1. #1
    DanteFreysinn
    Gast

    Meschuggina

    joa... büssl Prosa am Morgen... sind bestimmt 12 milliarden müdig- und flüchtigkeitsfehler drin... könnt ja anstreichen... *gähn*... ich schau morgen selber auch nochmal... verdammte Muse.. bist ne olle Nachtnutte...

    Meschuggina
    - Sehnen beissen -

    Ein Mann stirbt in der Schlei. Doch heute stirbt er in den Straßen einer Stadt, die nicht sein Heim ist, und morgen stirbt er vielleicht ganz woanders. Doch heute ist er in dieser Stadt und sie ist fremd und er weiss nicht mehr, als wir wissen. Und es nagt an ihm ein Zahn, der stößt sich in seinen Kopf und er weiss, dass die Schlei nass und kalt ist, doch nur, weil es in den ersten Zeilen stand und weil er in dieser Stadt ist. In der Holstenstrasse erblickt er eine Parade von Gestalten. Sie tragen bunte Gewänder und Masken von Tieren. Masken der Eber, der Eulen und Ratten. Und sie tanzen mit wilden Gebärden und lautem Geschrei durch die Straßen. Er fragt "Was macht ihr dort? Was soll das, was ihr da macht?". Und einer, der spricht und sagt: "Wir sind wahnsinnig. Was wir tun ist wahnsinnig sein". "Nimm deine Maske ab" und er tat, wie von ihm gefordert wurde und man sah, Augen, so klar wie der Nachthimmel es nur in den Wintermonden sein kann, und keinen Wahnsinn keimen. Da wurde der Mann wütend, hebte sein Bein, steckte es sich in den Mund und biss sich einen Zeh ab. Da riefen die Gestalten aufgebracht "Du bist wahnsinnig!" in freudiger Erregung. Und der Mann sprach "Nein, an manchen Tagen bin ich völlig klar und das sind die Schlimmsten. Denn das Bewusstsein für Schönheit ist das Maß unseres Elends."'und ging fort.

    Er überquerte die alte Hornbrücke und erklomm die Überführung. Und als er über der Stadt thronte, sah er den Hafen und die Lichter der Stadt. Denn es war finster geworden, wie er so ging, durch diese Stadt, die ihm fremd war. Und es war ihm widerlich so hinab zu Blicken, also schaute er hinauf ins Gestirn. Und einer stand neben ihm, der war nicht da, aber sprach "Was schaust du dort hinauf, in die immergleichen, gottverdammten, Gestirne? Warum schaust du nicht auf das farbenfrohe Spiel der Stadtlichter?" "`Weil ich Augen habe"' "Ich auch" "Doch du benutzt sie nicht. Sonst wären die Sterne dir vertraut. Sieh. So wie sie dort liegen, auf diesem Schleier, so lagen sie schon da, als ich vor 10 Jahren zum Himmel blickte. Als ich es vor 20 Jahren tat, vor 30 Jahren, ja, selbst als ich klein und faltig war, da waren sie genau so, wie sie heute stehen. Ihre Konstanz ist wunderschön." "Du bist ein Träumer, sie sind fern und kalt." "Und wer bist du?" "Ich bin der Zweite." Er musterte den Zweiten und es fiel ihm auf, dass er Jeder war, weil nichts besonderes an ihm haftete. Seine Konturen waren so flüchtig wie das Spiel der Gischt auf den Wellen. "Erklär mir das" "Naja. Es gibt nicht viel zu erklären. Ich bin halt der Zweite. Alleine gibt es mich nicht"' "Also wenn keiner da ist, bist du nicht da?" "Genau" "Und wenn zwei schon da sind?" Dann komm ich nicht hinzu, weil ich der Dritte wäre, aber ich bin ja schon da." "Das versteh ich nicht" "Ich weiss, deswegen bin ich"Und der Mann merkte, dass er alleine war und legte sich auf die steinernde Bank vor der alten Schwimmhalle und schlief einen schlaflosen Traum bis zur Röte des Morgens.

