1. #1
    Grünschnabel
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    Sprachanalyse

    Sprachanalyse

    Ein Pollenschauer und kein Wort mehr
    zum Himmel, denn all die Formen
    deiner Lippen sind zu exotisch
    für die verfrorenen Blicke der Passanten.
    In die Touristenmenge weht
    ein duftend gelber Luftzug den Schatten
    des Kirchturms. Sogar deine Augenhöhlen
    scheinen wie leergepustet und die Wimpern flattern
    im Duett mit den Lichtspielereien
    des Wassers. Nur die Sonne starrt humorlos,
    eingefasst in kühlem Blau,
    auf uns herab und als am Abend
    dir die Zahnbürste durch die Backen fährt,
    formst du Abschiedsmelodien unbewusst
    mit weißem Mund. Bei der Abreise
    sind die Mienen dann in Plastik eingeschweißt,
    um kein sandig warmes Lächeln
    in eine Heimat zu schmuggeln,
    wo vielleicht der Geruch
    einer unbekannten Teesorte noch
    an den sanften Pinienhain erinnert.





    Leander Beil
    19.05.08
    Geändert von rednael (23.05.2008 um 19:18 Uhr)

  2. #2
    DanteFreysinn
    Gast
    ich hab noch n bisschen Zeit, also schreib ich doch nochmal was...

    hier spielst du zumindestens mehr mit der Sprache, allerdings ist es eben prinzipiell vom Aufbau doch recht ähnlich zu den anderen.

    Den Titel Sprachanalyse find ich ein wenig irreführend, weil hier Sprache doch nur angedeutet wird und es doch eher um "Sprachpotenzial", um ungesagtes geht. Angedeutet und erahnt. Präverbalismus quasi... aber die Idee, sofern ich das halbwegs richtig deute, find ich ganz nett.

    Nur mit dem Stil kann ich mich persönlich nicht ganz anfreunden... zumindestens in dieser Form nicht. In dieser Form könnte ich mir allerdings sehr gut expressionistische Prosatexte vorstellen... vielleicht ein wenig weitläufiger als jetzt in diesem Text... ein wenig mehr ruhe drine, weil das sonst eben als Prosa zu anstrengend wäre und die Konzentration des Lesers überstrapazieren würde.

  3. #3
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    Deiner Analyse zum Titel kann ich nur zustimmen.

    Und ich verstehe sehr genau, was du mit der Ruhe meinst, die du eher für prosaische Texte verwenden würdest , um sie dann mit meinen expressionistischen Elementen zu verbinden.

    Eine Frage habe ich noch. Wie würdest du denn variieren in dem Stil und generell?


  4. #4
    DanteFreysinn
    Gast
    wie ich variieren würde, ist relativ egal, weil du nicht ich bist... *g*... aber gibt halt viele Möglichkeiten... stärkere Brüche im Fluss, et cetera.... grade bei moderner Stilistik ist viel möglich und vorallem viel nötig um es spannend zu halten und den Leser neben der sprachlichen Ebene auch formal zu fordern. Dissonanz ist dir als Musiker bestimmt auch ein Begriff... lässt sich auch immer schön einarbeiten... nicht nur metrisch, sondern auch inhaltlich hat "gezielte Hässlichkeit" natürlich einen Effekt... aber das würd ich mir für später aufbewahren...

    Schreibst du schon immer eher frei oder hast du auch mal klassisch gereimt? Wenn nicht, würde ich das, wenn auch als private Übung nur. Eventuell mal nachholen... Ich vertrete da die Meinung, dass man sich zumindestens mit strikten Formen befasst haben und sie beherrschen sollte, bevor man auf sie pfeift... *g*... also falls du´s noch nicht getan hast, probiers mal.... es hilft nachträglich auch bei moderneren Stilen, wenn man genau weiss, was man gerade "nicht tut"....

  5. #5
    -- Themenstarter --
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    Ich bin erst so vor einem Jahr auf die undstrukturiertere Poesie umgestiegen. Vorher habe ich alle Arten der Metrik ausgekostet und auch Reimschemata verändert, bis ich nur noch innerhalb der Sätze gereimt habe, um dann auf die heutige Form zu gelangen.
    Also damit bin ich schon fertig. Zur Zeit sind meine stilistischen Vorbilder:
    Mark Strand
    Derek Wallcott
    und David Constantine.
    Falls diese dir etwas sagen. Wallcott wird das sicher.

  6. #6
    DanteFreysinn
    Gast
    jap... also Strand und Constantine eher vom namen her... aber von Walcott sind mir so einige texte grob im kopf hängen geblieben... aber erklärt deine Stilistik ein wenig... auch wenn sein Versmaß teilweise ein wenig prägnanter und ausladender ist.... zumindestens von den Texten her, die ich kenne...

    mir persönlich ist solche Stilistik immer zu glatt durchgezogen...

    das lebt ja hauptsächlich von der Sprache... in der (groben) Stilistik eines Walcott könnte ich wahrscheinlich Texte wie am Fließband produzieren... *g*

    aber das ist dann wieder geschmackssache... für mich ist das immer formal zu uninteressant... es muss dann eben sprachlich sehr gut sein, damit ich es lese, weil eben fast nix anderes zählt... und selbst dann bin ich beleidigt, weil es mir formal so wenig gibt...

    wenn schon formlos, dann ein wenig wie Celan... oder Klavki

  7. #7
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    schließe mich den anderen in ihrer Meinung an!!!!
    LG juto

    ALZHEIMER-BULIMIE-
    Essen und vergessen zu kotzen
    Tendenz: bisher nur bedingt heilbar
    Dich hätte man schon gleich nach der Geburt mit deiner Nabelschnur erhängen sollen!

 

 

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