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    Endstation verpulvertes Selbstvertrauen?

    Hallo allerseits

    Ich trete hier ein Problem breit, das mich schon seit Jahren beschäftigt. Dass es sein Jahren vor sich hinschwelt, ist mir vor ein paar Tagen erst aufgefallen, als ich einen über etwa fünf Jahre geführten Blog mit allen Problemchen und Jammereien wiederentdeckt habe.

    Ich versuche, es möglichst knapp und verständlich darzustellen, es läuft trotzdem auf einen Roman hinaus, einfach, weil so viele Aspekte mitspielen.

    Ich war schon immer ein bisschen schüchtern, aber unter Kindern fällt das eher weniger auf. Anders war ich auch schon immer, denn ich bin schwerhörig und trage Hörgeräte, um auf annähernd normalem Niveau zu hören. Das ist aber bis zur siebten Klasse auf dem Gymnasium nie ein Problem gewesen.
    Genau dann wurden die Klassen neu gemischt, und ich habe meine damaligen Freunde aus den Augen verloren. Weil ich mich nicht wohlgefühlt habe, habe ich mich zurückgezogen, mich sehr viel mit dem Internet beschäftigt und dort eben meine Freunde gehabt.

    Irgendwann in der neunten Klasse bin ich wieder "aufgetaucht" und musste feststellen, dass sich auch meine 'Freundinnen' total verändert haben, dass sie letztendlich total oberflächlich geworden sind und mit einem seltsamen 'Punk' wie mir nichts am Hut haben wollten.

    Zum Glück habe ich andere Freunde in der Klasse gefunden. Zusammen waren wir die neidisch beäugte Strebergruppe. Einen Unterschied gab es zwischen mir und meinen Freundinnen: Sie hatten keinen solchen enttäuschten Blick auf andere Menschen, waren anderen aufgeschlossener und wurden eher akzeptiert. Natürlich habe ich versucht, so zu sein, aber ich habe es nie hinbekommen. Da habe ich angefangen, zu spüren, dass mir die Klassenkameraden aus dem Weg gehen.
    Optisch war ich auch eine Zielscheibe für Streiche und Spott - micht so schlimm, wie andere es erlebt haben mögen, aber es führte in der zehnten Klasse zu einem völligen Zusammenbruch. Ich habe heulend im Sekretariat gesessen und hatte ANGST, rauszugehen. Zu der Zeit hat sich bei mir die Angst vor selbstsicheren, Menschen, vor allem Jungs, die nicht gerade mit offenen Armen auf mich zugehen, tief festgesetzt. Noch heute fahre ich zusammen, wenn Leute in meiner WG zu Besuch sind, die laut reden und Lärm machen und muss mich überwinden, vor die Tür zu gehen, wenn ich Hunger habe.

    In der Oberstufe hörten die Neckereien auf. Das Meiden blieb, wurde stellenweise noch mehr. Schön ist das bei Gruppenarbeit oder in Sport, wenn man als schwarzer Peter zuletzt in die Gruppe gewählt wird und man es plakativ ins Gesicht bekommt.
    Ich wusste nicht, warum. Ich wollte unbedingt erfahren, was an mir falsch, kaputt, widerwärtig war. Immer wieder war mein Gedanke, "Stinke ich?", "Bin ich so hässlich?" Meine Mutter wusste mir nicht zu helfen, sie sagte nur, ich solle die anderen ignorieren, da sei nichts zu retten. Ich fing an die Einsamkeit nachmittags als wohltuende Ruhe zu empfinden. Samstagsabends saß ich bei meiner Familie, eine sichere Oase, in der ich nicht fürchten musste, mühevoll etragen zu werden.
    Nach dem Abitur ließ ich das alle shinter mir und blühte regelrecht auf, lernte Italienisch, verbrachte einen Monat in Rom, ging arbeiten.

