1. #1
    Meischukmeilech
    Gast

    Die Asche Satyrevs

    wers versteht und es mir inner pn sagt, kriegt einen virtuellen Klaps auf den Po...

    Die Asche Satyrevs

    Der Gang floh in die Ferne. Über ihm vergittertes, liniengebundenes Neonlicht, dass sich nicht ausbreitete, sondern einfach da war. Ein wackelnder Schatten am Boden kroch die nassen Fliesen entlang. In einigen Fugen blühten gebrochene Fingernägel. Der Schatten rempelte ihn an, floh nach hinten, folgte seinem Blick, seinem zur Seite geworfenen Kopf und hängte sich an den entstehenden Körper eines Pflegers, dessen Name unaussprechlich für seine tranquilizierte Zunge schien. Fasziniert beobachtete er die zerriebenen, körnigen Senfflecken auf dem baumelnden Plastikschildchen am Hemd des Schattenhörigen. Schatten und Nachgeburt krochen mit schlürfenden Schritten an ihm vorbei. Ein schwerer Schlüsselbund jaulte metallisch und entmaterialisierte das Gefühl der gewohnten Endgültigkeit einer der vielen Sicherheitstüren. Dahinter brach die Welt sich. Ein samtiger Teppichboden zischte elektrisch bei jedem Schritt, den er mit maximalen Bodenkontakt seiner Pantoffeln durch die Gänge trieb. Sanftes Licht an den Wänden. Sein Kopf gelangte an eine große Eichentür und er schmiegte ihn, mit geschlossenen Augen, dagegen. Er ignorierte die metallische Frevelaufschrift „Direktorat der Fachklinik für Psychiatrie, Neurologie und Rehabilitation“, zog die hölzerne Luft tief durch seine Nüstern ein und lauschte. Leises Rascheln. Wie fallender Sand. Das antike Holz arbeitete an seinem Zerfall. Die Fassade trug das Kainsmal restaurativer Leichenwäsche.


    Das Holz änderte knarrend die Perspektive, offenbarte einen visuellen und auditiven Riss im Gefüge. Sein Blick fiel auf einen langen Tisch, der mit einer verziert-bestickten Tischdecke verkleidet war. Sein Ohr ertastete Beethovens Violinsonate Nr. 9, die sich im zweiten Satz durch die drückende, dritte f-Moll Variation fraß und irgendwie eine unpassende Atmosphäre auf den Dinnersaal warf. Eine Legion von Kerzen exerzierte bewegungslos auf dem Tisch, ersehnte den Ritt der Walküren und geißelte das Besteck, heftete zerfetztes Leuchten gegen das spiegelnde Meißener Porzellan. Es war für 7 Personen gedeckt, am Tisch saß jedoch nur ein alter Mann im Nadelstreifenanzug. Der Anzug nickte ihm zu und Direktor Nibel, der aus dem Kragen hinaus perlte, unterstrich die Aufforderung sich zu setzen mit einer Metamorphose der Mundwinkel, die nun an die Decke flohen. Ungehorsam warf er seinen Blick in die entgegen gesetzte Richtung und studierte das geräuschlose Parkett. Eine Pfütze Licht blubberte am Boden. Sirup artig platschten einzelne Tropfen davon aufwärts und blieben an einem Kronleuchter, an den flackernden Flammen, die einem Wachsphallus Kollektiv hörig waren, klebten. Der Raum räusperte sich und er kam der wiederholten Aufforderung des Nebels nach und setzte sich auf den Platz, der durch einem Papierkärtchen, dass die Aufschrift „SATYREV RHEY“ trug, gebunden schien. Wie einem unausgesprochenem Kommando folgend, betraten zwei weibliche Insassen in eleganten Abendkleidern, Barfuß, mit stolpernden Schritten und rasenden Augen, den Raum. Die Unbekannte setzte sich neben ihn. Die Andere, deren Namen er kannte und den er gelegentlich durch die glitschige Abendluft des Hofganges trieb, setzte sich neben Direktor Nibel. Er betrachtete sie, wie die Fingernägel ihrer linken Hand den rechten Pulsträger unruhig malträtierten und ihre asperger-geläuterten Augen verzweifelt versuchten die des Direktor, der sie lächelnd quälte, zu fixieren. Jedes mal, wenn ihre schwindende Konzentration sie zwang, ihren Blick von dem Seinen zu nehmen, pfiff er ihren Namen durch seine Lippen, in der Weise wie man „Hure“ zu Frauen oder „Drecksvieh“ zu Hunden sagte. Auch wenn er nichts fühlte, weil sein Geist, medikamentös sediert, betäubt an seinen Hirnlappen klebte, verspürte er den albernen Wunsch diesem Mädchen alle Ängste zu nehmen. Seine angedachte Sitzpartnerin verschwand nun endgültig in der augenwinkeligen Bedeutungslosigkeit und auch der berechnend turtelnde Professor mit der Autistin an seiner Seite verschwamm, als einige Tabletts mit der Vorspeise, in Form einer Lauchsuppe, durch die Luft tänzelten, sich auf den Tisch fallen ließen und dann mit den Statisten, die irgendetwas, was er nicht verstand, mit dem Erscheinen der Vorspeise zu tun hatten, wieder verschwanden. Nun legte sich eine akustische Pause, die eigentlich keine war, weil sie von minimalem Besteck Geklirre und Schlürflauten boykottiert wurde, über den Raum. Aber für ihn war es nun still. Während er seine Suppe anstarrte, die einzelnen Ingredenzien studierte und in sich hinein hörte. Leises Rascheln. Wie fallender Sand. Er sah eine Sanduhr mit milchigem Glas auf einem Sekretär stehen. Asche war darin. „SATYREV RHEY“ stand da drauf, auf einer Plakette, wie man in die Akte einer Leiche „tot“ oder auf das bändelne Kärtchen einer Schreibmaschine „defekt“ schreibt. Das Rascheln aschte. Je mehr er der Sanduhr bei ihrem Prozess zuschaute, desto lauter wurde das Geräusch. Es schwoll an, bis es klang wie ein Wasserfall, der über einem selbst, oder über der Hölle oder der Höhle, in der man steht, hernieder fährt. Und es wurde noch lauter. Er legte sich die Hände auf die Ohren. Immer lauter und lauter und dann:


