1. #1
    DanteFreysinn
    Gast

    Rettet das (vergessene) Märchen

    Hier mal ein etwas interaktiverer Thread...

    Es gibt so diverse Märchen und Sagen, die traurigerweise ein wenig in Vergessenheit geraten. Dabei geht es weniger um die bekannten grimmschen Märchen, die sich ja noch einer gewissen Lebendigkeit erfreuen, sondern eher um eben die Grauzonen zwischen den großen Märchenschlagern...

    Einige User haben hier ja doch einen Migrationshintergrund und vielleicht noch aus ihrer Kindheit exotische Märchen im Kopf, die kaum noch jemand kennt und merkwürdigerweise für Normalsterbliche in keiner Märchensammlung zu finden sind. Es geht hier also darum sich die Mühe zu machen in seinem Gehirn rumzuwühlen und die Märchen der Kindheit, et cetera, hervor zu kramen und endlich mal schriftlich festzuhalten.

    Natürlich gilt das aber auch für die Deutschen, et cetera. Es können auch gerne lokale Legenden und Sagen hervorgekramt werden. Ich werd auch nochmal die Tage eine kleine Legende aus meiner Heimat zum besten geben... und werd hier auch gleich mal mit einem littauischen Märchen beginnen...


    Katsuse



    Es war einmal eine alte, verwitwete Frau, die war nur mit einem einzigen Kind gesegnet. Und dieses war noch klein und konnte noch nicht laufen und lag behütet in einer Wiege. Deshalb adoptierte die alte Frau ein Mädchen namens Kastute. Doch sie behandelte es schlecht und lies es schuften. Vom frühen Morgen an, wenn die Gräser noch reglos schlummern, bis in die späte Nacht, wenn selbst die Sterne sich zur Ruhe legen. Die Stiefmutter selbst rührte keinen Finger und saß nur bei ihrem Kind und hütete es.
    Eines Tages schickte die Stiefmutter Kastute aufs Feld um Disteln zu jäten. Kastute gehorchte und jätete den ganzen Tag, bis sie vor einem riesigen Haufen Disteln stand und müde wurde. Sie legte sich auf den Haufen und schlief ein. Währendessen hob die Stiefmutter eine Grube unter der Türschwelle aus, schüttete glühende Kohlen hinein und bedeckte das Loch. Wenn Kastute nach Hause kommen würde, sollte sie dort hineinfallen und verbrennen.
    Als es abends wurde ging das Mütterlein auf den Hof und rief:


    Komm, Katsuse, Töchterlein
    Es dämmert schon die Nacht
    Das Essen steht schon auf dem Tisch
    und's Bettlein ist gemacht


    Katsuse wollte sich auf den Weg machen, doch der Hahn auf dem Hof kannte die List der Stiefmutter, sprang auf den Zaun und krähte mit aller Kraft:


    Kikeriki, Katsuse bleib fern
    Kikeriki, schlaf unter Gestern
    Denn auf deinem Tischlein
    da wartet kein Brot
    Denn unter der Schwelle
    dort wartet der Tod


    Die Stiefmutter hörte den Hahn und drehte ihm schnell den Hals um. Katsuse aber vernahm die Wahnung des Hahnes und ging heut Nacht nicht heim. Sie setzte sich unter einen Busch und wehklagte:


    Meine Beine voll Wunden
    meine Hände voll Weh
    Was bin ich geschunden
    wohin ich auch geh


    Und sie schlief weinend ein.


    Am nächsten Tag aber vollzog sie pflichtbewusst ihr Tagewerk und hoffte die böse Stiefmutter dadurch zu besänftigen. Wieder jätete sie den ganzen Tag die Disteln auf dem Feld. Und am Abend ging wieder die Stiefmutter auf den Hof und rief:


    Komm, Katsuse, Töchterlein
    Es dämmert schon die Nacht
    Das Essen steht schon auf dem Tisch
    und's Bettlein ist gemacht


    Katsuse glaubt, dass ihr die Stiefmutter diesmal gut gesonnen ist und will sich auf den Heimweg machen. Doch diesmal hört es der Hund des Hofes. Auch er kannte die List der Stiefmutter, lief zum Tor des Hofes und rief:




    Wuff Wuff, Katsuse bleib fern
    Wuff Wuff, schlaf unterm Gestern
    Denn auf deinem Tischlein
    da wartet kein Brot
    Denn unter der Schwelle
    dort wartet der Tod


    Die Stiefmutter hört den Hund rufen, nimmt einen Stock und schlägt ihn tot. Aber Katsuse hat wieder die Warnung vernommen und geht nicht heim. Wieder setzt sie sich unter das Gebüsch und wehklagt:


    Meine Beine voll Wunden
    meine Hände voll Weh
    Was bin ich geschunden
    wohin ich auch geh


    Und sie schlief wieder weinend ein.