    Afrikanische Trommeln. Rhytmisches Klagen. Die Antilophe trägt einen Arm, der fasert die Muskeln des Häuptlings, die benetzten den Wüstenboden mit Leben. Doch nichts fruchtet. Ein Bushmann steht vor ihm, der ist ihm gleich, nur anders. Vielleicht, weil sie zu zweit sind. Doch er trägt das Leben der Tiere als Schmuck und sitzt an einer Scheibe, die nutzt man zum töpfern, und spricht:


    "Ich verjage die Geier
    Die Füße sind staubig.
    Der Wind fugt den Klang.
    Mit Fäden fang ich -
    Das Dur - melodait.
    Ich töne ein Mädchen.
    Die Hände gebunden

    Ich verjage die Geier
    Die Mumme im Erdton
    erblitzt aus dem Staub-Korn.
    Körnt sich zum Staub.
    Die Füße sind staubig.
    Kreolen an Fetzen - an Läppchen.
    Sie baumeln verloren.
    Es baumelt das Windlicht.
    Der Wind fugt den Klang.
    Ich spinn mir den Faden
    mit gegurgeltem Weh-Laut
    mit speichelnden Fäden
    fang ich das Dur
    Das Dur melodait.
    Goar tritt den Teufel
    Und treibt mich zur Scheibe
    Die klangschwanger tönt.
    Ich töne ein Mädchen.
    Die Fessel ist nackt.
    es knöchelt zum Leib
    zur Bindung hinein.
    Die Hände gebunden.

    Mich verjagen die Geier
    Die Füße sind Staub
    Der Wind fügt den Klang
    mit Fäden.
    Das Dur. Melo-die.
    Ich töte ein Mädchen.
    Gebunden zu sein.

    Ich trage auf Händen
    den Krug ohne Wasser
    Ich reine im Hauch
    das Blut ihrer Tage."


    Und der Mann spricht "Ja"'und "Ich verstehe" und "Mami, der Wind ruft so bittere Namen voll Klang und Gestank"

    Die Röte des Morgens steigt aus dem Wasser und er sagt "Ich will ans Wasser" und geht hin zur Stadt müder Meere und will dort das Meer sehn. So erklimmt er das Ehrenmal. Doch dort sind Milliarden, die stürzen sich die Brüstung hinab in die Fluten, doch die spucken sie aus und sie zischen zur Luft und landen dort oben bei ihm und springen schon wieder. Da sagt er dem Einen: "Das ist doch sinnlos" Und der Eine ist Zweiter also antwortet ein Anderer, nämlich der Zweite "Ja, aber dies sind die Liebenden. Denen brach das Herz und das war voll Blut, dieses fiel von den Rippen hinab und perlte von Hüft` ins Gebein. Nun sind sie müde, denn gehen ist schwer mit den Beinen voll Blut." Da steigt er hinab und ans Meer und fragt die baltische Mutter: "Warum verschmähst du die Kinder des Meeres, die Müden, die, mit dem Blut im Gebein, das aus gemordetem Puls floh?" Doch die blubbert grimmig, wie es der Mütter Manier ist und sprach: "Tritt in das Nass" Und er gehorchte der Mutter und nahm es sich vor, doch trat auf sie hinauf, denn der Boden war fest und er sah Kinder in Salz eingelegt aus Jahrtausenden. "Die Müden der Zeit und die Müden davor verstoßen die eigenen Brüder. Das Meer ist so voll von den Träumern und traurigen Dichtern, das fasst keinen Mann mehr." Da bekümmert ihn Schmerz um die Brüder und dieses Leid anzusehen. Da wird ihm das rechte Auge schwer von den Leiden und schließt sich für immer. Das erschrickt ihn und er will nicht blind sein für seine Brüder und schwört sich das Auge, das Linke, noch offen zu halten ein bisschen. Und er bittet die Brüder zur Ader und führt sich ihr Blut ein. Von jedem zwei Tropfen. Das ist für jeden nicht viel, doch für ihn, denn sie sind Milliarden und er trägt ihre Last, so dass die Beine ihm schwer sind. So zieht er davon mit den Beinen voll Blut aus gebrochenen Herzen und mahnt sich sein Auge und sieht einen Bus in den Nebeln des Mittags, was falsch ist, denn Schleier verspricht nur die Frühe, doch hier ist ein Bus und weil seine Füße so schwer sind, tritt er hinein. Der Fahrer trägt Schnäuzer, der verdeckt sein Gesicht. So sieht er nichts und kann nichts sagen, weil man ihn nichts sagen sieht, aber spricht. Jedoch nur, wenn man anspricht, und so spricht man an: "Ich möchte fort von hier. Hier kann ich nicht zurück" "Wo soll man sonst hin, wenn nicht zurück?" "Irgendwo anders, wo etwas endet." "Alles geht weiter." Dann möcht ich dort hin, wo ich nicht herkomm und nicht mehr zurück kann" "Wo soll das sein?" "Dort, wo es endet für alle, weil nie Etwas anfing" "Dann an die Schlei"

