1. #1
    Moderator
    Registriert seit
    30.05.2012
    Alter
    20
    Beiträge
    2.748
    Danke verteilt
    67
    Danke erhalten
    394 (in 317 Beiträgen)

    Kind mit Trisomie 21 auf einem Gymnasium

    Ich habe heute mit meinen Eltern beim Abendbrot ein wenig über diesen Artikel diskutiert (waren allerdings alle derselben Meinung ^^).
    Jetzt wollte ich mal fragen, was ihr davon haltet.

    Inklusion: Henri will trotz Down-Syndrom aufs Gymnasium - Familie | STERN.DE
    Herzliche Grüße vom persönlichen Pedobär Mts.



  2. #2
    Profi Poster
    Registriert seit
    20.09.2013
    Beiträge
    1.068
    Danke verteilt
    19
    Danke erhalten
    125 (in 110 Beiträgen)

    AW: Kind mit Trisomie 21 auf einem Gymnasium

    Entweder wir bekennen uns endlich mal zur Inklusion, oder eben nicht. Wenn wir das tun, dann aber bitte in allen Aspekten und nicht nur in denen, die gerade keine Umstände bereiten.

    Das gesagt, verstehe ich beide Seiten. Jemand neben dir zu haben, der geistig nicht mithalten kann, ist auf Dauer ziemlich anstrengend.
    Die Mutter meint aber doch, dem Jungen würde ein Sonderpädagoge zustehen. Warum kann sich der dann nicht neben ihn in die Klasse setzen und ihn im Schulalltag unterstützen? Sofern das Kind nicht durch Schreien oder Ticks die anderen von der Arbeit abhält, kann ein zweiter Pädagoge im Raum doch nur von Vorteil sein. Wenn Geld für einen Betreuungsplatz vorhanden wäre, ist es das sicher auch hierfür.

    Ich kenne zwar (leider) noch keinen Fall, wo ein Kind mit Down Syndrom auf dem Gymnasium war, doch hatte ich in einer Nebenklasse immer einen mit ähnlichen geistigen Einschränkungen. Der war rundum beliebt und jeder mochte ihn. Jeder mochte auch seinen Betreuer. Mit den beiden konnte man in den Pausen wunderbar Faxen machen, anstatt sich gegenseitig zu wresteln.
    Die meisten Stunden saß er mit den anderen in der Klasse. In den anspruchsvolleren Stunden ging der Betreuer mit ihm in einen Sonderraum, um ihn speziell zu fördern. Das funtionierte wunderbar, bis zum Ende der 9. Klasse, als er dann von der Schule ging und eine Ausbildung anfing.
    Hat er einen Abschluss? Nein. Kann er Wurzeln ziehen? Wahrscheinlich auch nicht.
    Aber ich drehe mich heute nicht ignorant weg, wenn ich einen geistig behinderten auf der Straße sehe.
    Think a little less, live a little more.


  3. #3
    Lebende Foren Legende
    Registriert seit
    23.05.2006
    Alter
    28
    Beiträge
    7.541
    Danke verteilt
    161
    Danke erhalten
    593 (in 437 Beiträgen)

    AW: Kind mit Trisomie 21 auf einem Gymnasium

    Diese ganze Unterteilung von Schulen gibt es, weil es irgendwo einfach Sinn macht diejenigen, die schneller lernen auch schneller mit Lernstoff zu versorgen, und denjenigen, die langsamer lernen mehr Hilfestellung zu geben.
    Jedenfalls ist das für mich so. Integration, Inklusion etc. usw. hat alles seine Daseinsberechtigung und bringt definitiv auch jedem Schüler was, wenns gut umgesetzt ist. Und dazu muss die Schule die richtigen Vorraussetzungen haben, und alle daran beteiligten müssen dazu bereit sein.
    Aber: es gibt in Deutschland nunmal diese Aufteilung, die bis zu einem gewissen Maße auch absolut Sinn macht.
    Und das verliert nunmal völlig seinen Wert, wenn jeder aufs Gymnasium geht, nur weil er/die Eltern das wollen. Sitzenbleiben ist nun auch (zumindest in Hamburg, kp ob deutschlandweit) abgeschafft, damit bleibt kaum eine möglichkeit für lehrer/schule, da auch nur ein wenig zu selektieren.
    aber eine gewisse grundvorraussetzung, zumindest die theoretische möglichkeit, dem unterricht zu folgen muss einfach vorhanden sein.
    da steht, er soll die normalität, die sie aufgebaut haben behalten. toll. welche normalität denn, wenn er im klassenraum sitzt, und in 1-2 jahren zumindest in etlichen fächern schlicht kein wort mehr versteht? im besten falle mit ständiger betreuung an der seite, was im endeffekt höchstwahrscheinlich auf völlig unterschiedlichen unterricht im gleichen klassenraum hinausläuft.
    Je nachdem, wie heftig es bei ihm nunmal ist, wäre haupt- oder realschule zumindest nen versuch wert, aber gymnasium... halte ich zumindest für blödsinn. erst recht, wenn weder schule, noch lehrkraft auch nur ansatzweise dafür ausgestattet/ausgebildet sind.

    ne ganz andere sache ist es mit körperlich behinderten, oder kindern, die nur in kleinen teilbereichen (extreme formen von legasthenie, dyskalkulie, ggf. auch sprachfehlern etc.) eingeschränkt sind. die können zumindest in den meisten fächern mitmachen, die lernen da auch noch wirklich was, und können dort auch entsprechend zum unterricht beitragen.

    Hatten wir grade erst vor kurzem in der Uni, Seminar Schule und Schulentwicklung, stundenthema inklusion.
    ums mal auf die spitze zu treiben: ich hab beim zivi mit schwerst- und/oder mehrfachbehinderten zu tun gehabt, bei denen sowohl eigenständig laufen, als auch essensbrei löffeln nicht nur körperlich, sondern auch intellektuell absolute glanzleistungen waren. haben beides nur 3 bzw. 4 von 12 geschafft, und nur einer beides. auf klo gehen konnte keiner von denen, und nur wenige konnten bestimmte, einzelne sätze verstehen, keiner reden.
    rein theoretisch und rechtlich, haben die genau das gleiche recht auf ein gymnasium zu gehen.
    aber mal ernsthaft... würde das auch nur den kleinsten hauch von sinn ergeben?
    wahrscheinlich wären die meisten haustiere, die user dieses forums haben auf einem gymnasium besser aufgehoben.

    klingt jetzt natürlich total fies und intolerant etc., aber manchmal sollte man einfach realistisch sein.
    Für mich zumindest hat jemand, der NICHT das Abitur als Abschluss anstrebt, oder schlimmer noch von Anfang an weiß, das das nie was wird auf dem Gymnasium nichts verloren. außer vllt. als Hausmeister etc.
    Und da kann die Mutter noch so sehr sagen, das da ja ein Sonderpädagoge dabei ist, für mich als Lehrer, besonders wenn ich darauf nicht wirklich langfristig vorbereitet bin, wäre trotzdem jede solche stunde nochmal ein gutes stück extraarbeit. ist schwer genug die "normalen" schüler mit all ihren unterschiedlichkeiten unter einen hut zu bringen.



