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    Fernweh

    Sehnsucht.
    Umringt von einem Fluss, welcher unerschöpflich einem Ziel zu folgen schien, lag sie dort, fast versteckt im Dunkeln, vor ihm. Nur die einzeln verstreuten Lichter reflektierten etwas Leben dieser ruhenden Schönheit. Der Mond musste sich an diesem Anblick sattgesehen haben, so kugelrund wie er majestätisch am Firmament thronte und ihren Schlaf bewachte. Auch einzelne Sterne fügten sich sanft in diesen Schauspiel ein. Und kaum bemerkbar, selbst für die wachsamen Augen der Eulen, saß er, flach und gleichmäßig die Abendluft kostend, auf einem Steinvorsprung, weit oben, und folgte dem Beispiel des Mondes. Hier, in der Höhe, hatte er es sich bequem gemacht, so als würde der nächste Morgen noch Tage entfernt auf seine Abreise warten, so saß er stumm, in einen langen, schwarzen Wollmantel gehüllt, welcher wohl mehr Zierde als Zweck war, umschmeichelt von lauwarmen Sommerwinden, aber wie selbstverständlich zu diesem Gemälde aus Träumers Feder gehörend, und lies seinen Blick einen Blick ohne Ziel sein. So wie die matten Schimmer zum Antlitz der müden Schönheit gehörten, so gehörte er und das kühle, prickelnde Bier, welches seine Lippen befleckte und die Zunge umwarb, in diese Nacht, so als sei es immer so gewesen, als gäbe es nichts anderes und als könne und wolle niemand dies ändern.
    Gewohnheit.
    Doch wie jedes Schauspiel, dessen Drehbuch nicht aus der Feder der Protagonisten stammt, so war auch dieses mit einem Schleier aus Zweifeln überzogen, denn er blickte nicht alleine in die endlose, befreiende Stille der Nacht. An seiner Seite lehnte, wie aus Eifersucht, den Moment und die Zweisamkeit mit der Schönheit nicht gönnen wollend, ein junges Mädchen, nicht weniger prachtvoll und atemberaubend als der Moment, aber wie aus unüberlegter Handlung oder reinem Übermut eines Künstlers deplatziert, die Brust, wie seine, im Takt der Atmung auf und ab vibrierend, und sah ihn hoffnungsvoll, fast schon flehend an, bittend um einen Tropfen Aufmerksamkeit, aus dem Meer, dass dieser Schönheit zuteilwurde, welchen sie nie erlangen würde. In ihren Augen, welchen ihn und seinen, wohl nicht schlanken, aber auch nicht abstoßenden Körper abtasteten, lag ein Schimmer von Hoffnung, Hoffnung auf eine gemeinsame Zeit, welche es nie geben würde, er ihr nicht geben könnte, aus Furcht vor Bindung und aus Liebe zu dem Jetzt, diesem Zustand, welchen er zugleich suchte und fürchtete – Die Einsamkeit.
    Diese Beziehung, zu welcher ein Außenstehender die Beiden verurteilen würde, war lediglich ein Gemisch aus Gewohnheit und geträumter Nähe und falscher Vertrautheit, welche an der Brandung seiner Gefühle und Gedanken zerschellten, Gedanken, welche sie zu gerne lesen, Gefühle, welche sie zu gerne teilen würde, von welchen aber ihr Verständnis und seine Offenheit so weit entfernt waren, wie die Quelle dieser, wie der Ursprung auf welchen sie, abwechselnd, blickten. Dieses Gemisch aus zwei Wesen, glich einer stillen Übereinkunft, einem billigen Kompromiss, irgendwo einsortiert zwischen Ängsten, Träumen und Konventionen.
    Freiheit.