    Aber am nächsten Morgen macht sich Katsuse erneut ans Werk und jätet all die Disteln und gibt sich noch mehr Mühe und hofft, die böse Stiefmutter dadurch zu besänftigen. Und als der Abend dämmert geht die Stiefmutter wieder auf den Hof und ruft:


    Komm, Katsuse, Töchterlein
    Es dämmert schon die Nacht
    Das Essen steht schon auf dem Tisch
    und's Bettlein ist gemacht


    Und diesmal ist niemand da sie zu warnen, denn Hahn und Hund sind tot. So macht sie sich auf den Weg nachhause und steht bald vor der Hütte. Unter der Schwelle glühen die Kohlen und die Stiefmutter steht vor der Tür und fragt Katsuse, ob sie das Feld gejätet hat. Katsuse bejaht dies. Daraufhin fordert das Stiefmütterlein sie auf, sich die Augen verbinden zu lassen und ins Haus zu gehen. Gerade, als sie dieses machen wollte, kam jedoch ein kräftiger Wind auf und blies die Glut aus der Grube ins Haus und an die Wiege des kleinen Kindes. Diese fing sofort Feuer und brannte lichterloh. Die Stiefmutter rannte entsetzt ins Haus, vergaß die Grube unter der Schwelle und stürzte hinein. Sie verbrannte, bis nicht einmal ein Knöchlein von ihr übrig blieb und der Wind blies ihren Staub auf das frisch gejätete Feld. Dort wuchsen nun Veilchen, die keiner Art glichen. Deshalb nannte man sie Stiefmütterchen, um uns zu erinnern, dass wir gut sein sollen zu den Kindern, die uns gegeben sind. Gleich ob sie unseren eigenen Lenden entsprungen sind oder nicht

