kritik zum Schluss: Ich hätte die Wiedeholungen am Ende der Absätze weggelassen, da diese sehr gestellt und stereotypisch wirken.

 

 

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