1. #1
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    Zwei(n)samkeit

    „Es ist wohl besser so“ sagte sie in ihr Seufzen hinein. Es war keins dieser mitleidsvollen Seufzer, nein, es war eins von dem sie selbst nicht überzeugt war, eins welches sie nicht wahrhaben wollte.
    Bedrückende Stille füllte nun den Raum. Eine Stille, die alles in sich verschlang, alles fraß und ein kaltes und dunkles Nichts ausspuckte. Und in diesem Nichts saßen wir, so wie wir schon so oft zusammen saßen, uns nur ansahen und in einer Wortohnmacht verloren. Dabei sprachen wir sonst so oft miteinander, Wort für Wort warfen wir uns sonst entgegen. Doch sprachen wir wirklich oder waren es nur bedeutungslose Wortfetzen, welche in grammatikalische Korsetts gezwängt wurden, um den Alltag zu erleichtern? Man redet doch viel zu oft und spricht doch nie. Wirklich Wichtiges ertrinkt in der Flut aus Alltagsgeschwätz und Konventionen. Man redet und redet und doch stirbt alles an mangelnder Kommunikation, einfach weil das Wichtigste nicht in die Hülsen der Worte passt und man es nicht mit Sprache erfassen kann.
    Sie hatte ihren Blick gesenkt und lies ihn langsam über den Boden auf- und abgleiten.
    „Wie siehst du das Ganze?“ fragte sie leise.
    Diese Frage war überflüssig und das wussten wir Beide, denn wir kannten auch Beide die Antwort und das machte diese wiederum auch überflüssig. Es war nur ein Durchbrechen der Stille für ein paar Sekunden, mehr nicht, denn die Stille verschlingt Sekunden später wieder alles.
    „Du hast wahrscheinlich recht“ antwortete ich bedrückt.
    Recht? Wer könnte in dieser Situation schon sagen wer Recht hätte und was besser wäre. Besser wäre wohl so Vieles gewesen, doch nicht für uns. Wir konnten nicht ohneeinander und noch weniger miteinander. Ein Gefühl, dass die Trennung schmerzt, aber die Zweisamkeit tötet. Die Hilflosigkeit, sich im leeren Strudel der gemeinsamen Einsamkeit zu verlieren. Und in fallen in diesen Strudel verloren wir nicht nur den Anderen, nein, wir verloren uns auch selbst. Denn wie soll man wissen was und wen man will, ja wie soll man denn lieben können, wenn man nicht mal weiß, wer man selbst ist?
    „Einsamkeit ist der beste Weg mit sich selbst Freundschaft zu schließen“ heißt es, doch wer will das in so einer Situation schon. Wer sucht schon die Freundschaft und Nähe von sich selbst, wenn man die Wärme und Nähe anderer will? Wer sagt schon „Ich gehe heute mal selbst mit mir ins Kino“, „Ich war gestern mit mir romantisch essen“, „Ich küsse mich so gerne und schlafe mit mir selbst“, wenn dies doch viel schöner mit einem Partner ist. Doch genau diese Ungeduld, die eigene Person zu lieben ist es doch, was einen von Anderen entfernt und schließlich auch von sich selbst.
    Zudem, was ist wenn die andere Person schon zu einem Teil von einem selbst geworden ist, welchen man einfach nicht aufgeben will und kann? Wie soll man aufgeben, was man zu lieben glaubt?
    Menschen stürzen sich immer zu schnell in Etwas, was sie nie verstehen werden, verlieren sich darin und wenn sie dann vor dem Ende stehen, zerbrechen sie daran. Wieso scheitert das Glück immer an der eigenen Unfähigkeit ehrlich zu sich selbst zu sein?
    Meine Gedanken wurden unterbrochen von einem kalten „Es wäre wohl besser, wenn ich jetzt gehe…“.
