1. #1
    König
    Registriert seit
    13.09.2009
    Alter
    23
    Beiträge
    866
    Danke verteilt
    25
    Danke erhalten
    36 (in 30 Beiträgen)

    Brief an Vater

    Vater,
    ich verspüre nun nach langer Ziet wieder das Bedürfnis mit dir auf schriftlicher Ebene in Kontakt zu treten. Ich habe soviel zu sagen und doch finden sich die Worte dazu nur schwer. Nun sind es auf den Tag genau drei Jahre, dass du uns verlassen hast und immer noch spukt dein Geist durch das Haus, als sei ein Teil von dir geblieben. Immer noch verspüre ich ein Drücken in der Brust wenn ich an dich denken muss, alte Fotos von dir betrachte, oder wenn ich wieder eine von deinen achso melancholischen Sms lese. Zum fünfzehnten Male wollten wir neu beginnen und immer wieder bist du zurück an die Flasche geraten. Deine gekaufte Liebe hat schlussendlich nur dich befriedigt und deine Kaufsucht neutralisiert. Mutter ist immer noch unglücklich, fühlt sich ständig überarbeitet, ist depressiv. Bis heute hat sie sich nicht eingestehen wollen, dass du der Falsche warst, dass du die Rolle als Vater nie verstanden hast. Du hast inzwischen schon zig Mal um eine letzte Chance gebettelt und weisst einfach nicht, was nein bedeutet.
    Hör mir zu: Du hast Fehler begangen. Du bist Schuld an deiner Situation. Du hast als Erwachsener zu verantworten, was du aus deinem Leben machst. Du allein musst dich wieder aufraffen. In unseren Augen hast du jegliche Würde verloren.
    Immer noch trauere ich meiner Kindheit nach. Sämtliche Erinnerungen daran sind mit dir infiziert. Immer wieder taucht dein Gesicht vor meinem inneren Auge auf und ich werde nicht fertig damit. Ich frage dich: Wieso kann ich nicht mit dir abschliessen?
    Als deine Tochter einen letzten Versuch starten wollte, dich sehen wollte mit deinen per Sms versprochenen, ausgemerzten Fehlern. Was sie vorfand war ein dick gesoffener, abhängiger Erwachsener mit der Mentalität eines Kleinkindes. Weiterhin hast du dich betrunken und mit deinen leeren Worten an mein schlechtes Gewissen appelliert. Meine Schwester sagte mir, wie du bist. Ich wusste, dass du immer noch gleich bist, mich betören wolltest mit Schwüren, Trauer deinerseits und sonstigem. Doch ich hatte genug, und es dauerte nicht lange, bis deine Tochter sich auch auf meine Seite schlug.
    Wusstest du, dass Mutter sich stets verpflichtet fühlte, dich vor deinen Kindern zu verteidigen? Dich, der ihr damals täglich E-Mails mit Gemeinheiten, Lügen und Drohungen schrieb. Dich hat sie verteidigt, einen verlogenen Kerl, der seiner „Familie“ das Haus nehmen wollte.
    Ich hätte mich wohl nie getraut, mich von dir abzulösen, den Kontakt abzubrechen, doch du hast nicht lockergelassen. Man fühlte sich verpflichtet, dir den Rücken zuzuweisen, so, wie du dich benommen hast. Gleichzeitig hast du einem Leid getan, wie ein Baby, das auf dem Rücken auf dem Bürgersteig liegt und nicht gehen kann. Immer wieder kam ein Mensch zu dir, hat dich getröstet, für dich gesorgt, sich alles schöngeredet, als wäre es normal, dass einem 50 Jahre alten Mann mit zwei Kindern mehr Pflege bedürfe als einem blinden Welpenjungen. Ich hätte mich dir wohl nie entgegengestellt, hättest du eingehalten, deine Fehler stetig auf andere zu schieben.
    Sogar mein Körper wehrte sich dagegen, bei dir zu bleiben. Du hast mich nahezu jeden Tag gefragt, wie es meinem Rücken ginge, im Unglauben es hätte nichts mit dir zu tun gehabt. Doch du warst der Grund für mein Gebrechen. Du allein hast zu veranworten, dass ich lange Zeit vom Sport abgeschieden war und mein Gleichgewicht gestört wurde. In den ganzen 15 Jahren meiner sogenannten Kindheit hatte ich nie das Gefühl, einen Vater zu haben. Bis heute ist mir dieses Gefühl nicht erschienen und wird mir nun wohl für immer verschmäht bleiben.
    Vater, wir haben alles versucht, uns dir zuzuwenden. Doch du hast nach unseren helfenden Händen geschnappt und gleichzeitig gefleht, wir sollten doch zurückkommen. Nein, dies gehört der Vergangenheit an. Wenn du diesen Brief in deinen Händen hälst wirst du ihn wohl bereits nach wenigen Zeilen weglegen, zerreissen, verbrennen, wie du es mit meinen Gefühlen zu tun pflegtest, ohne es zu bemerken. Ich wünsche dir noch ein schönes, heuchlerisches Dasein, was du Leben nennst.

    Lebe wohl, dein ehemaliger Sohn.


    Nächster Versuch


  2. #2
    Doppel-As
    Registriert seit
    18.07.2010
    Alter
    22
    Beiträge
    219
    Danke verteilt
    0
    Danke erhalten
    0 (in 0 Beiträgen)

    AW: Brief an Vater

    Sehr berührend!
    Adieu, dit le renard. Voici mon secret. Il est très simple: on ne voit bien qu'avec le coeur. L'essentiel est invisible pour les yeux.

