1. #1
    Anfänger
    Registriert seit
    24.05.2011
    Alter
    25
    Beiträge
    16
    Danke verteilt
    0
    Danke erhalten
    0 (in 0 Beiträgen)

    Eine zufällige Begegnung...

    Es ist kalt. Ich ziehe mir den Schal übers Kinn und rücke mir meine Mütze zurecht, damit Ich nicht friere. Draußen weht ein herber, frischer Wind und deshalb beschließe ich, mir über die vielen Wollpullis auch noch eine Windjacke anzuziehen. Ich bin spät dran, also streife ich sie mir schnell über und gehe zur Tür hinaus.

    Der Wind peitscht mir entgegen, und obwohl ich dick eingepackt bin spüre ich den kalten Wind an jeder Stelle meines Körpers. Ich friere.
    Aber ich habe jetzt keine Zeit mehr umzudrehen und mich noch dicker anzuziehen. Ich bin schon sehr spät dran. Nach 10 Minuten habe ich mein Auto endlich erreicht. Das mit den Parkplätzen ist hier immer so eine Sache für sich. Ich setze mich in mein Auto, drücke den Schlüssel in das Schloss und drehe um....
    Nichts passiert... Ich versuche es ein zweites mal... Schon wieder nichts.

    Wütend steige ich aus meinem Auto aus und renne Richtung Bushaltestelle. Als ich auf der halben strecke zwischen Auto und Bushaltestelle war, fährt auch noch der Bus an mir vorbei. Ich winke ihm noch hinterher, er soll an der nächsten Haltestelle kurz auf mich warten- aber an der nächsten Bushaltestelle wartet niemand und der Bus fährt einfach dran vorbei.

    Ich bin völlig außer Atem und beschließe, mich auf die Bank in dem Wartehäuschen zu setzen. Der nächste Bus kommt erst in 20 Minuten, und solange heißt es warten.
    Doch auf einmal taucht eine Figur auf. Ich kann das Gesicht nicht erkennen, da es ebenso wie meins dick umhüllt ist. Die Person setzt sich neben mir auf die Bank, zieht kurz den Schal unters Kinn und fragt: „ Sie wissen nicht zufällig, wann der nächste Bus kommt?“

    In mir wurde es Eiskalt, noch kälter als jeh zuvor in meinem Leben. Neben mir sitzt Christine. Die Christine. Wir haben damals alles zusammen gemacht. Wir waren wie Bruder und Schwester. Ich sage mit leiser, zitteriger Stimme : „Chr.. Christine?? Du hier??“

    Christine guckt mir in die Augen. Sekundenlang tut sie das jetzt schon. Ich warte immer noch auf eine Antwort, doch plötzlich steht sie auf, dreht mir den Rücken zu und geht davon.

    Wums!!! Ich bin Sprachlos. Ich spüre nichts mehr an meinem Körper, die Kälte ist vollkommen verschwunden. Ich merke nur, wie mir kleine, warme Tränen über die Wange laufen. Hat sie mich nicht erkannt? War sie es überhaupt, oder habe ich sie mit jemanden verwechselt?

    Doch, sie war es, da bin ich mir ganz sicher. Ich beschließe, mir heute frei zu nehmen und wieder nach Hause zu gehen. Ich fühle mich nicht gut. Tausende Gedanken toben in meinem Kopf herum: Warum ignorierte sie mich? Hat sie mich nicht erkannt? Aber sie muss mich doch erkannt haben, blickt man jemanden, den man kennt sonst sekundenlang in die Augen?

    Doch der Gedanke, der mich am meisten quält, ist ein anderer: Ist sie vielleicht wegen mir weggegangen?

    Es war vor genau 8 Jahren, und es war der schrecklichste Tag in meinem Leben. Ich war 19 Jahre alt und hatte gerade mein Abitur bestanden. Es gab eine kleine Feier, zuhause bei Christine. Ihre Eltern waren im Urlaub in Griechenland und so hatten wir das Haus für unsere kleine Abschlussfeier.