    €dit:
    Zitat Zitat von YoRam Beitrag anzeigen
    Die Mutter meint aber doch, dem Jungen würde ein Sonderpädagoge zustehen. Warum kann sich der dann nicht neben ihn in die Klasse setzen und ihn im Schulalltag unterstützen? Sofern das Kind nicht durch Schreien oder Ticks die anderen von der Arbeit abhält, kann ein zweiter Pädagoge im Raum doch nur von Vorteil sein. Wenn Geld für einen Betreuungsplatz vorhanden wäre, ist es das sicher auch hierfür.
    Unterrichte einmal eine 5. Klasse mit 35 Schülern, größtenteils aus "Problemfamilien" und ähnlichem in einem Klassenraum, in dem der Lehrer mit seinem Arsch die Tafel wischt, weil nicht mehr Platz zwischen Pult und Tafel ist.
    Dann versuch noch eine Person reinzuquetschen. Eine Person, die dazu noch die Lizens hat, jederzeit (wenn auch leise) mit seinem "nachbarn" zu reden und zu tuscheln. das wäre nunmal irgendwie notwendig. und das ist in so einer Klasse wie der Zündfunke in einer Bombe. nee, danke. nicht, wenn ichs irgendwie verhindern kann. und zwar mittelfristig auch im sinne der schüler, aller schüler.
    Geändert von Garniemand (25.04.2014 um 20:36 Uhr)
    Ich werde keine Träne weinen, vielleicht nur ab und an, und dann auch nur vor Glück,
    ich hör die Leute wieder reden, der war ja schon immer komisch, aber jetzt ist er verrückt

  4. Diese Benutzer bedanken sich bei Garniemand für diesen Beitrag:

    Skycatcher (26.04.2014)

  5. #4
    -- Themenstarter --
    Moderator
    Registriert seit
    30.05.2012
    Alter
    20
    Beiträge
    2.748
    Danke verteilt
    67
    Danke erhalten
    394 (in 317 Beiträgen)

    AW: Kind mit Trisomie 21 auf einem Gymnasium

    Inklusion ist ja schön und gut, aber was hilft die ganze Toleranz gegenüber einem, wenn man nicht auf das Leben später vorbereitet wird. Ich war beim Boys Day an einer Förderschule und das was den Kindern da an Betreuung geboten wurde, kann einem an einem Gymnasium auch mit Betreuer niemandem ermöglicht werden.

    Außerdem ist die Begründung mit seinen momentan Freunden völlig unsinnig. Spätestens wenn er das 2. mal durchgefallen ist, werden sich diese Kontakte verlieren. Das Kind würde letztendlich in keinster Weise davon profitieren.
    Wenn ich jetzt schon sehe wie manche Kinder in der 5. Klasse untergehen und nur noch 5en schreiben und wie sie das runterzieht. Das würde ihm doch nicht anders gehen und darunter würde er sicherlich verdammt leiden, wenn alle immer um 4-5 Notenstufen besser sind.
    Und was nützt ihm Mathe und Physik, wenn er auf ein späteres Alltagsleben nicht wirklich vorbereitet ist.
    Herzliche Grüße vom persönlichen Pedobär Mts.



  6. #5
    Lebende Foren Legende
    Registriert seit
    23.05.2006
    Alter
    28
    Beiträge
    7.541
    Danke verteilt
    161
    Danke erhalten
    593 (in 437 Beiträgen)

    AW: Kind mit Trisomie 21 auf einem Gymnasium

    Naja, di Grundlagen jeweils find ich sehr nützlich, und zumindest etwas alltagstauglichkeit sollte von den eltern vermittelt werden. aber das er allein durch die noten und die betreuungsperson immer ein "sonderfall" ist, macht die "normalität" natürlich sowieso zunichte.

    mal ganz davon abgesehen, das es evt. sinnvoller ist ihm jetzt beizubringen, das sich auch schulkameraden etc. ändern, als das er irgendwann (wahrscheinlich ohne abschluss) von der schule geht, und dann nach einem guten teil seines lebens sich das erste mal wirklich komplett alles auf einen schlag ändert.
    Ich werde keine Träne weinen, vielleicht nur ab und an, und dann auch nur vor Glück,
    ich hör die Leute wieder reden, der war ja schon immer komisch, aber jetzt ist er verrückt

  7. #6
    -- Themenstarter --
    Moderator
    Registriert seit
    30.05.2012
    Alter
    20
    Beiträge
    2.748
    Danke verteilt
    67
    Danke erhalten
    394 (in 317 Beiträgen)

    AW: Kind mit Trisomie 21 auf einem Gymnasium

    Zitat Zitat von Garniemand Beitrag anzeigen
    Naja, di Grundlagen jeweils find ich sehr nützlich, und zumindest etwas alltagstauglichkeit sollte von den eltern vermittelt werden.
    Natürlich, das war mehr auf fortgeschritteneres bezogen. Es muss ja auch keine Förderschule sein. Man müsste die Schule wählen, von der man denkt, dass sie ihm langfristig am meisten bringt und dass er einen Abschluss erhält. Ihn vornherein nur wegen seiner Freunde ins "Verderben" zu schicken, halte ich für den vollkommen falschen Weg.
    Nur weil ich jetzt wieder uneingeschränkt tanzen will, heißt das nicht, dass das langfristig der richtige Weg wäre, da ich innerhalb von 2 Wochen wieder am OP-Tisch liegen würde. (Ok das war ein grottenschlechter Vergleich. )

    Zitat Zitat von Garniemand Beitrag anzeigen
    mal ganz davon abgesehen, das es evt. sinnvoller ist ihm jetzt beizubringen, das sich auch schulkameraden etc. ändern, als das er irgendwann (wahrscheinlich ohne abschluss) von der schule geht, und dann nach einem guten teil seines lebens sich das erste mal wirklich komplett alles auf einen schlag ändert.
    Vollkommene Zustimmung.
    Herzliche Grüße vom persönlichen Pedobär Mts.



  8. #7
    Profi Poster
    Registriert seit
    20.09.2013
    Beiträge
    1.068
    Danke verteilt
    19
    Danke erhalten
    125 (in 110 Beiträgen)

    AW: Kind mit Trisomie 21 auf einem Gymnasium

    Unterrichte einmal eine 5. Klasse mit 35 Schülern, größtenteils aus "Problemfamilien" und ähnlichem in einem Klassenraum, in dem der Lehrer mit seinem Arsch die Tafel wischt, weil nicht mehr Platz zwischen Pult und Tafel ist.
    Dann versuch noch eine Person reinzuquetschen. Eine Person, die dazu noch die Lizens hat, jederzeit (wenn auch leise) mit seinem "nachbarn" zu reden und zu tuscheln. das wäre nunmal irgendwie notwendig. und das ist in so einer Klasse wie der Zündfunke in einer Bombe. nee, danke. nicht, wenn ichs irgendwie verhindern kann. und zwar mittelfristig auch im sinne der schüler, aller schüler.