    Im Herbst bin ich für das Studium recht weit weg gezogen. Nach ein paar Monaten in einer Fünfer-WG klappte das Kartenhaus Stück für Stück zusammen. Unter den vielen Gleichaltrigen, unter denen ich lebe, fühle ich mich wieder wie das Alien. Ich meide Discos, ich fühle mich auf Parties bis zu einem gewissen Alkoholeinfluss wie auf sehr gefährlichem Gelände, wo ich ständig angegriffen werden könnte.
    Der Utnerschied: Ich werde nicht mehr so sehr gemieden. Es gibt Leute, die mich kritisch beäugen und meinen Gruß ignorieren, wie auch alles andere, was ich sage, aber sehr viel mehr Leute reagieren immerhin auf Fragen oder Dinge, die ich sage. Und: Mittlerweile weiß ich, dass ich aufgrund meiner Hörbeeinträchtigung auf die meisten eher befremdlich reagiere, da ich anscheinend doch eine eigenartige Weise zu sprechen habe, bzw Missverständnisse heraufbeschwöre.

    Aber die Angst vor Leuten, die Tatsache, dass ich mich jedesmal überwinden muss, dass ich Gleichaltrige immer noch meide und mich lieber älteren Leuten anschließe ist geblieben.
    Und leider bin ich im Gespräch mit vielen Leuten oft nervös und zittrig. Oft werde ich rot. Und das bei Leuten, bei denen ich mich sogar im Ansatz sicher fühle, zuletzt sogar bei meinen Eltern. Ich kann Menschen förmlich nicht mehr zu lang in die Augen sehen. Ganz zu schweigen davon, Menschen überhaupt zu vertrauen. Ja, ich habe einige Freunde, aber sie werden nie so weit vortreten, als dass ich ihr Verschwinden als Verlust bezeichnen könnte. Ganz zu schweigen von der Intimität einer Beziehung.
    Und ich suche immer noch nach einer Lösung. Ich weiß nicht, wie. Ich kann an meinem seltsamen Auftreten nichts verändern, da ich es selbst nicht bemerke (Sprechen) oder da es nicht zu vermeiden ist (wenn ich etwas falsch verstehe).

    Vielleicht hat hier irgendjemand einen Rat, einen Ansatz? Bitte nicht mit dem Psychologen kommen. So schlimm ist der Fall dann auch wieder nicht.
    Und danke für das Durchkämpfen. Ich habe den Text an allen Stellen gekürzt, wo es ging.
    Killing must feel good to God, too — He does it all the time. And are we not created in His own image?”
    Hannibal Lecter

  2. #2
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    AW: Endstation verpulvertes Selbstvertrauen?

    Ich weiß nicht, warum so viele Menschen denken, dass nur Irre zum Psychologen gehen.. Ein Psychologe hilft dabei, selbst solche Probleme zu lösen; er kann auch dazu beitragen den sozusagen "letzten Kick" in einer positiven psychischen Entwicklung zu geben (also dich nach all den Jahren auch noch von den letzten Zweifeln zu befreien). Angst vor Leuten bzw. das was du da beschreibst wäre ein Gespräch beim Psychologen wert, denn dieser muss ja nicht gleich eine Therapie anordnen. Manchmal helfen ein bis zwei Gespräche schon sehr viel. Als ich eine schwache Form der Panikstörung hatte, erwiesen sich bereits zwei Sitzungen als sehr hilfreich und das war aus ähnlichen "nichtigen" Gründen, wie du sie beschreibst.
    Klar kannst du versuchen, da selbst rauszukommen aber ob und wie schnell das zum Erfolg führt, liegt in den Sternen. Diese Sache mit Italien zum Beispiel scheint dir eine willkommene Abwechslung gewesen zu sein. Vielleicht solltest du dich vorrangig darauf konzentrieren deinen Interessen nachzugehen, also auch mal neue Dinge zu machen, von denen du bisher nur geträumt hast. Vielleicht ein neuer Verein, ein neues Instrument, Sportart, Outfit, was auch immer... Sicher sind Sätze wie "Lerne dich selbst zu schätzen" leicht dahingesagt und mittlerweile ausgekaut aber die Grundidee ist nicht verkehrt. Es gilt, dir selbst zu beweisen, dass selbst wenn alle Stricke reißen, du immernoch auf deinen Körper vertrauen kannst. Leistunssport ist eine der Optionen, die dir dabei helfen können. Du forderst dich selbst heraus; aus jeder Niederlage lernst du, durch jeden Erfolg wächst du. Und Selbstbewusstsein baut das allgemein sowieso auf.
    Das heißt aber genauso gut, dass du dich von allem lösen musst, dass dich an einer positiven Entwicklung hindert und dich vielleicht sogar zurückwirft. Schlechte Gedanken an früher, Fotos von Situationen an die du nicht nicht mehr erinnern willst, vielleicht sogar die WG, die dir ein flaues Gefühl in den Magen setzt; sowas meine ich. Um das "Zusammenzucken" wegzubekommen wäre es ratsam, dich regelmäßig mit Ängsten zu konfrontieren. Das heißt jetzt nicht nur sowas allgemein bekanntes wie die Angst vor Spinnen, sondern auch kleine Dinge; eventuell Angst vor bestimmten Filmen, Orten o.ä. Begibst du dich bewusst in diese Situationen, die dir Angst machen und erlebst irgendwann das Gefühl wie "So schlimm wie ich dachte war es gar nicht", kann ich mir vorstellen, dass dein Leben langsam eine bessere Richtung einschlagen wird. Aber wie gesagt, das sind nur Tipps von einem Laien; ich würde dir immernoch empfehlen, einen Psychologen zu befragen.
    Live your life before you waste it!