    Das war es, was den Menschen so ausmacht. In einer Situation, die den eigenen Horizont übersteigt, eine hilflose Flucht in die eigene erschaffene Sicherheit des Rückzugs. Warum es auch versuchen, warum auch einen weiteren Schritt wagen, wenn man sein eigenes Nichts in das Bildnis des Anderen und das gemeinsame Dasein projiziert und sich alle Schritte und Konsequenzen vorher schon ausmahlt. Wie soll man weiterkommen und Neues sehen, wenn das eigene Denken einem schon sagt was passieren könnte und deswegen auch passieren wird. Einseitige Schlussfolgerungen folgen auf einseitige Schlussfolgerungen und verdecken die Sicht für das Leben. Man hat seinen ganzen Verlauf vor Augen und geht daran zugrunde, anstatt seine Gedanken über Bord zu werfen und für den Moment zu leben. Die Intelligenz und das Vorausschauen, ja das Bedenken aller möglichen Risiken wird immer so hoch angepriesen, doch die wirklich glücklichen Menschen sind doch die, die sich wenig Gedanken machen, spontan handeln und im Hier und Jetzt sich frei entfalten und nicht sich in einem Gedankenkonstrukt der Zukunft verlieren.
    Sie stand auf und machte den Versuch zu gehen, ich packte sie aber am Arm. Erwartungsvoll blickte sie mich an und hoffte, ich würde irgendwas sagen, damit sie blieb. Ich hoffte es auch. Doch nichts kam über meine Lippen geflossen, keine Wörter, nicht einmal irgendein Gebrabbel und Gestammel, was sich in hilflosem Gefuchtel verlieren würde, nein, die unerträgliche Stille blieb und wir sahen uns nur an.
    Sie wandte ihren Blick ab, fort von meinen Augen, einfach fort um keine Schwäche zu zeigen, nicht in Tränen auszubrechen und dieses unerträgliche Gefühlskonstrukt noch weiter zu zerstören.
    „Weißt du…könnten wir nicht…es einfach noch mal versuchen? Ich meine…es war doch…es war doch so perfekt und schön…es kann doch jetzt nicht alles zerbrechen…wir können doch nicht einfach daran zerbrechen…und…“ Ich wusste einfach nicht was ich sagen sollte. Eine Gedankenflut brach über mir ein, zerfetze mein Inneres und es war mir unmöglich die Fetzen zu einem Bild zusammenzusetzen, einem Bild was irgendeinen Sinn ergeben sollte oder könnte. Es war schon schwer genug zu sitzen und ihr in die Augen zu schauen, einer Person vor der ich eigentlich kriechen müsste, um Gnade betteln, um Verzeihung winseln für meine Taten. Ich hatte sie zu oft belogen, betrogen, verletzt…die Liste wäre endlos. Und jetzt, erst bei dem Schock der mich wach riss und wir vor dem Ende stehen, erst jetzt merke ich was ich verlieren würde. Ich merkte wie es mein Herz zerteilte, wie ihr Herz blutete und wie wir beide weiter wollten aber nicht mehr konnten. Sie war auch nicht immer gut zu mir, aber das war mir egal. Ich stellte jetzt alles in den Hintergrund für sie, denn ich wollte nur sie, sie allein.
    „Warum sollte das je wieder was mit uns werden? Wie sollen wir uns Vertrauen können? Weißt du überhaupt was du willst? Ich glaube es gibt einfach keine Hoffnung mehr…“ warf sie mir entgegen.
    Sie hatte ja Recht, wie sie es so oft hatte. Und doch wollte ich es nicht wahrhaben.
    „Also hast du mir noch etwas zu sagen?“ fragte sie mich.
    „Ich weiß nicht…es ist einfach schwer zu erklären…und sowieso…“
    „Dann eben nicht. Dann kann ich ja gehen“ fiel sie mir ins Wort. Enttäuscht blickte sie mich an, stand auf und ging.
    Es ist schon merkwürdig, dass so etwas intensives, ja so etwas was sich so lange aufbaut, solange lebt und blüht, mit einem Schlag beendet werden kann. Etwas an dem man Jahrelang baut, es pflegt, es einfach liebt, nur durch einen Fehler komplett in sich zusammenbricht und einen unter den Trümmern begräbt.
    Ich hörte in der Ferne die Tür ins Schloss fallen, sank langsam auf mein Bett und murmelte vor mich hin „Es ist wohl besser so“.