    Das ist aber nicht das Problem eines Kindes mit geistiger Einschränkung oder dessen Eltern, sondern das Problem des unterfinanzierten Schulwesens oder alter Bausubstanz.

    Grundsätzlich - Strukturen, die jetzt nicht da sind, kann man schaffen.

    Vor 15 Jahren sind noch die meisten körperlich behinderten Kids auf Sonderschulen abgeschoben worden, Rampen und sonstige Vorkehrungen als Ausrede. Die größte Barriere aber definitiv Unwissenheit, die in Ablehnung resultierte. Nun ja, Rampen oder Leitsysteme kann man schaffen. Heute ist in neueren Schulen schon Platz dafür. Warum dann nicht auch einen Sonderraum bereitstellen oder die Schüleranzahl pro Klasse senken, damit mehr in den Klassenraum passen? Passiert nicht von heute auf morgen, aber können wir passieren lassen.

    Je nachdem, wie heftig es bei ihm nunmal ist, wäre haupt- oder realschule zumindest nen versuch wert, aber gymnasium... halte ich zumindest für blödsinn. erst recht, wenn weder schule, noch lehrkraft auch nur ansatzweise dafür ausgestattet/ausgebildet sind.


    Und du denkst, an einer Hauptschule ist das soziale Gefüge für ein Kind, das nachhinkt, umgänglicher als am Gymnasium? Also zumindest an der neben mir, lernt man da nur früh in den Knast zu gehen, obwohl die Betreuer da wären.

    goon:
    Außerdem ist die Begründung mit seinen momentan Freunden völlig unsinnig. Spätestens wenn er das 2. mal durchgefallen ist, werden sich diese Kontakte verlieren. Das Kind würde letztendlich in keinster Weise davon profitieren.
    Er muss ja nicht mal als Regelschüler da rein. Wer redet denn von fairer Benotung und durchfallen...

    Solange es in irgendeiner Weise möglich ist, einen Platz auf der Schule zu schaffen, könnte er sich ohne Beurteilung da rein setzen, als außerordentlicher Schüler. Mit seinen Freunden, die sich ja offenbar auch in der Grundschule schon ins Gymnasium hochgearbeitet haben, obwohl sie neben ihm saßen. Andere Kinder in der Klasse werden auch schnell merken, dass es an ihrer Leistung nichts ändern muss. Live and let live.

    Kein Lehrer sollte gezwungen werden, in den von Garniemand beschriebenen Verhältnissen zu unterrichten. Wenn die Strukturen (Räumlich und Sonderpädagoge) passen, dann kann ich mir aber schon vorstellen, dass es Lehrer gibt, die gerne in so einer Klasse unterrichten würden.
    Wenn von vornherein feststeht, dass eine "Integrationsklasse" eingerichtet wird, sollten auch die Eltern die Möglichkeit bekommen, ihre Kinder dorthin oder eben nicht dorthin zu stecken. Ich bin mir sicher, dass sich mehr als genug finden werden.
    Think a little less, live a little more.


  9. #8
    -- Themenstarter --
    Moderator
    Registriert seit
    30.05.2012
    Alter
    20
    Beiträge
    2.748
    Danke verteilt
    67
    Danke erhalten
    394 (in 317 Beiträgen)

    AW: Kind mit Trisomie 21 auf einem Gymnasium

    Zitat Zitat von YoRam Beitrag anzeigen
    Kein Lehrer sollte gezwungen werden, in den von Garniemand beschriebenen Verhältnissen zu unterrichten. Wenn die Strukturen (Räumlich und Sonderpädagoge) passen, dann kann ich mir aber schon vorstellen, dass es Lehrer gibt, die gerne in so einer Klasse unterrichten würden.
    Wenn von vornherein feststeht, dass eine "Integrationsklasse" eingerichtet wird, sollten auch die Eltern die Möglichkeit bekommen, ihre Kinder dorthin oder eben nicht dorthin zu stecken. Ich bin mir sicher, dass sich mehr als genug finden werden.
    Prinzipiell ist das alles richtig und wenn das Kind öfter dort sein könnte und zusätzlich noch auf es selbst zugeschnittene Bildung erhalten würde, wäre alles perfekt. Aber so ist das eben nicht, wo man wieder bei den von dir schon angesprochenen Mängeln an Geld etc. wäre.
    In diesem Fall geht es um eine komplette Aufnahme ans Gymnasium und das ist meiner Meinung nach einfach falsch.
    Dann käme ja eine Hauptschule in Frage. Das besteht eine Chance, dass er beim Stoff mithalten kann und es wäre eine von seinen ehemaligen Lehrern auch gewünschte Schulform. Das Problem sind eben wieder die Missstände, die es ihm schwer machen würden dort Fuß zu fassen.
    Herzliche Grüße vom persönlichen Pedobär Mts.



  10. #9
    Profi Poster
    Registriert seit
    20.09.2013
    Beiträge
    1.068
    Danke verteilt
    19
    Danke erhalten
    125 (in 110 Beiträgen)

    AW: Kind mit Trisomie 21 auf einem Gymnasium

    Zitat Zitat von goon Beitrag anzeigen
    Prinzipiell ist das alles richtig und wenn das Kind öfter dort sein könnte und zusätzlich noch auf es selbst zugeschnittene Bildung erhalten würde, wäre alles perfekt. Aber so ist das eben nicht, wo man wieder bei den von dir schon angesprochenen Mängeln an Geld etc. wäre.
    Für die Umrüstung auf Barrierefreiheit gibt es Förderungen. Warum nicht auch für barrierefreies Lernen?

    Für den Jungen im Artikel wird es wahrscheinlich zu spät sein und das Gymnasium hat die Möglichkeiten nicht. Es könnte aber ein Präzedenzfall werden, der bestimmt, ob wir Inklusion künftig mehr fördern.

    In diesem Fall geht es um eine komplette Aufnahme ans Gymnasium und das ist meiner Meinung nach einfach falsch.
    Dann käme ja eine Hauptschule in Frage. Das besteht eine Chance, dass er beim Stoff mithalten kann und es wäre eine von seinen ehemaligen Lehrern auch gewünschte Schulform. Das Problem sind eben wieder die Missstände, die es ihm schwer machen würden dort Fuß zu fassen.
    Also was, Sonderschule, Betreuungseinrichtung? Wäre nachvollziehbar. Aber dann wird auch der Kreislauf weiter angeheizt, weil "aus den Augen, aus dem Sinn". Eine weitere Generation wird heranwachsen, die Mütter behinderter Kinder vorwurfsvoll fragt, warum sie nicht gleich abgetrieben hätten. Weil sie vielleicht noch nie die Chance hatten, mit einem Down Syndrom Kind in Kontakt zu kommen. Und wenn, dann bestenfalls um zu spenden, aber nicht um miteinander zu leben.