    Er ist an der Schlei. Am Hafen. Im bunten Gemenge. Sie feiern den Hering mit Wein und Gesang. Und sie feiern und feiern und Wein flieht die Kehlen hinab. Die Kehlen der Dritten und Vierten und Abermaligen. Nur er und der zweite sind reglos und Abseits in mitten der Meute. Und die Meute wird trunken und trunk'ner, bis sie erbrechen. Sie erbrechen ein Mädchen hervor, das wirkt wie ein Kind, dass keines mehr ist. Mit Häuten so weiss, als wär's nie geboren. Die Fessel ist nackt und es trägt den Schmuck toter Tiere. Es steht dort, erkotzt und erspien, tausend-vergewaltigt. Tönernd reflektiert sie das Leben. Gespermt ist ihr Haar und wund ihre Backen, und wie sie so steht, das Kind dieser Stadt an der Schlei, da trägt sie den Hammer und tötet die Väter und tötet die Mütter, die Brüder und Schwester und alles ist tot, bis auf der Zweite, denn der ist nicht da. Aber die Dritten und Vierten und Abermaligen, die schlägt sie tot, zerschmettert die Schädel. Nur nicht den Ersten, den starrt sie an. Dem blickt sie ins Auge, ins Linke, denn das Rechte war müde vom Leiden der Anderen geworden und schloss sich. Sie blickt ihn an und überall Blut und ihr Haar riecht nach Sperma, ihre Striemen nach Wasser der Leichen, und wo ist er gewesen und was sieht er nur? Da geht er ins Wasser zu erst mit dem Linken, da fehlt ihm ein Zeh, da brennt ein Phantom, doch das spürt er kaum. Dann mit dem Rechten, der ist noch ganz, doch trägt das Blut seiner Brüder, das stieg von Rippen herab in die Beine, dann aus der Ader. So steht er im Wasser der Schlei. Im Hafen der Stadt an der Schlei mit seinem Gelage, dass Blut ist, mit dem Kind voller Sperma und Wunden und spricht: "Ich ertrage jedes Leid der Welt. Nur, dass selbst jetzt alles voll Schönheit ist, das ertrage ich nicht." Und er legt sich in die Schlei und die Schlei nimmt ihn gern. Nicht wie das Meer, denn die Schlei fraß nur sechshunderfünfunddreissig Milliarden, da hat sie noch Platz für die Müden. Und der Zweite war weg, denn er war nie da und nun ist doch gar nichts mehr, ausser das Rauschen der Schlei, das ist ein wenig tiefer heut, denn die Schlei ist ein wenig schwerer geworden.

    So stirbt ein Mann in der Schlei. Doch manchmal stirbt er in den Straßen einer Stadt, die nicht sein Heim ist und morgen stirbt er vielleicht ganz woanders.
    Geändert von DanteFreysinn (27.06.2008 um 12:58 Uhr)

  2. #2
    Das_Regal
    Gast

    AW: Meschuggina

    » Da riefen die Gestalten aufgebracht "Du bist wahnsinnig!" in freudiger Erregung. Und der Mann sprach "Nein, an manchen Tagen bin ich völlig klar und das sind die Schlimmsten. Denn das Bewusstsein für Schönheit ist das Maß unseres Elends." und ging fort. «

    Peer G.

  3. #3
    DanteFreysinn
    Gast

    AW: Meschuggina

    yeah... ich bin ein Zitat

  4. #4
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    AW: Meschuggina

    hast du das selbst geschrieben?
    LG juto

    ALZHEIMER-BULIMIE-
    Essen und vergessen zu kotzen
    Tendenz: bisher nur bedingt heilbar
    Dich hätte man schon gleich nach der Geburt mit deiner Nabelschnur erhängen sollen!