  2. #2
    TaintedAngel
    Gast

    AW: Rettet das (vergessene) Märchen

    Die weinende Prinzessin

    Es war einmal ein geldgieriger Kaiser, der von seinen Untergebenen hohe Steuern verlangte. Aber nicht nur das Volk, auch die Adligen stöhnten über die hohen Abgaben. Schließlich riefen einige Fürsten zu einer großen Versammlung, um dem Kaiser die Stirn zu bieten. Als dem Kaiser dies zu ihren kam, bekam er es mit der Angst zu tun, denn er befürchtete einen Aufstand, daher ließ er Folgendes im ganzen Reich bekannt geben, um die Gemüter zu besänftigen: „Der Kaiser verspricht jenem Fürsten Steuerfreiheit, der seine älteste Tochter Sarah, die seit dem Tode ihres Verlobten ohne Unterlass weint, tröstet und wieder zum Lachen bringt.“ Da ließen sich die Adligen täuschen und ein jeder hoffte, die traurige Prinzessin wieder zum Lachen bringen zu können. Somit löste sich die Versammlung auf, und ein jeder zog nach Hause, um sich auf die Vorstellung bei der Prinzessin vorzubereiten. So kamen jeden Tag Dutzende von Adlige in den Kaiserpalast, um die weinende Prinzessin zu trösten. Vor dem Palast befand sich eine große Menschenmasse, die jeden Ankömmling mit Jubel empfing, doch wenn diese nach ihrem Scheitern wieder enttäuscht ihre Weg zogen, dann mussten sie ebenfalls an den hämisch johlenden und pfeifenden Menschen vorbei. Das einfache Volk freute sich, dass es auch den Adligen nicht leicht gemacht wurde, sich vor den Steuern zu drücken. Täglich wuchs die Zahl der Gescheiterten: Inder, Perser, Araber, Turkmenen ... Von überall aus dem Reich reisten kluge junge Männer voll Hoffnung und Zuversicht an, aber keinem gelang es, die Prinzessin zu trösten. Der Kaiser freute sich insgeheim, denn das Scheitern jedes Adligen bedeutete für ihn eine Menge Geld. Einmal schien es so, als hätte ein Mongolenfürst die Prinzessin getröstet. Stundenlang hatte er auf seiner Balalaika eine Melodie gespielt, die traurig und langsam begann, doch dann immer fröhlicher wurde. Die Prinzessin hatte ihm unentwegt zugehört und auch ihre Augen wurden wieder trocken, doch dann hatte sie zur allgemeinen Enttäuschung erneut angefangen, heftig zu weinen. Ein kurdischer Stammeshäuptling hatte, bevor er zur Prinzessin gelassen wurde, das ganze Volk belustigt, doch auch ihm gelang es nicht, ihr mit seinen Witzen ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. Das Gegenteil war der Fall, denn je mehr es sich bemühte, desto heftiger weinte sie. Sogar aus Persien waren Fürsten angereist – doch auch sie kamen vergeblich.
    Einzig Omar, der in der entlegensten und kleinsten Provinz des Reichs herrschte, war noch nicht vorstellig geworden. Er war ein schöner, freundlicher und vor allem kluger junger Mann. Das hatte er beweisen müssen, als böse Verwandte nach dem Tod seines Vaters versucht hatten, ihm die Macht zu entreißen. Omars Reich war so weit entfernt von dem Kaiserpalast, dass es einige Monate dauerte, bis ihn die Bekanntmachung erreichte. Doch als er sie vernahm, machte er sich sofort auf den Weg, Tag für Tag, Woche für Woche galoppierte er auf seinem schwarzen Hengst in Richtung Kaiserstadt. Endlich erreichte er eines Abends den Palast, da hatte man schon angenommen, dass niemand mehr die schwierige Aufgabe wagen würde. Er klopfte an das Tor, und als sie öffneten, lachten die Wächter, als der müde und schmutzige Reiter seinen Wunsch vortrug. Doch sie hielten sich an des Kaisers Befehl und ließen ihn ein. Im Palast nahm man ihn freundlich auf und sagte: „Es ist schon spät, Morgen früh kannst du der Prinzessin deine Aufwartung machen!“ Sarahs Schwestern hörten, dass ein neuer Bewerber in den Palast gekommen war. „Er ist schöner, als alle anderen!“, erzählten die, die ihn zu Gesicht bekommen hatten, ihren Schwestern. Doch schlichen sie unter Marikas Führung zu einem geöffneten Fenster, um den schlafenden Jüngling heimlich anzusehen. Marika war die Jüngste und Schönste der Prinzessinnen und hatte jeden Unsinn im Kopf. Am Morgen wurde Omar zu Sarah gebracht.
    Alle warteten gespannt, was er vorhatte. Doch Omar sah Sarah nur unentwegt an, im Gegensatz zu seinen Vorgängern, die sie nie genau betrachtet hatten, auch Sarah blickte ihn an, verzog aber keine Miene. Nach einer langen Weile ging der Frst zu dem König und sprach: „Majestät, wenn Ihr mir Euer Zepter gebt, will ich die Aufgabe lösen.“ Der Kaiser sah ihn zweifelnd an, gab ihm aber dann das Zepter. Dann ging er mit Omar und den Prinzessinnen, die versuchten, Omars Aufmerksamkeit zu erlangen, in Sarahs Gemach. Dort verbeugte sich Omar vor Sarah und schlug ihr mit dem Zepter gegen den Kopf. Die Prinzessinnen schrien ängstlich um Hilfe, der Kaiser stampfte wütend mit dem Fuß auf und die Wächter zogen die Schwerter. Doch plötzlich war alles still, Sarahs Kopf war heruntergefallen und aus dem kaputten Hals quollen Drähte und Federn. Sarah, die weinende Prinzessin, war ein kunstvoll gemachte Puppe. Alle Adligen waren auf den Trick hereingefallen, nur Omar nicht. Keiner sagte ein Wort, nur Marika begann, laut zu lachen. Wütend schrie der Kaiser sie an: „Sei still, du ...“ Durch die Täuschung mit der Puppe hatte er sich von all seinen Fürsten hohe Steuereinnahmen gesichert. Derjenige, der sein Geheimnis entdecken würde, müsste sterben ... Doch da kam ihm ein besserer Gedanke: Durch einen klugen Schachzug würde er die ungehorsame Marika loswerden und gleichzeitig einen Schwiegersohn gewinnen, der ihn bei den Regierungsgeschäften gut beraten könnte.
    „Für deine Frechheit müsstest du mit dem Tode bestraft werden!“, begann er. „Doch wenn du Marika zur Frau nehmen willst, will ich dir dein Leben schenken.“ Omar willigte wortlos ein und sah Marika lächelnd an.
    Als der Kaiser ihn umarmte, dachte Omar bei sich: „Auch wenn du jetzt Kaiser bist, so werde ich dir in wenigen Jahren folgen.“
    Und so geschah es. Und von diesem Tag an zahlten die Untertanen einen gerechten Steuersatz und jeder war zufrieden.