    Interessant, dass hier offenbar alle nur an Leistung denken, schulischer Druck, Leistungsgesellschaft, schneller und besser. Ich persönlich halte auch den sozialen Aspekt für sehr wichtig. Lernen, auf schwächere Rücksicht zu nehmen. Sich angemessen zu verhalten. Die verdammte Distanz abzubauen, die entsteht, wenn man nicht weiß, wie man mit bestimmten Menschen umgehen soll...
    Wo soll das gelernt werden, wenn nicht in der Altersphase, wo das prägend ist? Ich bin mir sicher, dass 11-jährige mit einem Behinderten vorbehaltloser umgehen können, als die meisten Erwachsenen. Wir sollten sie nur lassen, anstatt sie nach unseren Ansichten schon frühzeitig zu Menschen erziehen, die sich später wieder nicht vorstellen können, mit einem Behinderten klarzukommen.
    Konfrontation ist meiner Ansicht nach die beste Methode. Sollte ich jemals als Elternteil vor die Wahl gestellt werden, wäre mir der soziale Aspekt wichtiger. Einen interessierten und guten Schüler kann ich mir auch daheim fördern.
    Think a little less, live a little more.


  11. #10
    Lebende Foren Legende
    Registriert seit
    23.05.2006
    Alter
    28
    Beiträge
    7.541
    Danke verteilt
    161
    Danke erhalten
    593 (in 437 Beiträgen)
    Zitat Zitat von YoRam Beitrag anzeigen
    Das ist aber nicht das Problem eines Kindes mit geistiger Einschränkung oder dessen Eltern, sondern das Problem des unterfinanzierten Schulwesens oder alter Bausubstanz.

    Grundsätzlich - Strukturen, die jetzt nicht da sind, kann man schaffen.

    Vor 15 Jahren sind noch die meisten körperlich behinderten Kids auf Sonderschulen abgeschoben worden, Rampen und sonstige Vorkehrungen als Ausrede. Die größte Barriere aber definitiv Unwissenheit, die in Ablehnung resultierte. Nun ja, Rampen oder Leitsysteme kann man schaffen. Heute ist in neueren Schulen schon Platz dafür. Warum dann nicht auch einen Sonderraum bereitstellen oder die Schüleranzahl pro Klasse senken, damit mehr in den Klassenraum passen? Passiert nicht von heute auf morgen, aber können wir passieren lassen.


    Weder während meiner Schulzeit, noch während dem Bisherigen Studium oder auch nur aus Berichten anderer Lehramtsstudenten hab ich von auch nur einer einzigen nicht-privatschule im Hamburger umfeld gehört, bei der es nicht regelmäßig deutlich durch die decke tropft.
    wenn nichtmal das geld für ein vernünftiges dach überm kopf da ist, seit jahrzehnten, wenn trotz G8 und damit eigentlich dem wegfall eines ganzen jahrganges sowie sinkender geburtenraten immer noch nicht genug räume und sinnvolle klassengrößen da sind, zumindest bei weitem nicht immer... wo soll das geld für einen extraraum herkommen?
    Sorry, aber das ist nunmal leider an einem großteil der schulen realität, das einfach viel zu wenig geld da ist. oder wenn mal welches da ist, es für smartboards und ähnlich "prestigeträchtige" dinge ausgegeben wird. dadurch bekommt man zumindest die chance auf zusätzliche fördergelder. mit nem heilen dach nicht.
    Weniger schüler pro klasse ist so ungefähr, seit der erste mensch nachgedacht hat wie man bildung effizienter und besser machen könnte sowas wie der heilige gral, und so ungefähr das einzige, wo sich zumindest fast alle studien einig sind, das es wirklich etwas bringt. das ist seit ewigkeiten klar. und? passiert irgendwas? nein. es gibt geldmangel, es gibt zumindest in einigen fächern seit jahrzehnten lehrermangel, und das wird sich so schnell auch nicht ändern, wenn man nicht grundlegend einiges umstellt. völlig egal ob inklusion oder nicht, kleine klassen wünscht sich jeder lehrer, fast jeder schüler der mal drüber nachdenkt, fast jedes elternteil und erziehungswissenschaftler, schulleiter etc. sowieso. eine rampe da hinzustellen, oder für frachten meist sowieso vorhandene fahrstüle bestimmten schülern zugänglich machen ist eine relativ billige, einmalige und halbwegs kurzfristig machbare veränderung. was du möchtest, und was wir bräuchten, ist so viel tiefgreifender, das du auch fragen könntest warum wir keine stadt auf dem neptun bauen, es war doch schonmal ein mensch auf dem mond.


    Und du denkst, an einer Hauptschule ist das soziale Gefüge für ein Kind, das nachhinkt, umgänglicher als am Gymnasium? Also zumindest an der neben mir, lernt man da nur früh in den Knast zu gehen, obwohl die Betreuer da wären.

    Kommt einerseits auf die Hauptschule an (war bei uns zB. nicht so, aber da waren auch Haupt, Real und Gym unter einem Dach, mit größtenteils gemeinsamen Räumen und Pausenzeiten/bereichen), andererseits muss jeder mensch irgendwo lernen, das sich sein soziales umfeld gelegentlich ändert. evt. könnte diese erkenntnis in relativ jungen jahren, zusammen mit einer anschließenden forderung, aber hoffentlich zumindest nicht in jedem bereich kompletten überforderung auch zu sowas wie ehrgeiz, selbstbewusstsein etc. führen. da besteht zumindest die chance auf einen abschluss, auf ein ziel vor augen, und nicht nur irgendwann "ich bin eh dumm und sitz hier nur meine zeit ab". und ich glaube DAS ist der teil, der ihm wesentlich mehr helfen könnte. wahrscheinlich wäre solch ein schulzentrum, mit mehreren schularten unter einem dach sogar das sinnvollste. da könnte er zumindest die chance haben, in einigen fächern vom stoff mitzukommen, während er in den pausen noch seine alten freunde sehen kann. wenn das denn dort möglich ist.

    Er muss ja nicht mal als Regelschüler da rein. Wer redet denn von fairer Benotung und durchfallen...