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    snookerfan (23.09.2013)

  4. #3
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    AW: Endstation verpulvertes Selbstvertrauen?

    Der Frust sitzt tief und wird immer wieder kommen, wenn du ihn nicht jetzt wo er da ist beim Schopf packst und mit ihm arbeitest. Wenn die Zeit für einen Psychologen reif ist, weiß man es meistens selbst, und Psychologen sind auch nur normale Menschen mit verschultem Abschluss. Die helfen dir hauptsächlich, weil du dir Zeit nimmst. Wenn du nicht hin willst, kein Problem. Manche sind so reif, mit sich selbst so ehrlich sein zu können, dass es vielleicht sogar besser ist. Wenn du lieber mit älteren Menschen bist, scheinst du ja ziemlich reif zu sein und dich vielleicht gar nicht mit den Gleichaltrigen abgeben zu wollen. Musst du ja auch nicht. Und wenn du doch willst: Es gibt keine Ausreden, das nicht zu können. Hörgeräte oder sprechen sind nichts, kein Grund dich anders zu fühlen. Aber wenn es für dich ein Hindernis darstellt, werden andere das auch so wahrnehmen. Starte locker in ein Gespräch mit wem neuen mit Hey sorry ich hör dich nicht so gut, und wenn es das damit für dich war, wird das Thema auch für andere abgeschlossen sein und sehr viel mehr als du vielleicht glaubst werden auf dich eingehen ohne irgendeine Ablehnung zu zeigen.
    Das schöne ist, es ist jeden Tag ein neuer Tag. Die Schule ist längst vorbei und auch wenn du Menschen immer wieder siehst, ist jeden Tag der richtige Tag um neu durchzustarten. Klappt es einmal nicht, klappt es beim nächsten mal. Aber versuche es nicht zu verkrampft und versuche nicht zu sein, wie du nicht bist. Nimm dir deinen Platz in der Welt den du verdienst, du darfst, auch wenn du anders bist als andere und vielleicht nicht in die Diskos gehst. Spüre deine eigene Präsenz, das kann man üben, und wenn du in dir selbst anwesend bist, bist du auch für andere anwesend. Stell dich vor den Spiegel und schalte alle Gedanken ab, bis du über dich selbst lachen kannst, das kann man auch üben. Und dann, Schritt für Schritt, geh raus und übe den Kontakt mit Menschen. Vielleicht zuerst mit unbekannten, in Geschäften oder so. Nimm dir nicht zu viel vor, ein freundliches Hallo wie gehts heute genügt oft schon, dann meldet sich das Glückszentrum im Gehirn weil es geklappt hat. Das Selbst ist eine interessante Sache und um sich selbst zu vertrauen, sollte man sich erst mal mit voller Ehrlichkeit selbst unter die Lupe nehmen. Was könnte der Grund sein, warum andere manchmal abweisend reagieren? Warum taucht die Vergangenheit gerade jetzt wieder auf und wieso schleppst du diesen Rucksack noch immer mit dir herum?
    Think a little less, live a little more.


 

 

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