  3. #3
    DanteFreysinn
    Gast

    AW: Rettet das (vergessene) Märchen

    nein... es ging jetzt NICHT darum google anzuschmeissen und irgendein märchen aus nem Forum zu kopiern... *seufz*... sonst hätt ich es ja gleich in die literaturecke schmeissen können... sondern es geht darum eben Märchen niederzuschreiben, die man noch im Gedächtnis oder von mir aus auch in Muttersprache, wenn man eben entsprechend ethisch verwurzelt ist, zu übersetzen...

    und ja... ich bin mir bewusst, dass auf diese Art wenige bis keiner sich die mühe macht... ich probiers trotzdem... *g*

  4. #4
    TaintedAngel
    Gast

    AW: Rettet das (vergessene) Märchen

    hast du schonmal ein praktikum in nem kindergarten gemacht? die kennen dieses märchen nicht... ich habe nicht google angeworfen und irgendeins ausgesucht... das habe ich bewusst gewählt...

    wenn dir soviel daran liegt, kann ich ja "der hirsch mit dem goldenen geweih" reinstellen; das ist ein schönes russisches märchen, das meine mutter mal aufgeschrieben hat, weil es das in der deutschen version lange nicht gab

    ich verstehe durchaus, was du möchtest, aber du solltest auch nicht so engstirnig sein... die idee is im prinzip schön... ( und das sag ich, obwohl du mich dumm wie brot findest )

  5. #5
    DanteFreysinn
    Gast

    AW: Rettet das (vergessene) Märchen

    okok... das mit der willkürlichkeit nehm ich zurück... das war auch eher allgemein nochmal erwähnt... dass das märchen ein wenig unbekannter ist, hab ich schon gemerkt...

    aber es ändert immernoch nix daran, dass ein kopierter Text zum Beispiel dingen, wie dem Copyright-Recht unterliegt und du das eben nicht entsprechend würdigen kannst, wenn du nen Text irgendwoher kopierst... deswegen auch der eigenkreativitätsanteil... Märchen sind im gewissenmaße freies Gut, solange du es selber in eigenen Worten erzählst, denke ich, dass niemand dran rummeckern kann... ausserdem ist das meiner Meinung nach auch ein wichtiger Aspekt der Märchenkultur... es selber zu erzählen...

  6. #6
    Gnu
    Gast

    AW: Rettet das (vergessene) Märchen

    Soo, kennt wahrscheinlich eh jeder. ich versuche es kürzer zu machen.

    Die schöne Wassilissa

    Einst lebte in einem herrlichen Zarenreich ein reicher kaufmann, dessen junges Weib so wunderschön war, dass alle Welt bei ihrem Anblick staunte. Doch schenkte sie dem Kaufmann nur eine einzige Tochter, ehe sie erkrankte und kein Kraut ihr leiden mindern konnte.
    Eines Tages rief das Weib ihr noch sehr junges Kind zu sich und übergab ihr in einem Bündel eine Puppe. ''Ich, mein Kind, werde dich nun bald verlassen müssen, doch allein wirst du nicht bleiben. Nimm diese Puppe an dich. Bist du in der Not, so gib der Puppe was zu essen, klage ihr dein Leid und sorge dich nicht weiter. Sie wird dich leiten.'' sprach die Mutter. Ehe sie das gesagt hat schlossen sich ihre Augen für immer.
    Der Kaufmann wurde geplagt von Trauer, doch musste er sich eine neue Frau nehmen, die den Haushalt führt und Wassilissa großzieht, wenn er selbst auf Reise ist. So entschied er sich für eine alte, hässliche Witwe, die arbeitsam war und zwei Töchter mitbrachte, nur wenig jünger als die schöne Wassilissa.