    Solange es in irgendeiner Weise möglich ist, einen Platz auf der Schule zu schaffen, könnte er sich ohne Beurteilung da rein setzen, als außerordentlicher Schüler. Mit seinen Freunden, die sich ja offenbar auch in der Grundschule schon ins Gymnasium hochgearbeitet haben, obwohl sie neben ihm saßen. Andere Kinder in der Klasse werden auch schnell merken, dass es an ihrer Leistung nichts ändern muss. Live and let live.
    Das Problem ist weniger die faire benotung, als die aufgabenstellung etc.
    was für aufgaben, arbeitsanweisungen oder meinetwegen auch nur auswendig zu lernende definitionen kann man geben, die einen sehr guten schüler nicht unter-, und einen sehr schlechten schüler nicht überfordern? das ist in normalen klassen schon ein riesiges problem, da kann man sich ein leben lang mit beschäftigen (und etliche tun genau das). jetzt hast du jemanden dadrin, der NOCH viel einfachere aufgaben, erklärungen etc. braucht. um das unter einen hut zu bringen, bleibt kaum etwas anderes als sonderaufgaben (sei es jetzt für die besonders guten oder für ihn) übrig. und damit hat man wieder genau diese sonderstellung gefestigt. da werden jegliche gruppenarbeiten etc. schwieriger, und es würde im endeffekt ab vllt. der 7. klasse darauf hinauslaufen, das er immer öfter mit seinem betreuer und extraaufgaben im sonderraum verschwindet. ist das sinn der sache, in der gleichen klasse zu sein um dann in einem anderen raum andere aufgaben mit einem anderen lehrer zu bearbeiten?
    denn genau so läuft es leider auch an vielen förderschulen etc im moment, nur das es dort keine einzelnen schüler, sondern ahlt gleich kleine gruppen sind.

    Kein Lehrer sollte gezwungen werden, in den von Garniemand beschriebenen Verhältnissen zu unterrichten. Wenn die Strukturen (Räumlich und Sonderpädagoge) passen, dann kann ich mir aber schon vorstellen, dass es Lehrer gibt, die gerne in so einer Klasse unterrichten würden.
    Wenn von vornherein feststeht, dass eine "Integrationsklasse" eingerichtet wird, sollten auch die Eltern die Möglichkeit bekommen, ihre Kinder dorthin oder eben nicht dorthin zu stecken. Ich bin mir sicher, dass sich mehr als genug finden werden.
    Und genau das ist in diesem fall ja nicht so. es gibt förderschulen, es gibt inklusions/integrationsklassen und diverse andere modelle, die hier gut passen würden. nur eben nicht an dieser schule. weder schule, noch lehrkräfte sind darauf in irgendeiner weise vorbereitet.
    Klar gibt es lehrer, die sich sogar darauf spezialisieren, die das machen wollen. aber man hat als lehrer sowieso nur einen sehr beschränkten einfluss auf die schule, geschweigedenn die klassen, in die man kommt. zumindest wenn man keine von den mangelfächern hat. und genau dieser zwang, den du erwähnst würde man in diesem fall ja ausüben.

    wo es möglich und von zumindest einem großteil der beteiligten erwünscht oder zumindest akzeptiert ist, sollte so viel inklusion wie irgend möglich stattfinden. aber das ist nunmal nicht immer sehr viel, schon allein weil nicht jede schule alles kann.

    Aber die hauptprobleme, warum die inklusion nur so selten/schlecht klappt sind tatsächlich größtenteils probleme, die seit ewigkeiten bekannt sind und immer noch nicht geändert wurden und alle schüler betreffen. warum sollte sich an diesen grundlegenden mängeln jetzt plötzlich irgendwas ändern, nur weil es durch noch ein symptom mehr zumindest ab und zu ans licht kommt, nachdem die generationen von schülern vorher nicht interessiert haben?

    Zitat Zitat von YoRam Beitrag anzeigen
    Für die Umrüstung auf Barrierefreiheit gibt es Förderungen. Warum nicht auch für barrierefreies Lernen?
    gibt es, aber siehe oben: damit das klappt, muss das ganze umfeld entsprechend sein. es reicht nunmal nicht, jedem einen sonderpädagogen an die hand zu geben. und das ist, wofür das geld bestenfalls reicht, oft nichtmal dafür. oder es gibt grad nicht genug sonderpädagogen.

    Also was, Sonderschule, Betreuungseinrichtung? Wäre nachvollziehbar. Aber dann wird auch der Kreislauf weiter angeheizt, weil "aus den Augen, aus dem Sinn". Eine weitere Generation wird heranwachsen, die Mütter behinderter Kinder vorwurfsvoll fragt, warum sie nicht gleich abgetrieben hätten. Weil sie vielleicht noch nie die Chance hatten, mit einem Down Syndrom Kind in Kontakt zu kommen. Und wenn, dann bestenfalls um zu spenden, aber nicht um miteinander zu leben.

    Interessant, dass hier offenbar alle nur an Leistung denken, schulischer Druck, Leistungsgesellschaft, schneller und besser. Ich persönlich halte auch den sozialen Aspekt für sehr wichtig. Lernen, auf schwächere Rücksicht zu nehmen. Sich angemessen zu verhalten. Die verdammte Distanz abzubauen, die entsteht, wenn man nicht weiß, wie man mit bestimmten Menschen umgehen soll...
    Wo soll das gelernt werden, wenn nicht in der Altersphase, wo das prägend ist? Ich bin mir sicher, dass 11-jährige mit einem Behinderten vorbehaltloser umgehen können, als die meisten Erwachsenen. Wir sollten sie nur lassen, anstatt sie nach unseren Ansichten schon frühzeitig zu Menschen erziehen, die sich später wieder nicht vorstellen können, mit einem Behinderten klarzukommen.
    Konfrontation ist meiner Ansicht nach die beste Methode. Sollte ich jemals als Elternteil vor die Wahl gestellt werden, wäre mir der soziale Aspekt wichtiger. Einen interessierten und guten Schüler kann ich mir auch daheim fördern.
    Hm, will ich sehen, wie du einen interessierten schüler während dank G8 zwangsverordneter Ganztagsschule dann noch zuhause in einem Fach förderst, von dem du keine Ahnung hast

    Aber davon mal abgesehen: ja, der soziale aspekt ist wichtig, dennoch, oder grade deswegen ist es auch wichtig zu akzeptieren, das menschen nunmal individuen und damit unterschiedlich sind. eine gleiche behandlung für unterschiedliche menschen macht ganz einfach nicht immer sinn. es gibt hier immerhin die möglichkeit, das man je nach lerntempo, motivation etc. sich eine passende schulform suchen kann. das hauptschulen zb. so einen schlechten ruf haben ist auch eine relativ neue entwicklung. und die hängt hauptsächlich mit der schülerverteilung zusammen. die ursprüngliche idee war, haupt und realschule sollten aufs arbeitsleben vorbereiten (HAUPT schule. weil der hauptsächliche teil der schüler da war...), wobei realschule eher handwerklich orientiert war und vor allem für die, die später vllt. auch ihren meister machen wollten oder ähnliches. und gymnasium hauptsächlich als vorbereitung für künftiges studium und leitende positionen in nicht-handwerklichen berufen wie handel, banken etc.
    und nun sieh dir an, was draus geworden ist. Tischler etc. suchen gezielt nach gymnasiasten. das es auf der real- und hauptschule werkunterricht etc. gab, und etliche gymnasiasten nicht wissen, wierum man eine säge hält ist dann egal.
    da ist das eigentliche problem. die schulformen stehen inzwischen weit weniger für mögliche zukünftige berufszweige, interessengebiete oder tatsächlich einfach bildung, sondern viel mehr fürs soziale umfeld. der tischler möchte gymnasiasten, weil er da wenigstens hofft keine asozialen schläger mit jugendstrafe zu bekommen.
    Aber das ist wieder so ein grundlegendes, seit jahrzehnten vorhandenes problem. und mal ehrlich... ich glaube in dem bereich könnte inklusion, nicht nur was migrationshintergründe angeht wahre wunder wirken.
    Geändert von goon (25.04.2014 um 22:31 Uhr) Grund: Doppelpost
    Ich werde keine Träne weinen, vielleicht nur ab und an, und dann auch nur vor Glück,
    ich hör die Leute wieder reden, der war ja schon immer komisch, aber jetzt ist er verrückt