    Der Abend zog sich in die Länge und am Ende waren nur noch Christine, ihr Freund Marko und Ich im Haus. Wir räumten noch ein wenig auf und dann fragte Marko mich, ob ich ihn Zuhause absetzen würde, ihm ginge es nicht so Gut. Ich musste leider verneinen, da ich an diesem Abend zu Fuß zu Christine gegangen war und mein Auto zuhause stand. Ich entschuldigte mich noch einmal und unsere Wege trennten sich. Ich kam etwa 10 Minuten später zuhause an. Doch Marko ist nie zuhause aufgetaucht.

    Am nächsten morgen rief Christine mich panisch an. „Marko ist weg“ schrie sie durch das Telefon. „ Du Idiot sonst fährst du doch immer jede kleine Strecke mit deinem Auto, warum gestern nicht, warum gestern nicht...?“ Sie weinte.

    5 Tage später fanden sie Marko. Er wollte eine Abkürzung durch den Wald nehmen. Aber sein Weg kreuzte sich mit einer Horde Wildschweinen. Er wurde von ihnen niedergetrampelt.

    Ich wollte damals sofort zu Christine, doch ihre Mutter erzählte mir dass sie am morgen zu ihrem Onkel nach Göttingen gefahren sei. Sie sagte, dass Christine am Ende ihrer Kräfte sei und sich ablenken muss.

    Seitdem habe ich sie nie mehr gesehen. Ein paar Wochen später sah ich nur einen großen, gelben Lastwagen vor Christines Haus stehen, in den gut gebaute Männer gerade Christines Schlafcouch verstauten.

    Ich bin jetzt zuhause angekommen. Ich setze mich sofort an den Rechner und versuche eine Adresse oder eine Telefonnummer von Christine zu finden. Ich will unbedingt wissen, was passiert ist.

    Ich bin aber leider nur auf ein Postfach gestoßen. Ein Postfach in Göttingen, das wohl der Firma ihres Onkels gehört. Ich beschließe einen Brief an dieses Postfach zu schreiben.

    Es hat sehr lange gedauert diesen Brief zu schreiben, weil ich nicht wusste, was ich reinschreiben soll. Letztendlich habe ich nur geschrieben, dass ich sie gerne einmal wiedersehen würde und das ich die Person an der Bushaltestelle war.

    5 Tage später gehe ich zu meinem Briefkasten. Ein Brief liegt in ihm, als Absender ist das Postfach angegeben, and das ich meinen Brief geschickt habe. Ich öffne den Brief. Gespannt falte ich ihn Auf und lese, was auf diesem Hellweißen, Chlorgebleichtem linierten Papier steht:

    “Ich weiß das du es warst.“


    Macht sie mich etwa verantwortlich dafür, dass ihr Freund tot ist, weil ich ihn nicht nach Hause bringen konnte, oder will sie einfach nichts mehr mit ihrer Vergangenheit zu tun haben?

    Diese fragen wird sie mir wohl mir wohl nie beantworten.

    Ich versuchte noch oft, sie zu erreichen. Ich schrieb weitere Briefe an das Postfach, versuchte mit ihr über das Internet zu Kommunizieren oder rief bei Auskünften an, um an eine Telefonnummer zu gelangen. Doch eine Antwort habe ich nie bekommen – bis heute nicht.

  2. #2
    -- Themenstarter --
    Anfänger
    Registriert seit
    24.05.2011
    Alter
    25
    Beiträge
    16
    Danke verteilt
    0
    Danke erhalten
    0 (in 0 Beiträgen)

    AW: Eine zufällige Begegnung...

    Das war ein Beitrag, den ich zu einem Gottesdienst mit dem thema "Schuld" geschrieben habe... Ich hoffe, euch gefällts ;-)

  3. #3
    Ivy
    Ivy ist offline Weiblich
    As
    Registriert seit
    16.05.2011
    Alter
    25
    Beiträge
    190
    Danke verteilt
    3
    Danke erhalten
    4 (in 3 Beiträgen)

    AW: Eine zufällige Begegnung...