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  2. #2
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    AW: Zwei(n)samkeit

    ich fand den letzten seufzer zum schluss etwas melodramatisch. aber welcher verlag bringt die buchausgabe?
    .



  3. #3
    König
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    AW: Zwei(n)samkeit

    ziemlich schön geschrieben, man fühlt mit etc.
    gewundert haben mich die wörter (zb beide, vieles), die du groß geschrieben hast, obwohl sie klein sein müssen..absichtlich wars wahrscheinlich nicht..

  4. #4
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    AW: Zwei(n)samkeit

    Danke schonmal für die Kommentare

    Ja, das stimmt. Ist etwas schnell abgetippt und hab da nicht sonderlich auf die Rechtschreibung geachtet. Werd den nochmal Korrekturlesen müssen.

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  5. #5
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    AW: Zwei(n)samkeit

    ach, solche feeler stören doch keinen grossen geist.
    .



  6. #6
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    AW: Zwei(n)samkeit


    Gibt es denn noch Verbesserungsvorschläge? Ich bin noch irgendwie unzufrieden mit dem Ende muss ich sagen...

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  7. #7
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    AW: Zwei(n)samkeit

    inwiefern unzufrieden?

    ich hab mir zB das ende so schön gelesen:

    "Ich hörte in der Ferne die Tür ins Schloss fallen und sank langsam auf mein Bett."
    oder
    Stimme im offset: Ich hörte in der Ferne die Tür ins Schloss fallen.
    Abspann ... protagonist legt sich schlafen ... langsamer zoom out ...

    nur über die musik bin ich mir noch nicht im klasren. aber das bild geht von farbig auf classic monochrome über ...

    srry, bin visualist.
    .



  8. #8
    König
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    AW: Zwei(n)samkeit

    den letzten satz weglassen und sowas wie:
    "Die Sonne der Ödnis

    so hell..."

    einfügen.

  9. #9
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    AW: Zwei(n)samkeit

    Der letzte Satz gerade ist aber eine bewusste Widerholung die ich eig mag

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  10. #10
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    AW: Zwei(n)samkeit

    den ganzen letzten abschnitt weglassen und durch 'Wie sie lächelnd vorübergeht..' ersetzen. aber warhscheinlich wirst du das ja nicht mögen, weil dir die bewusste wiederholung ja so gefällt *g*

  11. #11
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    AW: Zwei(n)samkeit

    Jupp, kannst also gerne alles vor dem letzten Satz feinsäuberlich kritisieren und bemängeln, aber DIESER Satz bleibt stehen *g*

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  12. #12
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    AW: Zwei(n)samkeit

    ich könnte noch empfehlen einzelne zeilen von deinem (vor)letzten gedicht( ich glaube das hieß tränenkuss..da gings auf jeden fall um einen wunderbaren romatischen abend) in das gedicht einzufügen..dann kommt der schmerz vielleicht noch besser zum ausdruck, sozusagen als rückblende..

  13. #13
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    AW: Zwei(n)samkeit

    du willst schon die ganze zeit gedichtliches hier unterschieben. ein gedicht verhunzt doch nur die story, find ich.
    .



  14. #14
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    AW: Zwei(n)samkeit

    mir ist da zuviel relativierung, umkehrung, gesülze und redundanz drin... als beispiel mal...

    "Und in diesem Nichts saßen wir, so wie wir schon so oft zusammen saßen, uns nur ansahen und in einer Wortohnmacht verloren. Dabei..." ab dem dabei wird es mir zuviel und sülzig... das ist für mich toterläuterung... ohne zu läutern

  15. #15
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    AW: Zwei(n)samkeit

    kannst ja unter jedem absatz 'das war nicht hart' schreiben, das ist schön zweideutig

 

 

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