  12. Diese Benutzer bedanken sich bei Garniemand für diesen Beitrag:

    Skycatcher (26.04.2014)

  13. #11
    -- Themenstarter --
    Moderator
    Registriert seit
    30.05.2012
    Alter
    20
    Beiträge
    2.748
    Danke verteilt
    67
    Danke erhalten
    394 (in 317 Beiträgen)

    AW: Kind mit Trisomie 21 auf einem Gymnasium

    Edit: Ach je Garniemand hat sich ausgetobt während ich noch am Schreiben war.
    Hab mich wie er mit Yorams letztem Post auseinander gesetzt:

    Darüber muss ich mal nachdenken, aber prinzipiell ist das vollkommen wahr.
    Es hängt jetzt auch davon ab worüber wir reden und auf welche sozialen Aspekte des Problems wir angehen. Reden wir von der ganz persönlichen Zukunft des Jungen halte ich immer noch die Wahl des Gymnasiums für falsch und eine Hauptschule für besser (wo Toleranzbildung ja genauso stattfinden kann, da er dann nicht "abgeschoben" wird). Denkt man jetzt an den gesellschaftlichen Aspekt und nicht an ihn als Individuum wäre es wiederum ein Fortschritt für zukünftige Generationen behinderter Menschen.

    Mir geht es jetzt noch mehr darum, was es ihm bringt. Denn die Schule ist auf ihn nicht vorbereitet und sein Betreuer ist noch mit körperlich behinderten Kindern beschäftigt, die die Schule ja aufgenommen hat (auch ein Schritt in die gewünschte Richtung von Verständnis und sozialer Gleichheit).
    Um das wirklich effizient und auch für die Kinder selbst produktiv zu machen, müsste es grundlegende Systemänderungen geben, die es ihnen ermöglichen würden auf gleicher Ebene zu leben und zu lernen. Denn wenn er da jetzt in der Schule hockt und nichts versteht, baut das fast noch mehr Distanz auf.

    Ich bin relativ sicher, dass es dem Jungen nicht schwer fallen würde auf einer anderen Schule neue Kontakte zu knüpfen und allgemein könnte man sich von der Lebensfreude und Unbeschwertheit mit der viele dieser Menschen leben eine Scheibe abschneiden. Aber unter den gegebenen Bedingung würde man ihm keinen Gefallen tun.
    Dass Veränderungen, die zu dem von dir beschriebenen Zustand führen absolut wünschenswert wären, finde ich auch, aber die gibt es eben noch nicht..

    Edit: Ich habe grade noch einmal mit meinem Vater geredet. Er ist wie ich auch der Meinung, dass das einfach nicht funktionieren würde. Er hat mir dann von einem jungen Mann aus seiner Kindheit erzählt, der ebenfalls mit Downsyndrom geboren wurde. Der hat dann nach der Kirche die Gesangsbücher eingesammelt und einfach Tätigkeiten ausgeführt, die im Rahmen seiner Fähigkeiten lagen. Er lief dann auch öfter alleine durchs Dorf.
    Und das ist es, was wichtig ist. Dass diese Menschen im Alltagsleben präsent sind. Dass sie einem auch außerhalb von Bildungseinrichtungen welcher Art auch immer begegnen und so gut es geht einen Beruf ausüben.
    So jemanden ans Gymnasium zu schicken ist der falsche Weg. Stattdessen sollte man da ansetzen, was sie am besten auf die Zukunft vorbereitet und da ist die Förderschule momentan eben die beste Alternative. Man soll ihnen ermöglichen später Tätigkeiten auszuführen, die ihnen liegen.
    Denn es sind, finde ich, weniger die behinderten Kinder, die aus dem Leben verschwinden. Die sieht man ja doch regelmäßig. Aber wer hat denn das letzte Mal einen Erwachsenen mit Downsyndrom gesehen? Ich kann mich nicht erinnern, obwohl deren Lebenserwartung momentan schon bei 60 Jahren liegt.
    Sie verschwinden danach in irgendwelchen Behindertenwerkstätten, wo sie Dinge basteln, die dann zu überteuerten Preisen von nicht behinderten Menschen auf dem Weihnachtsmarkt verkauft werden. Dabei würde es schon so viel ausmachen, wenn sie einfach öfter im Alltag zu sehen wären.
    Bei uns in der Stadt gibt es bspw. einen Mann, der verstümmelte Arme und Beine hat (liegt wohl an einem Medikament mit fatalen Nebenwirkungen, das früher schwangeren Frauen gegeben wurde). Wenn man Abends weggeht oder verschiedene Events in der Stadt stattfinden, wie die Dult (sowas wie Oktoberfest) oder das Bürgerfest ist er immer dabei.
    Jeder kennt ihn. Und ich hab noch nie von jemandem abfällige Bemerkungen gehört, weil er einfach dazugehört.
    Das ist es wo man ansetzen sollte. Teilnahme am alltäglichen Leben.
    Geändert von goon (26.04.2014 um 00:00 Uhr)
    Herzliche Grüße vom persönlichen Pedobär Mts.



  14. #12
    Super-Moderator
    Registriert seit
    04.02.2010
    Alter
    33
    Beiträge
    10.379
    Danke verteilt
    581
    Danke erhalten
    551 (in 376 Beiträgen)

    AW: Kind mit Trisomie 21 auf einem Gymnasium

    Zitat Zitat von Grundgesetz §2
    (1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

    (2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.
    Zitat Zitat von Grundgesetz §3 , Art. 1
    [...]Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.


    (Quelle)


    trifft geradezu exakt meine Auffassung dazu.
    Geändert von Musashi (26.04.2014 um 02:26 Uhr)
    Few of us can easily surrender our disbelief that society must somehow make sense.
    The thought that the state has lost its mind is intolerable.

    And so the evidence has to be denied.