    Er erhob seinen, leicht müden, aber adlerklaren Blick zum Himmel, zu den Sternen und dem Mond, gen allem was über ihm wachte, sanftmütig, nicht über ein einfaches, auf diesem Planeten verharrendes Wesen urteilend, welches einmal zu oft, einmal zu gerne, aufgeblickt hatte mit den Augen des Horizonts herab geblickt hatte, und enttäuscht gar verängstigt vor diesem Leben zurückschreckte, und in die Sprache floh, aus Angst vor dem Leben und auf diese Art in ihm zu enden. Einem Leben, das es hier nicht geben würde, nie geben könnte. Hier wartete eine schöne Welt auf ihn, jungfräulich, von allen Übeln nur gestriffen, welche ihn wie eine liebevolle Mutter stillen, zudecken und über seinen Schlaf wachen, sowie ihm seine beste Gefährtin, seine schönste Geliebte und sein aufregendstes Abenteuer sein würde, fern von jedem Gesetz und so reich an Hoffnung und Träumen .
    Seine Lieder senkten sich wieder und bedeckten seine klaren, braun-schimmernden Edelsteine, während er den Wind atmete, der sich in seiner Melancholie verfangen hatte.
    Seine Begleitung, welche nicht nur von nächtlicher Dauer war, wandte sich mit erwartungsvollen Augen und fragenden Lippen zu ihm und lies seufzend ein „Bist du glücklich?“ in das schwarze Nichts fallen, knapp an ihm vorbei, doch trotz dessen ihn erreichend und für einen Moment in die Realität zurückführend, um ihm einmal mehr zu verdeutlichen, dass er in dieser Einsamkeit nicht alleine war. „ja“ schoss ihm die Lüge über die aufgeplatzten Lippen, Lippen, welche nur der Sprache, aber keinem Gefühl oder Nähe mehr mächtig waren. Zudem war diese Antwort eine, welche keinerlei Befriedigung in ihr bewirkte, weil sie ihm so wenig Glauben schenkte, wie er sich selbst, aus dem Bewusstsein heraus, dass er gerade zwar glücklich war, wachend über den Schlaf seiner träumenden Schönheit, wie der Himmel über ihn, aber sobald dieses Schauspiel enden würde, er erneut vor seinem Abgrund stehen würde, weil die eine Zuflucht die er hatte, längst erloschen war. Er wusste wohl, genau wie sie, dass es eine Zeit gegeben hatte, in welcher er, ohne zu wissen, ob der Halt unter seinen Füßen auch seinem Rücken stand halten würde, eine Zeit, in welcher er gelacht hatte, nicht um seiner Trauer ein gesellschaftliches Gewand zu geben, sondern weil es der einzig mögliche, der einzig richtige Weg war, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.
    Reise.
    Sein Kopf wandte sich wieder, stillschweigend wie immer, den matten Lichtern aus der Ferne zu, welche spielend, gar tanzend, in der dunklen aber klaren Nacht flackerten. So oft hatte er die Schimmer gesehen, sie gesehen und doch nie satt geworden, zufrieden und erfüllt, sondern betrachtete seine Muse immer aufs Neue, reiste ihr nach, ohne die Gedanken ins Unsittliche fliehen zu lassen, sah sie an und genoss ihre Anwesenheit. Er hatte Zuversicht. Er wusste, eines Tages, in einem noch so fernen Leben, möge es noch so unerreichbar nah sein, würde es ihr genauso gehen, würde sie ihn ansehen, sie sich ansehen und ihre Blicke würden sich küssen, leidenschaftlich, ohne jegliche Dämmerung, die ihnen drohen könnte, wissend, dass die Zukunft in beider Herzen lag, welche bei den ersten Sonnenstrahlen zu einer Einheit verschmolzen, zu einem Puls, welcher von nun an deren Lebensuhr war, zu einem Traum, welcher beide zu einem prachtvollen Strauß aus allen Farben vereinte und ihre Zweisamkeit besiegelte.
    Er schloss die Augen und nippte an seinem Bier.
    Er war angekommen.
    Heimat.

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  2. #2
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    AW: Fernweh

    was im meerschaum glitzert und an land brandet, sind nicht immer edelsteine, hab ich grad gelernt. aber guter schreibstil, soweit. nur kaum übersichtlich lesbar formatiert, für so'n forum.
    ....

    任何人谁读这是愚蠢的。 嗨,伙计。

 

 

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