    So vergingen Jahre und Wassilissa kam ins heiratsfähige Alter. Bald aber stellte sich heraus, dass die Witwe Wassilissa keine gute Mutter war, denn diese hatte die Schönheit ihrer Mutter gerbt und jeder Mann im Dorf bat um ihre Hand. Neid und Wut überkamen die Stiefmutter und ihre Töchter, die Wassilissa peinigten um ihre Schönheit zu vertreiben. Sie schickten sie zum arbeiten aufs Feld, damit sie mager wird und ihre Haut schwarz. Doch Wassilissa klagte ihr Leid der Puppe, für die sie ihr Essen aufbewahrte und diese lies die Arbeit wie im nu getan sein. Wassilissas Haut blieb blass und sie wurde üppiger, was auch immer die bösen Stefschwestern und deren Mutter auch unternahmen.

    Eines kalten Winters aber, ging der Kaufmann auf seine längste Reise und brachte seine Familie in einem einsamen Haus in der nähe des Waldes unter. Der einzige Nachbahr war eine Baba-Jaga am anderen Ende des dunklen Waldes. Sie lebte in einer Hütte aus Menschenknochen, die auf Hühnerbeinen stand* und aß Menschen als wären es Hühner.
    Da sah die Steifmutter endlich eine Möglichkeit Wassilissa los zu werden. So oft es ging schickte sie sie los um kräuter am anderen Ende des dichten Waldes zu sammeln. Würde Wassilissa nicht von der Baba-Jaga gefressen, so würde sie sich wenigstens im Wald verirren. Doch das junge Mädchen klagte ihrer Puppe ihr Leid und diese zeigte ihr den richtigen Weg und zeigte wo sie sich von der Baba-Jaga verstecken kann.
    Eines Abends löschte die Stiefmutter jedes Feuer im Haus, nur eine einzige Kerze lies sie an und gab ihren Kindern je eine Aufgabe. die eine strickte, die andere nähte und Wassilissa sponn einen dünnen Faden. Als die schöne Stiefschwester nicht hinsah, zersnitten die anderen beiden den Docht und der Raum erfüllte sich mit Dunkelheit. Im ganzen Hause war kein Feuer mehr. So blieb nur noch übrig zur Hütte der Baba-Jaga zu gehen und Feuer zu holen. ''Unsere Nadeln leuchten und würden die Wölfe anlocken'' sprachen die Schwestern, ''du musst gehen Wassilissa''
    Weinend schlich Wassilissa sich in ihr Kämmerchen und berichtete der Puppe was geschehen war. Diese kroch in Wassilissas Tasche und sagte sie werde sie beschützen. Und so zog das Mädchen durch die Nacht.
    Sie ging lange und der Wind peitschte ihr ins Gesicht. Als der Wald lichter wurde, ritt ein Reiter auf einem weißen Pferd an Wassilissa vorbei. Es wurde Tag. Wassilissa ging ununterbrochen weiter und wenig später ritt von der anderen Seite ein Reiter auf einem feuerroten Pferd aus dem nichts und sofort stand die rote Sonne am Himmel. Das Mädchen aber wanderte weiter. Ein schwarzes Pferd rannte vorrüber und brachte die Nacht mit sich.
    Nun stand Wassilissa vor dem Haus aus Menschenknochen, Schädel zierten den Zaun. Als die Alte herauskam blickte Wassilissa auf den boden und berichtete über ihr Anliegen.
    ''Ich werde dir Feuer geben'' sprach Baba-Jaga, ''doch zunächst musst du dich wenn ich weg bin um mein Hof kümmern, sonst fress ich dich''. So blieb Wassilissa da und kochte Borschtsch und schenkte Baba-Jaga Kwas ein bis diese sich auf ihre Bank legte und zu schnarchen begann. Am nächsten Tag jedoch gab Baba-Jaga ihr so viele Aufgaben, wie sie von ihren Schwestern die bekam. Kaum war die Alte in ihrem Kessel davongeflogen, sammelte Wassilissa die Essensreste ein und gab sie der Puppe. Weinend beklagte sie sich über ihr Leid. Die Puppe jdoch lies alle arbeit sofort erledingt sein.
    Verwundert stellte Baba Jaga est dass sie sich über nichts beklagen konnte und bat Wassilissa mit ihr zu Abend zu essen. So saßen sie sich gegenüber und aßen.
    ''Willst du nicht mir mir reden, kind?'' fragte die Alte.
    ''Ein junges Mädchen spricht nicht wenn sie nicht gebeten wird, aber wenn sie itten Mütterchen, so will ich fragen.''