  3. #3
    Freak
    Registriert seit
    29.08.2010
    Alter
    21
    Beiträge
    78
    Danke verteilt
    0
    Danke erhalten
    0 (in 0 Beiträgen)

    AW: Brief an Vater

    zulang, mag ich nicht lesen, sorry...
    http://www.apple.com/de/ipod/

    Zitat Zitat von artefakt Beitrag anzeigen
    Du bist ein Freak-Magnet.
    Oder ein Magnet-Freak.

  4. #4
    Ultra Spammer
    Registriert seit
    08.08.2009
    Beiträge
    3.790
    Danke verteilt
    30
    Danke erhalten
    14 (in 13 Beiträgen)

    AW: Brief an Vater

    Zitat Zitat von mixi Beitrag anzeigen
    zulang, mag ich nicht lesen, sorry...
    dann schreib auch ncihts?

    tt: hab nicht alles gelsen nur einzelne abschnitte.

    finde ich sehr berührend und iwie auch traurig. kliene frage noch.

    ist das jetzt ernsthaft der nur hypotetisch?
    Du fragst ob ich einen Gottkomplex habe? Ich bin Gott!

  5. #5
    Erleuchteter
    Registriert seit
    28.01.2009
    Alter
    24
    Beiträge
    15.363
    Danke verteilt
    1
    Danke erhalten
    19 (in 16 Beiträgen)

    AW: Brief an Vater

    ich verspüre nun nach langer Ziet wieder das Bedürfnis mit dir auf schriftlicher Ebene in Kontakt zu treten.
    das klingt nach einem antrag beim bauamt.
    ansonsten ists stellenweise sehr schwulstig und leicht naiv. find ich. allerdings den verletzten sohn nimmt man, bei allem pathos, dem schreiber schon ab.
    .



  6. #6
    Melonenschale
    Gast

    AW: Brief an Vater

    Gefällt mir.
    Klingt teilweise recht sachlich, was bei mir den eindruck verstärkt, dass der sohn die ablösung von seinem vater größtenteils geschafft hat (und mit diesem brief vielleicht vollenden will?).

  7. #7
    Freysinn
    Gast

    AW: Brief an Vater

    Zitat Zitat von Melonenschale Beitrag anzeigen
    Gefällt mir.
    Klingt teilweise recht sachlich, was bei mir den eindruck verstärkt, dass der sohn die ablösung von seinem vater größtenteils geschafft hat (und mit diesem brief vielleicht vollenden will?).
    nee... keinen Brief schreiben ist die (Auf)Lösung... das zeigt schon Onkel Kafka

    und ich finds, zumindestens literarisch, überflüssig... es reflektiert halt nur und appeliert an Identifikation und Gefühlsdussel... klappt natürlich bei den Gebrannten, aber wer seinen Intellekt stimuliert haben will, weicht aus

  8. #8
    -- Themenstarter --
    König
    Registriert seit
    13.09.2009
    Alter
    23
    Beiträge
    866
    Danke verteilt
    25
    Danke erhalten
    36 (in 30 Beiträgen)

    AW: Brief an Vater

    Zitat Zitat von Freysinn Beitrag anzeigen
    nee... keinen Brief schreiben ist die (Auf)Lösung... das zeigt schon Onkel Kafka

    und ich finds, zumindestens literarisch, überflüssig... es reflektiert halt nur und appeliert an Identifikation und Gefühlsdussel... klappt natürlich bei den Gebrannten, aber wer seinen Intellekt stimuliert haben will, weicht aus
    Tut mir leid, ich verstehe die Kritik nicht ganz. =/ Du meinst also, es sei zu platt? Aber ist es denn nicht die Aufgabe einer Geschichte in Briefform auch aussenstehenden Menschen den ganzen Vorgang einsehbar zu machen? Ich habe mich bemüht, die Emotionen in Vorwürfe und Wendungen einzubauen und wollte nicht mehr verschleiern, weil ich befürchtete, dass sonst der Ablauf der Geschichte wieder in literarischen Wendungen verloren gehen würde.
    Sollte ich die Kritik nicht richtig verstanden haben würde ich mich über eine etwas weitere Ausführung des Geschriebenen freuen.


  9. #9
    Freysinn
    Gast

    AW: Brief an Vater

    das gegenteil von platt ist nicht verworren, sondern tief... *g*... es isn sehr ausführliches emotionales memorandum... aber mehr eben nicht... und ich denke eben nicht, dass es gelungen ist, den vorgang einsehbar zu machen.... es ist das simpelste gelungen, was möglich ist, jemanden etwas zu zeigen, was er sehen will... die kunst ist es ja letztendlich durch stilistik und co dem Leser das Bild, sofern es eben möglich ist, in den Kopf zu prügeln... und eben weiter zu sein als universal-emphatische Baustelle

 

 

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Ähnliche Themen

  1. Vater auf Unterhalt verklagen ?
    Von Farbenfinsternis im Forum Geld und Recht
    Antworten: 35
    Letzter Beitrag: 06.06.2011, 18:01
  2. Mein Vater
    Von pollux109 im Forum Problemforum
    Antworten: 14
    Letzter Beitrag: 19.02.2010, 20:28
  3. Vater Verklagen Unterhalt....
    Von JumpiStyler im Forum Geld und Recht
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 28.10.2009, 11:39
  4. Mein Vater hat Krebs!!!
    Von groovy im Forum Gesundheit und Therapien
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 16.09.2009, 16:08
  5. Streit mit meinem Vater
    Von Seizuka im Forum Problemforum
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 07.01.2009, 20:20

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Back to Top

Search Engine Optimization by vBSEO 3.6.1

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60