    Mhm, die Variation der Wortwahl lässt noch zu wünschen übrig, hier zum Beispiel sichtbar:

    Auto zuhause stand. Ich entschuldigte mich noch einmal und unsere Wege trennten sich. Ich kam etwa 10 Minuten später zuhause an. Doch Marko ist nie zuhause aufgetaucht.
    Insgesamt ist der Text sehr einfach gestrickt, was nicht unbedingt immer negativ sein muss, aber in diesem Fall glänzt die Schlichtheit einfach nicht.

    Man sieht aber, dass du dir Mühe und Gedanken gemacht hast.

  4. #4
    Erleuchteter
    Registriert seit
    28.01.2009
    Alter
    24
    Beiträge
    15.363
    Danke verteilt
    1
    Danke erhalten
    19 (in 16 Beiträgen)

    AW: Eine zufällige Begegnung...

    der flashback geht zu nahtlos in die gegenwart über

    und ... die erwähnte wortwahl ... na ja, kA, mir
    vermittelt sie nur bedingt die stimmung der erzählten
    situation ... aber es war ja auch etwas, was stimmhaft
    vorgetragen wurde.
    .



  5. #5
    König
    Registriert seit
    13.09.2009
    Alter
    23
    Beiträge
    866
    Danke verteilt
    25
    Danke erhalten
    36 (in 30 Beiträgen)

    AW: Eine zufällige Begegnung...

    Die Mühe kann man dem Text wahrlich anerkennen. Nur geht ein ganz großer Teil der Originalität an der einfachen Wortwahl verloren. Man liest öfters Wiederholungen eines einfachen Wortes, oder hätte sich als Leser ein passenderes, komplexeres Wort gewünscht.
    Zur Zeitwahl: Ich denke, es hätte deiner Geschichte gut getan, wenn du sie gänzlich im Präteritum verfasst hättest. Manchmal fällst du in selbigen zurück und außerdem scheint der Text durch den Präsens zunehmend einfacher.
    Des Weiteren ist der Text nicht sehr emotional. Man erfährt die Geschichte, aber nicht wirklich viel über die innere Welt des Erzählers. Klar, er ist nicht froh darüber, dass seine Freundin ihn anscheinend nicht erkannt hat. Aber ausser dem Teil an der Bushaltestelle beschreibst du seine Gefühle nicht mehr groß, was die ohnehin schon einfachere Geschichte zunehmens platter erscheinen lässt.

    Die Idee wiederum finde ich gelungen. Lässt man die schreiberischen Defizite weg hat die Geschichte Potenzial finde ich.
    Üben, üben, üben!


  6. #6
    -- Themenstarter --
    Anfänger
    Registriert seit
    24.05.2011
    Alter
    25
    Beiträge
    16
    Danke verteilt
    0
    Danke erhalten
    0 (in 0 Beiträgen)

    AW: Eine zufällige Begegnung...

    Ich sehe natürlich ein, dass ich an meiner Wortwahl noch ein wenig arbeiten muss.

    aber nicht wirklich viel über die innere Welt des Erzählers
    Das stimmt, ist aber bewusst auch so gewählt worden von mir, da sich die Geschichte auf die Schuld-Frage und nicht auf die Persönlichkeit der Personen beziehen sollte.

    aber es war ja auch etwas, was stimmhaft
    vorgetragen wurde.
    Volkommen richtig erkannt, warscheinlich hab ich unterbewusst auch lieber Wörter genommen, die Ich Situationsbedingt besser betonen konnte bzw. die dem Zuhörer ( in diesem Falle wurde es ja vorgetragen) als verknüpfpunkt einzelner Situationen in der Geschichte im Ohr blieben.