    ''Doch behalte in Erinnerung, nicht jede Frage führt zum Glück. Zu viel Neugier macht dich schneller alt und führt dich dann zum Tode''
    ''Ich will nur wissen, der weiße Reiter der mir auf dem Weg begegnet, wer war der?''
    ''Das ist mein lieber Tag''
    ''Und der rote, der nach ihm kam?''
    ''Das ist die treue Sonne''
    ''Wer ist denn dann ihr schwarzer Bruder?''
    ''Meine Gefähritin, die ruhende Nacht, sie sind alle treue Diener. Nun, Kind, willst du mehr wissen?''
    ''Nein, Mütterchen. Zu viel Neugier bekommt einem nicht gut''
    Die Alte lachte ein zufriedenes zahnloses Lachen. ''Dann will ich dich Fragen, Wassilissa. Und sprichtst du nicht die Wahrheit so werde ich dich fressen müssen. Wie bekommst du alle deine Arbeiten so rasch erledigt?''
    ''Da ist mein Gewissen rein. Alles was mir hilft ist der Segen meiner Mutter''
    ''Wenn das so ist'', sagte die Baba-Jaga zufrieden, ''gesegnete kann ich hier ncht brauchen. Morgen Früh will ich dich ziehen lassen, nimm für deine Familie Feuer in einem der Schädel auf dem ZAun mit.''
    So geschah es am nächsten Tag. Vor dem Haus ihrer Stiefmutter angekommen dachte sich Wassilissa dass sie nun 5 Tage weg war und die Schwestern bestimmt bereits Feuer gefunden hatten. Doch als sie den Schädel wegwerfen wollte kam eine Stimme aus dem Schädel die sagte, das Geschenk der Baba-Jaga würde Unglück in Glück verwandeln.
    Als Wassilissa ins Haus kam, begegnete man ihr freundlich und schien sehr froh überdas gebrachte Feuer. Wassilissa war müde und zog sich in ihr Kämmerchen zurück. Auch ihre Schwestern und die Stiefmutter wollten zu bett gehen doch die Augen des Schädels folgten ihnen überall hin. Bis zum nächsten morgen waren die Mutter und ihre Töchter an ihrer Angst erstickt.
    Wassilissa nahm ihre Puppe, schloß die Tür des Hauses ab und wanderte in die Stadt um dort eine bleibe zu suchen. Eine alte Frau, die sich immer eine Tochter gewünscht hatte, dankte Gott als das wunderschönste Kind dass ihre Augen je sahen vor ihrer Tür stand. So blieb Wassilissa bei ihr. Winter und Sommer zogen vorbei und im kalten Herbst plagte Langeweile das junge Mädchen, so bat sie das Großmütterchen ihr Wolle mitzubringen, sie wolle einen Faden spinnen. Als dieser jedoch gesponnen war, fehlte weit und breit ein webstuhl.
    ''Lass dies meine Sorge sein, bring mir etwas morsches Holz und morgen sehen wir weiter'' sprach die Puppe während Wassilissa ihr das Abendessen brachte.
    Am nächsten Tag stand ein Webstuhl in der Kammer, der den schönsten Stoff webte, den die Welt je sah. Er strahlte golden und war durchzogen mit silbernen Fäden.
    ''Nimm es Großmütterchen'' sagte Wassilissa ''und bringe es dem Zaren. Er soll sich daraus Kleider nähen lassen''
    So übergab die Frau dem Zar ihr Geschenk, doch obwohl der König lange suchte fand er keine Schneiderin die sich traute eine Nadel in dieses Kunstwerk zu stechen.
    Der Zar lies die alte Frau zu sich bestellen und sprach: Du Alte konntest diesen kostbaren Stoff weben, so wirst du mir auch Hemden darau nähen können!''
    ''Nicht ich Herr, meine Ziehtochter , die wunderschöne Wassilissa, hat dies gesponnen und gewebt''
    ''Dann bereitet mir mein Pferd vor, ich will das Mächen mit eigenen Augen sehen!'' befahl der Zar.
    Wassilissa wartete aber bereits am Fenster ihres Kämmerchens, in ihre schönsten Gewänder gehüllt und das Haar im Winde wehend auf die Ankunft des Zaren.
    Als dieser vom Pferd stieg und das schönste Mädchen im Lande sah, verliebte er sich sofort in sie und bat sie seine Braut zu werden.
    Schon bald wurde im ganzen Land die Nachricht über die Heirat des Zaren ausgerufen und Wassilissa wurde nun bei Hofe gefeiert. Auch der Kaufmann betrachtete, nach seiner Rückkunft, mit Freude das neue Glück seiner Tochter, in deren Tasche für immer eine kleine Puppe mittanzte.