  15. #13
    Ultra Spammer
    Registriert seit
    09.08.2009
    Alter
    22
    Beiträge
    3.234
    Danke verteilt
    89
    Danke erhalten
    139 (in 95 Beiträgen)

    AW: Kind mit Trisomie 21 auf einem Gymnasium

    Zitat Zitat von Musashi Beitrag anzeigen
    trifft geradezu exakt meine Auffassung dazu.
    Schön zitiert, aber hier war nicht gefragt, ob es möglich ist, sondern ob es sinnvoll ist. Und das ist es in unserem aktuellen "Schul"system (das man besser "Arbeitskraftheranzüchtesystem" nennen sollte) einfach nicht.
    Versteh mich nicht falsch, ich will hier auf keinen Fall deine Paragraphen und Artikel unter den Tisch kehren, aber in Deutschland bringt so eine Aktion einfach nichts außer einer Nachricht, dass das Gymnasium kein Ort für geistig eingeschränkte Personen ist, was eigentlich logisch sein sollte.

    Ich hab das deutsche Schulsystem extra so betont, weil es kurz und knapp auf Produktivität ausgelegt ist. Ob das geschichtliche Hintergründe hat, weiß ich jetzt nicht, aber es ist einfach so.
    Gleichzeitig hab ich aber vor gar nicht allzu langer Zeit (vielleicht vor 2 Jahren) in einem Artikel gelesen, dass mit gezielter Förderung auch Menschen mit Down-Syndrom das Abitur ablegen könnten - wie gesagt, mit gezielter, auf die Person ausgerichteter Förderung.

    Hier die PISA-Studie anzuschneiden wirkt vielleicht banal, aber die ist ein schöner Spiegel der Schule - und stellt uns kein sonderlich gutes Zeugnis aus, im Gegensatz zu skandinavischen Systemen, die auf mehr Individualität und Freiheit basieren. Warum das hierzulande nicht geht, ist mir nicht so ganz klar, aber man kann ja auch Alkohol im Supermarkt kaufen und unsere oberste Führung säuft sich damit ein Loch in die Birne. Löcher schaffen Platz für mehr Alkohol.
    Man wird jedenfalls ohne mit der Wimper zu zucken abgehängt und es interessiert normalerweise kein Schwein, ob man weiterkommt oder kapituliert. Selbst denken steht nicht besonders hoch im Kurs, vor allem am Gymnasium muss man 95% stupide auswendig lernen oder sich dem Willen des Lehrers anpassen. Logisches oder, falls sich jemand wundern sollte.

    Naja, egal. Man kann vielleicht raushören, dass mir der Aufbau der Bildunganstalten nicht allzu gut gefällt... vielleicht wird sich daran ja irgendwann etwas ändern. Dafür müssten aber zuerst einmal intelligente Menschen in die Regierung, und dann kann auch die individuelle Förderung gefördert werden. Komische Kombination, sollte aber Sinn ergeben.

    Mein Keks des Threads geht an YoRam.
    Geändert von klugscheisser (26.04.2014 um 03:24 Uhr)

  16. #14
    Profi Poster
    Registriert seit
    20.09.2013
    Beiträge
    1.068
    Danke verteilt
    19
    Danke erhalten
    125 (in 110 Beiträgen)

    AW: Kind mit Trisomie 21 auf einem Gymnasium

    Weder während meiner Schulzeit, noch während dem Bisherigen Studium oder auch nur aus Berichten anderer Lehramtsstudenten hab ich von auch nur einer einzigen nicht-privatschule im Hamburger umfeld gehört, bei der es nicht regelmäßig deutlich durch die decke tropft.
    Inklusion heißt auch, das Recht auf tropfende Dächer zu haben...

    Und ich hab mich auch hauptsächlich auf Schulneubauten berufen. Dass ein laufendes Gymnasium nicht einfach umgebaut werden kann, ist schon klar. Aber durch solche Präzedenzfälle wissen wir, dass der Bedarf bestehen würde und können uns für zukünftige Fälle vorbereiten.

    Und genau das ist in diesem fall ja nicht so. es gibt förderschulen, es gibt inklusions/integrationsklassen und diverse andere modelle, die hier gut passen würden. nur eben nicht an dieser schule. weder schule, noch lehrkräfte sind darauf in irgendeiner weise vorbereitet.

    Gibt es genug Plätze in Förderschulen? Gibt es eine gute Förderschule in annehmbaren Umkreis der Familie, oder wäre ein mobiler Sonderpädagoge im Gymnasium des Heimatortes wesentlich einfache zu organisieren? Blabla.
    Ich verstehe schon, dass hier konkret niemand vorbereitet ist und die sich alle überfordert fühlen. In dem Fall ist es wohl gelaufen. Katastrophe abgewendet, kein Stress mehr. Aber für die Betroffenen ist es eben nicht getan.


    warum sollte sich an diesen grundlegenden mängeln jetzt plötzlich irgendwas ändern, nur weil es durch noch ein symptom mehr zumindest ab und zu ans licht kommt, nachdem die generationen von schülern vorher nicht interessiert haben?
    Genau, wie soll sich was ändern? Wie soll Inklusion stattfinden, wenn wir unseren Kindern schon wieder vorleben, wie Ausgrenzung funktioniert?


    Tischler etc. suchen gezielt nach gymnasiasten. das es auf der real- und hauptschule werkunterricht etc. gab, und etliche gymnasiasten nicht wissen, wierum man eine säge hält ist dann egal.

    da ist das eigentliche problem. die schulformen stehen inzwischen weit weniger für mögliche zukünftige berufszweige, interessengebiete oder tatsächlich einfach bildung, sondern viel mehr fürs soziale umfeld.
    Wenn sich schon der Tischler auf das soziale Umfeld beruft... was wird man sich dann als Elternteil eines behinderten Kindes wünschen?
    Und das sollte nicht deren Sorge sein, sondern unser aller Anliegen, immerhin könnten auch unsere Kinder mal mit Behinderung zur Welt kommen.

    Hm, will ich sehen, wie du einen interessierten schüler während dank G8 zwangsverordneter Ganztagsschule dann noch zuhause in einem Fach förderst, von dem du keine Ahnung hast
    Ich hätte nicht gedacht, dass ich das jemals sagen werde, aber vielleicht haben wir es in Österreich doch nicht so schlecht. G8 war immer schon Standard, der Notendruck vom NC fällt weg und vor ein paar Jahren wurde die Schülerzahl tatsächlich auf 29 reduziert. Geheizt wird zwar immer noch selten und in Sachen Inklusion hinken wir auch hinterher, aber wenigstens scheinen die Schüler hier nicht ganz so arg auf Leistung gedrillt zu werden. Zumindest in der Gymnasium-Unterstufe (da wo es konkret um Inklusion geht) ist noch keiner dem Burnout nahe. Da könnte man schon was machen.


    Ich bin relativ sicher, dass es dem Jungen nicht schwer fallen würde auf einer anderen Schule neue Kontakte zu knüpfen und allgemein könnte man sich von der Lebensfreude und Unbeschwertheit mit der viele dieser Menschen leben eine Scheibe abschneiden. Aber unter den gegebenen Bedingung würde man ihm keinen Gefallen tun.
    Würde man IHM keinen Gefallen tun, oder seinem leistungsorientierten Lernerfolg? Stecken wir ihn doch in ein völlig neues Umfeld, ohne seine Freunde oder irgendwem, der seit der Grundschule zu ihm hält. Wird ihm sicher viiiel besser gehen... Wer sagt denn, dass er den Busfahrplan nicht viel besser lernt, wenn er jeden Tag mit seinen Freunden gemeinsam Bus fährt anstatt mit einem Fahrtendienst herumtransportiert zu werden?