    Trotzdem danke für alle Feedbacks und Tipps ;-)

  7. #7
    König
    Registriert seit
    13.09.2009
    Alter
    23
    Beiträge
    866
    Danke verteilt
    25
    Danke erhalten
    36 (in 30 Beiträgen)

    AW: Eine zufällige Begegnung...

    Zitat Zitat von Timmo Beitrag anzeigen
    Das stimmt, ist aber bewusst auch so gewählt worden von mir, da sich die Geschichte auf die Schuld-Frage und nicht auf die Persönlichkeit der Personen beziehen sollte.
    Die Schuld-Frage scheint allerdings meiner Meinung nach nur minimal durch. Klar, du schreibst manchmal, dass der Protagonist sich fragt, ob es seine Schuld ist, dass Christine nichts mehr mit ihm zu tun haben will. Allerdings ist die Schuld-Frage dann zu platt geraten.
    Hier hättest du dann beispielsweise versuchen können, seine Verzweiflung, evtl. Hin und ergerissenheit zu beschreiben. Eigentlich weiß ja jeder ziemlich genau, dass Christine ihn wegen der Vergangenheit nicht treffen möchte. Der Konflikt ist also, meiner Meinung nach falsch angesetzt.
    Statt sich zu fragen, ob Christine sich die Schuld gibt hättest du zB in den Vordergrund setzen können, wie er mit sich streitet, wie er nun vorgehen sollte, um Christine zu überzeugen usw.

    Nur ein Vorschlag, wa?


  8. #8
    -- Themenstarter --
    Anfänger
    Registriert seit
    24.05.2011
    Alter
    25
    Beiträge
    16
    Danke verteilt
    0
    Danke erhalten
    0 (in 0 Beiträgen)

    AW: Eine zufällige Begegnung...

    Um mich nochmal zu korrigieren, die Zuhörer sollten am Ende (für sich) entscheiden wer Schuld war. Er, Christine oder doch Gott?? Eine Antwort gibt es nicht und sollte auch nicht sofort rauskommen. Es gab auch mehrere Geschichten, die dann in die Predigt überging die sich schließlich erst mit dem Thema Schuld auseinandersetzte.

    Ist schwer zu erklären, aber im gewissen weiß ich worauf du hinauswillst BlackLight , und das auch berechtigt ;-)

  9. #9
    Trophäensammler
    Registriert seit
    12.05.2011
    Beiträge
    130
    Danke verteilt
    19
    Danke erhalten
    6 (in 5 Beiträgen)

    AW: Eine zufällige Begegnung...

    Auf Gott wäre ich da jetzt gar nicht gekommen...

    Stimme den anderen auch zu.
    Gute Idee, Umsetzung trifft vielleicht nicht ganz das, was es sollte...
    Halt ein bisschen unausgearbeitet.

  10. #10
    Sofflchen
    Gast

    AW: Eine zufällige Begegnung...

    gar nicht schlecht, ich persönlich finde nur geschichten die im Präteritum geschrieben sind schöner, aber das ist geschmackssache

  11. #11
    Anfänger
    Registriert seit
    12.09.2011
    Beiträge
    12
    Danke verteilt
    0
    Danke erhalten
    1

    AW: Eine zufällige Begegnung...

    also ich finde die geschicht gut!
    vielleicht noch ein bisschen ausarbeiten aber sonst

 

 

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Ähnliche Themen

  1. Begegnung mit komischen Menschen
    Von Vivisomewhere im Forum Small Talk
    Antworten: 19
    Letzter Beitrag: 01.04.2011, 20:24
  2. Antworten: 21
    Letzter Beitrag: 10.08.2009, 22:58
  3. Erste Begegnung...
    Von Scooter im Forum Alles rund um Mädchen
    Antworten: 16
    Letzter Beitrag: 08.02.2009, 21:40
  4. Antworten: 46
    Letzter Beitrag: 19.04.2007, 20:14
  5. Antworten: 7
    Letzter Beitrag: 20.10.2006, 18:25

Stichworte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Back to Top

Search Engine Optimization by vBSEO 3.6.1

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60