    Endö

    *Baba-Jagas leben in russischen Märchen immer in Hütten auf Hühnerbeinen und essen Menschen. Und fliegen in Mörsern durch die Gegend.





  7. #7
    DanteFreysinn
    Gast

    AW: Rettet das (vergessene) Märchen

    wuh... eines der wenigen Märchen mit einer symphatischen Baba Jaga... *g*... hat mir aber gefallen... ich schreib glaub ich bald mal nen anderes Baba Jaga Märchen nieder... sofern ich das noch zusammen krieg....

  8. #8
    Gnu
    Gast

    AW: Rettet das (vergessene) Märchen

    höhö, ich hab noch tausend baba jaga märchen, aber ich bringe die handlungen immer durcheinander. muss meine märchenbücher mal wieder rauskramen..

    Edit: übrigens kann es sein, dass die baba jaga gar nicht so nett war, meine mutter es mir aber so beibrachte weil sie mich nicht verängstigen wollte xD.
    Geändert von Gnu (10.07.2008 um 14:57 Uhr)

  9. #9
    TaintedAngel
    Gast

    AW: Rettet das (vergessene) Märchen

    Zitat Zitat von DanteFreysinn Beitrag anzeigen
    okok... das mit der willkürlichkeit nehm ich zurück... das war auch eher allgemein nochmal erwähnt... dass das märchen ein wenig unbekannter ist, hab ich schon gemerkt...

    aber es ändert immernoch nix daran, dass ein kopierter Text zum Beispiel dingen, wie dem Copyright-Recht unterliegt und du das eben nicht entsprechend würdigen kannst, wenn du nen Text irgendwoher kopierst... deswegen auch der eigenkreativitätsanteil... Märchen sind im gewissenmaße freies Gut, solange du es selber in eigenen Worten erzählst, denke ich, dass niemand dran rummeckern kann... ausserdem ist das meiner Meinung nach auch ein wichtiger Aspekt der Märchenkultur... es selber zu erzählen...

    also wärst du mit dem russischen märchen, das meine mutter aufgeschrieben hat, zufrieden?
    es ist durchaus schön märchen in eigenen worten zu erzählen, abba manche märchen verlieren dadurch ihren "zauber"... da die wahre wortwahl es schöner macht

  10. #10
    Gnu
    Gast

    AW: Rettet das (vergessene) Märchen

    Zitat Zitat von TaintedAngel Beitrag anzeigen
    also wärst du mit dem russischen märchen, das meine mutter aufgeschrieben hat, zufrieden?
    es ist durchaus schön märchen in eigenen worten zu erzählen, abba manche märchen verlieren dadurch ihren "zauber"... da die wahre wortwahl es schöner macht
    ich persönlich finde gerade an volksmärchen die sehr alt sind schön, dass es von region zu region anders erzählt wird. Meine Mutter erzählte mir auch immer ganz andere Versionen als meine Oma. Ich wette wenn du deine Version vom Elch mit dem goldenen Geweih erzählst, werde ich sagen können dass an der die ich kenne einzelne Teile anders sind. Das ist irgendwo doch der ''Zauber''..

    ich hab btw. meine russischen Märchenbücher gefunden, ich muss ich jetzt nur noch reinlesen *g* danke dante, ich bin für die nächsten wochen beschäftigt. ^^

  11. #11
    TaintedAngel
    Gast

    AW: Rettet das (vergessene) Märchen

    Zitat Zitat von Gnu Beitrag anzeigen
    Ich wette wenn du deine Version vom Elch mit dem goldenen Geweih erzählst, werde ich sagen können dass an der die ich kenne einzelne Teile anders sind.

    es handelt sich um einen HIRSCH
    boah... ich kann das märchen leider nemme auswendig... muss erst mal danach suchen *bücherregal verängstigt anschau*

  12. #12
    Gnu
    Gast

    AW: Rettet das (vergessene) Märchen

    elch, hirsch, ich kenn den unterscheid nicht xD. aber ich meine das märchen zu kennen. Auf russisch heißt es ja bloß ''Goldene Hörner'' wenn man es genau übersetzt. *g*
    Ich hätt' nen Elch drausgemacht. passt auch. da sehen wirs.

 

 

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