    „Es ist ein regnerischer Herbst, Satyrev.“ Der Direktor blickte ihn an, als würde es Satyrevs Asche nicht geben. Also hörte er sich selber sagen: „Davon weiß ich nichts“. Nibels Augenbrauen tänzelten skeptisch hin und her. „Sie haben täglich eine Stunde Hofgang. Wie können Sie davon nichts wissen?“ „Ja“, sprach er resignativ. „Hofgang“, wie schalen Wein. „Manchmal war wohl Wind da, weil meine Wangen gerötet und taub sind. Manchmal war wohl Regen da, weil meine Haut glänzt und mein Handtuch später wie etwas riecht, dass nass geworden ist. Das muss wohl Regen sein.“Der Direktor räusperte sich zornig. „Ihre unkooperative Haltung, was die Fokussierung einer wirklichkeits-konformen Wahrnehmung der Existenz angeht, behindert ihre Resozialisierung maßgeblich. Sie müssen endlich akzeptieren, dass die Kausalität der Ereignisse nicht mit dem Gegensätzlichen, nicht mit dem Ende der Kette beginnt, sondern damit aufhört.“ Mittlerweile aßen sie Fleisch, er jedoch suchte an einem Knochen nach Huhn. Es saßen nur noch zwei gesichtslose Abendkleider mit am Tisch. Das eine wehrte sich mit Schmatzgeräuschen gegen seine Augenwinkelabtreibung. Das Andere hatte sich den Puls rot gekratzt. „Ich denke, die Richtung spielt keine große Rolle. Es scheint mir keinen Sinn zu machen. Fokussierung sagten sie. Ja. Das ist ein gutes Wort. Wenn ich das eine Ende einer Sache fokussiere, dann scheint sie der Ursprung zu sein. Blicke ich die Andere an, dann gilt das Selbe. Manche Dinge hören wir gar nicht, vielleicht weil wir den visuellen Nachgeschmack, den sie erzeugen, nicht auf unseren Sehnerven spüren wollen. Hören sie denn nicht dieses Rascheln? Wie es auf den Boden prasselt? Es ist Asche, Nibel. Asche. Zu mindestens würden sie das sagen. Asche, die raschelt, Nibel. Ascherascheln. Für mich ist es Rascheln, das Asche erzeugt. Es ist die Zeit selbst, Nibel. Zeit. Meine Zeit. Ich fließe. Ist Ihnen das aufgefallen, Nibel? „Fließt“ ist das Zufall? Hieß ich überhaupt so? Das letzte Rascheln formt sich zur Asche. Letzten November. Weißt du noch, Nibel?“