    Sie verschwinden danach in irgendwelchen Behindertenwerkstätten, wo sie Dinge basteln, die dann zu überteuerten Preisen von nicht behinderten Menschen auf dem Weihnachtsmarkt verkauft werden. Dabei würde es schon so viel ausmachen, wenn sie einfach öfter im Alltag zu sehen wären.
    Da stimme ich dir zu. Schade sowas. Aber wollen wir denn geistig Behinderte im Alltag sehen? Ich trau mich sagen, dass 90% der Menschen nicht wüssten, wie sie auf einen offensichtlich geistig beeinträchtigten Menschen reagieren sollen. (Das funktioniert schon bei körperlichen Handicaps nicht wirklich.) Ich kann dir viele Situationen aufzählen, wo Erwachsene im Alltag von Passanten völlig mies behandelt wurden, auch mit so sichtbare Sachen wie Down Syndrom. Man könnte fast meinen, die hätten davor nie einen gesehen. Und wie kommts? Hmmm..
    Wenn jemand mit einem Behinderten im Umkreis aufwächst (sei es auch nur im Dorf) ist man klarerweise daran gewöhnt und sieht ihn gerne auf der Straße. Aber wehe es stößt jemand dazu, der noch nie was mit Behinderten zu tun hatte. (Spendengalas im TV zählen nicht.)


    Bei uns in der Stadt gibt es bspw. einen Mann, der verstümmelte Arme und Beine hat (liegt wohl an einem Medikament mit fatalen Nebenwirkungen, das früher schwangeren Frauen gegeben wurde). Wenn man Abends weggeht oder verschiedene Events in der Stadt stattfinden, wie die Dult (sowas wie Oktoberfest) oder das Bürgerfest ist er immer dabei.

    Jeder kennt ihn. Und ich hab noch nie von jemandem abfällige Bemerkungen gehört, weil er einfach dazugehört.
    Das ist es wo man ansetzen sollte. Teilnahme am alltäglichen Leben.
    Warum auch nicht dabei, warum auch abfällige Bemerkungen, sollte doch alles völlig normal sein. Aber hast du ihn schon mal gefragt, in welche Schule er ging und in welche seine Freunde gingen? Was ist Inklusion wert, wenn man sie auf Bürgerfeste verschiebt und damit glaubt, alles wäre getan? Schule und Arbeit SIND Alltag.

    Aber wait a moment... reden wir hier dann noch von geistig Behinderten, oder etwa schon von Inklusion von Menschen mit körperlicher Behinderung? Das würde die Sache ja nochmal komplett wenden Da könnte ich dir auch viel Senf dazu geben, zB über Verallgemeinerungen^^ aber dann ist dieses Thema nur bedingt das richtige...
    Think a little less, live a little more.


  17. #15
    Super-Moderator
    Registriert seit
    04.02.2010
    Alter
    33
    Beiträge
    10.379
    Danke verteilt
    581
    Danke erhalten
    551 (in 376 Beiträgen)

    AW: Kind mit Trisomie 21 auf einem Gymnasium

    Zitat Zitat von klugscheisser Beitrag anzeigen
    Schön zitiert, aber hier war nicht gefragt, ob es möglich ist, sondern ob es sinnvoll ist.
    ja.
    weil richtig.

    Zitat Zitat von klugscheisser Beitrag anzeigen
    Und das ist es in unserem aktuellen "Schul"system (das man besser "Arbeitskraftheranzüchtesystem" nennen sollte) einfach nicht.
    Versteh mich nicht falsch, ich will hier auf keinen Fall deine Paragraphen und Artikel unter den Tisch kehren, aber in Deutschland bringt so eine Aktion einfach nichts außer einer Nachricht, dass das Gymnasium kein Ort für geistig eingeschränkte Personen ist, was eigentlich logisch sein sollte.
    in punkto "Arbeitslebenheranzüchtungssystem" stimme ich zu (und werte die Bezeichnung in Richtung "Armutsbezeugung")

    es mag vielleicht sein, dass der aktuelle Aufbau (inkl zunehmender Trend) des Schulsystems so ausgelegt ist, dass nur die konstant-nach-08/15-Schema-Leistenden am ehesten durchkommen bzw vielleicht sogar Erfolg haben mögen - doch sowohl von gesetzlicher als auch vor allem moralischer Seite wäre es alles andere als richtig, zu sagen "Du darfst das nicht probieren"; vor allem, wenn es tatsächlich 'nur' um Bildung geht



    die kleine Schwester einer Ex-Freundin von mir ist sowohl körperlich als auch geistig gehindert (konnte und kann bspw nur mit starker Stützung 'gehen'), retardiert (=war im Alter von etwa 15/16 etwa 8-10 Jahre geistig zurückgeblieben) und wies die Rückstände eines im Kleinkindesalter recht ausgeprägten Wasserkopfes auf.

    Sie wollte lange Jahre Erzieherin werden.

    Da mag (und damals auch schon mochte) ich anzweifeln, ob diese Wahl aufgrund ihrer physischen als auch psychischen Voraussetzungen durchführbar wäre - allein bereits in Bezug auf die Verantwortung oder Aufsichtspflicht (ungeachtet des Rechts freier Berufswahl).




    Wenn er (wie beschrieben) dem Unterricht ohnehin geistig nicht folgen kann, wird er aufgrund der Notengebung doch ohnehin relativ schnell nicht mehr dort weiterkommen.
    das bedeutet jedoch nicht, dass er es nicht versuchen dürfte (aus meiner Sicht)
    Few of us can easily surrender our disbelief that society must somehow make sense.
    The thought that the state has lost its mind is intolerable.

    And so the evidence has to be denied.

 

 
Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Ähnliche Themen

  1. Unterschied zwischen einem Psychologen, Psychater und einem Psychoterapeuten?
    Von Michelle2010 im Forum Forschung und Wissenschaft
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 25.06.2010, 22:39
  2. Stress mit einem Kumpel wegen einem Mädchen
    Von Viktööörr im Forum Alles rund um Mädchen
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 27.03.2010, 18:31
  3. Das Kot und Piss Kind, ein etwas anderes Kind
    Von Coolsmoky im Forum Spaß & Fun
    Antworten: 39
    Letzter Beitrag: 09.07.2009, 15:44
  4. Gymnasium in Düsseldorf =)
    Von Unglaublich im Forum Schule, Studium, Ausbildung
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 27.03.2009, 22:50
  5. Realschulabschluss auf dem Gymnasium
    Von lenalola im Forum Schule, Studium, Ausbildung
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 12.09.2007, 16:23

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Back to Top

Search Engine Optimization by vBSEO 3.6.1

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60