  5. #5
    DanteFreysinn
    Gast

    AW: Meschuggina

    Zitat Zitat von jutogije Beitrag anzeigen
    hast du das selbst geschrieben?
    hast du`s gelesen?

  6. #6
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    AW: Meschuggina

    Ich finde es auf den ersten Blick beeindruckend. Muss es mir aber nochmal in Ruhe durchlesen, sobald ich wieder die Möglichkeit habe meinen Nachmittag mit Internet zu verbringen. *g*

    Und Regal warf eine Münze und gewann.

    Nam sonus et lacrima, pulvis et umbra sumus.

    Ich aß meine Seele, ich biss mir ins Fleisch.
    Doch al
    s ich im Chaos versank, sangen sie mein Lied.


    ehemals: Leyhlah

  7. #7
    Gott
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    AW: Meschuggina

    ja doch,... schöne prosa *g*
    You know she wants size

  8. #8
    DanteFreysinn
    Gast

    AW: Meschuggina

    Zitat Zitat von Leyhlah Beitrag anzeigen
    Ich finde es auf den ersten Blick beeindruckend. Muss es mir aber nochmal in Ruhe durchlesen, sobald ich wieder die Möglichkeit habe meinen Nachmittag mit Internet zu verbringen. *g*

    Und Regal warf eine Münze und gewann.
    ja... die überladene Metaphorik und die ausgeprägte Symbolik sind ein wenig erschlagend... könnte man auch als negativ-punkt auffassen... aber ich hoff mal es geht noch....

  9. #9
    Kekskauer
    Gast

    AW: Meschuggina

    Ich Habe Bis Zu Der Stelle Gelesen Wo der Mann Sich Den Zeh Abbeisst
    Dann Wurde Es Mir Zu Blöde
    Das Ist Total Unrealistisch
    Ausserdem Ist Der Schreibstil Irgendwie Plump

  10. #10
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    AW: Meschuggina

    Zitat Zitat von Kekskauer Beitrag anzeigen
    [...]
    Ausserdem Ist Der Schreibstil Irgendwie Plump
    weißte bescheid peerle
    Zeit hat keine Zeit...

  11. #11
    Zephon
    Gast

    AW: Meschuggina

    Zitat Zitat von Kekskauer Beitrag anzeigen
    Ich Habe Bis Zu Der Stelle Gelesen Wo der Mann Sich Den Zeh Abbeisst
    Dann Wurde Es Mir Zu Blöde
    Das Ist Total Unrealistisch
    Ausserdem Ist Der Schreibstil Irgendwie Plump
    Es ist die Kunst das alles auf eine mystische Art zu verbinden und es dabei noch gut aussehen zu lassen *g*

    Gefällt, gefällt...

  12. #12
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    AW: Meschuggina

    Zitat Zitat von Kekskauer Beitrag anzeigen
    Ich Habe Bis Zu Der Stelle Gelesen Wo der Mann Sich Den Zeh Abbeisst
    Dann Wurde Es Mir Zu Blöde
    Das Ist Total Unrealistisch
    Ausserdem Ist Der Schreibstil Irgendwie Plump
    WOW...wir haben hier einen richtigen Literaten unter uns.
    Mehr als "BILD dir deine Meinung" fällt mir dazu nicht ein...

    Think Different

    More: http://www.gedankenhure.wordpress.com/

  13. #13
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    AW: Meschuggina

    Wow ich würde gern auch sowas schreiben können....irgendwie hat das was

    Das die Geschichte unrealistisch ist stört mich zugegebener Maßen eher weniger
    Bevor ich dich besudel, Puppe
    ess ich noch ne Nudelsuppe

    "funnyhonney:in meinem jahrgang hab ich die dicksten titten"

  14. #14
    DanteFreysinn
    Gast

    AW: Meschuggina

    Zitat Zitat von Timo McGowan Beitrag anzeigen
    Das die Geschichte unrealistisch ist stört
    mich zugegebener Maßen eher weniger
    das ganze Stück hat ja auch einen stark symbolischen Charakter... ergo ist die Überzeichnung diverser Szenarien gewollt... wobei das mitm Zeh ja noch recht harmlos ist... *g*

 

 

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