    Er suchte in seinem Huhn nach Knochen. Fand jedoch nichts, was sich zum Ersticken eignete. Die Tür öffnete sich und Licht fiel hinein. Vielleicht öffnete Lichtdrang auch die Tür. Er lachte. Ein Pfleger mit einem unaussprechlich senfkörnigem Namen, der an seinem Hemd baumelte, der einem die Zunge tranquilizierte, blickte den alten Direktor a. D. in seiner kleinen Zelle an. Wie er etwas anblickte, dass nicht da war. Wie er „Hure“ und „Drecksvieh“ aussprach, als wollte er zärtlich einen Namen sagen, weil er keinen Knochen fand in dem Huhn. Und er hörte, wie ein stetiges Rascheln Satyrevs Asche erzeugte.
    Geändert von Meischukmeilech (20.10.2008 um 20:31 Uhr)

  2. #2
    Das_Regal
    Gast

    AW: Die Asche Satyrevs

    ich stenke, ich habs verstanden

  3. #3
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    AW: Die Asche Satyrevs

    Danke dafür... jetzt wird mich das Ding umso mehr verfolgen...
    Zitat Zitat von Mrpresident Beitrag anzeigen
    Das ist sowieso nur soeine beknackte Idee von den Kommunisten.

  4. #4
    Zephon
    Gast

    AW: Die Asche Satyrevs

    Absätze, dann fange ich an zu lesen...

  5. #5
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    AW: Die Asche Satyrevs

    In das Ding gehen einfach keine Absätze *grinst* er hats schon versucht... aber es geht schlichtweg nicht...
    Zitat Zitat von Mrpresident Beitrag anzeigen
    Das ist sowieso nur soeine beknackte Idee von den Kommunisten.

  6. #6
    Meischukmeilech
    Gast

    AW: Die Asche Satyrevs

    naja ich hatte ja trotz mangelnder Kooperation des Textes 1-2 Absätze reingezaubert... ging jetzt irgendwie bei copy n paste verloren... aber sie sind sehr zweckmäßig... eigentlich dürften die meisten Absätze nicht da sein, ausser der am Ende...

    habs trotzdem mal wieder halbwegs hingedreht...

  7. #7
    Zephon
    Gast

    AW: Die Asche Satyrevs

    Klingt für mich eigentlich wie ein Alptraum den ich mal gehabt habe...

    Danke aber für die Absätze ^^

  8. #8
    Spezi
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    AW: Die Asche Satyrevs

    Auch wenn ich ganz blöd frage... Hat der Name denn eine besondere Bedeutung? Aus SATYREV lässt sich noch Veritas machen, aber RHEY?
    ...Parfois au loin se laissait voir
    Un feu qui se balance

  9. #9
    Meischukmeilech
    Gast

    AW: Die Asche Satyrevs

    Rhey ist unverdreht... rhei.... fließt

  10. #10
    Spezi
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    AW: Die Asche Satyrevs

    Doofheit meinerseits... Rheynbevölkerung eben
    ...Parfois au loin se laissait voir
    Un feu qui se balance

  11. #11
    Meischukmeilech
    Gast

    AW: Die Asche Satyrevs

    naja... was heißt doof... bemerken, dass der Name eine tiefere Bedeutung hat, is doch schon mal ne Leistung... *g*

  12. #12
    Gnu
    Gast

    AW: Die Asche Satyrevs

    das kenn ich doch schon.
    ja, ich sagte ja, ich mag es sehr.

  13. #13
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    AW: Die Asche Satyrevs

    Du kennst es schon, du bist ja cool.

    Vielleicht folgt später noch etwas zum Thema. *g*

    Nam sonus et lacrima, pulvis et umbra sumus.

    Ich aß meine Seele, ich biss mir ins Fleisch.
    Doch al
    s ich im Chaos versank, sangen sie mein Lied.


    ehemals: Leyhlah

  14. #14
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    AW: Die Asche Satyrevs

    Jetzt hab ich ganz vergessen zu erwähnen, dass es toll ist =)
    ...Parfois au loin se laissait voir
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  15. #15
    Meischukmeilech
    Gast

    AW: Die Asche Satyrevs

    das find ich aber verhältnismäßig uninteressant... da find ich ne kurze Frage oder dergleichen viel anregender... eine kommentartöse Aufzählung von Leuten, die das nun toll oder doof finden, bringt mir nichts... nur dahingehend, dass ich überlegen sollte, ob der Text vielleicht überarbeitungswürdig ist, wenn besonders viele Leser sagen, dass er doof/schlecht sei... *g*

 

 
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