1. #1
    AbWerk
    Gast

    Der mangelnde Kranz

    mal was kürzeres... der andere Kram von mir is immer so unangenehm lang...


    Der Mangelnde Kranz



    I. Der durchtönende Kranz


    Dein Schattenhaar blitzt silbrig durch den Stern
    Die Augen sind der Meergewalt entlaubt
    Gerötet lächeln deine Lippen fern
    Dem Schalk hast du dein Winkelspiel geraubt

    Aus Marmor scheint dein Hauch, trägt Alabaster
    gestäubt um tausend Tränen tief zu sehn
    Verwirrter Glanz genässter Straßenpflaster
    nur bleib mir so und bleib auch wunderschön

    Es webt die Hand, auch ohne Fingerfessel
    Ihr Tastenspiel durchstreift die kalte Luft
    Ein Reissen, wie der Brand der Feuernessel
    Ein Hauch, der alten Lilien Zauberduft

    Die Beere thront, von bleichem Samt umhaucht
    zur Höhe, die in stiller Tiefe greint
    Wie sie versinkt, in Wasserfluten taucht
    Erzählt von Leid, dass doch die Liebe meint

    Gebrechlich schöne Kurven fliehn zur Weite
    So fahl und krank, so schön erscheint das Sterben
    Verwegen bricht das Gift dich von der Seite
    und fällt dich nicht im Spiegelschein der Scherben

    Die Haut organt zur Wunde, hin nach Aussen
    Sie krankt und kränkt doch nicht an seiner Wahl
    Die Fäulnis geht zur Tief', und tausend Flausen
    Sie tragen dir die Räud' als Lebemal

    Geronnen blüht die Kruste hin zum Riss
    Es treibt hindurch, die Rinnsäle davon
    Zerfließt, zerspringt an deiner Seele Schmiss
    Du tanzt den Leichenhauch in die Garonne

    Gemattet ist dein Glanz, gegilbtes Grauen
    Von Durchsicht weltgefärbt wie ein Kristall
    Geschliffen, fingerfühlig hin ent-rauen
    Spiegelt es die Welt hinaus ins All

    Ein Lachen, das wie Bronzescherben dröhnt
    Ein Pulsschlag voller Dissonanz und Schmerz
    Geschalkt bricht es die Wand, die ihn verhöhnt
    Gepulst erschlägt der Rhythmus sich das Herz

    Doch Stille, wie sie fließt, um still zu tönen
    Kein Laut, kein Wisper bricht den Schweigekranz
    Ganz lautlos, ohne Klang die Welt versöhnen
    und grausam wird´s unlaut zum Höllentanz


    II. Der tragende Kranz

    Der Regen weint bestäubtes Trän-Gefieder
    und hofft, dass deine Schritte so bestehn
    und trittst du auch Seraphenträume nieder
    Sie werden dir elysisch aufersteh'n

    Die Winde flüstern säuselnd deinen Namen
    Der Kauz, er schreit die Träume nicht entzwei
    Er singt dir bloss die Fesseln hin zum Rahmen
    Und legt die Bände eng und birgt dich frei

    Kastanien fall'n, im Fieber schimmert Röte
    Der Blick birgt dieses Quantum nass zuviel
    Du hörst den greisen Pan, er quält die Flöte
    Und peitscht aus dir der Töne Schattenspiel

    Das Laub entfällt, berührt die Kalte Erde
    erfriert mit der Berührung Eisenklang
    Geewigt thront der Herbst zur Eisgebärde
    Erfleht den Frühlingshauch im Sterbedrang

    Geraunt und nicht gesprochen ist das Laster
    dass all die schwarzen Flecken offenbart
    Ein Sonn-Gedroh gebärdender Verhasster
    entsteigt dem Humushändelspieler zart

    Wie Helios zerkeift die Photosphäre
    Zerfleck-gemürbt zerschinden sie die Weiten
    Doch ahne, selbst bei aller Lichterleere
    Ihr Innerstes umwölbt uns die Gezeiten

    Verneine dich zur Jahwe nahen Jähe
    Die sprüht die Jahre seitwärts wie ein Greis
    Der tränentrunken stirbt, und Gottes Nähe
    In jedem Holz, und steinbetagt noch weiss

    Wie Morgentau, so perlst du von der Welt
    du haftest nicht an ihrer Ungestalt
    zu schön, dein Hauch, der immerzu zerfällt,
    Im Kosmos deiner Augen widerhallt

    Zerfriss mich nicht im Laufklang der Chimäre
    Sie morphen sich, im Orb deines Verzeihn's
    Die Bestien, aus Vielgestalten Leere
    Mach tausendfort, und werd' sie wieder eins

    Und bist du Bild und bildest du dir ein
    Ein Bild auch nur, und bildhaft schön zu sein
    Dann denk daran, dass Öl und Kreideschein
    die Wirklichkeit als Last zur Leinwand spei'n


    III. Der autoaggressive Kranz

    Zerbeiss dir selbst den Nacken, blüh wie Flieder
    und reiss das brennen deiner Augen aus
    Und blutets nicht, und kehrn sie immer wieder
    Dann führ dir Splitter ein aus Schmerz und Graus

    Und kehrt dir nicht der Sternenglanz die Feuchte
    dann blick nicht hoch, ihr Glanz bewahrt das Licht
    und senke deinen Kopf, so kreuch und fleuche
    zum Boden hin, gesenkt halt deine Sicht

    Du bist vernarrt in alb-geraubt Gesperme
    Es bebt und gackert in dir schattenklar
    Sie schlüpfen, gleich Dämonen, aus der Wärme
    Zur Benedei verbuchst-geböster Mar

    Gedeihe und das Licht zermulmt zum Trösten
    Zerschreie deine Welt mit Silberton
    Gereift zerschneid die Wehmut der Entblößten
    So throne dich, hinauf zum Holo-Thron

    Zerkratz dich, fetz die Cutisan zur Milbe
    zerweiss dich rot, und röte dir dein Weiss
    Sag "krankgedunst", von Silbe hin zu Silbe
    Und zahl für jeden Halblaut deinen Preis

    Geh hin ohne zu gehn, zernarb die Güte
    Verzerre an der Liebe, an dem Wort
    entblühe den Verstand zur Wahnsinnsblüte
    sie lenzt hervor, gerebt und doch vergorrt

    Fetzen sollst du, fort, ein grelles Raunen
    Der Konsistenz entsagen, nicht mehr Sein
    Erschlage deines Abels Schatten-Staunen
    Und trage es, das Mal der Schande Kain

    Entparze deinen Weg aus fremden Händen
    Moirenmord entsteht aus deiner Gier
    drum klinge, wie der Zeitkristalle wenden
    und schneide hin, doch Faden, schneid an ihr

    Die Curette zerscharbt dir deine Foeten
    Wie Licht spuckt sie der Kuchen in den Tod
    Wie liebevoll, du Mutter, und dein Töten
    malt dir den tristen Abendhimmel rot

    Wenn Schnittertreu dein Herz sich offenbart
    und Tod aus deinen Stutenaugen heimt
    Dann wende dich, nach alter Narren Art
    zum Leben, aus dem Allschmerzwehen keimt


    IV. Der baltische Kranz

    Geballt zerbellt das Baltikum die Boote
    Zersteigt die Stege, sternt die Stähle reif
    Seziert sich, sieh, sie sinken hin zur Zote
    Mach mich stark, die Hand, die dich ergreif

    Zerfall und fahr die Furchen in die Tide
    Düns in dir der Dämmrigkeiten Salz
    Versing zersalzt im Zeder-Lethe-Liede
    Sei Weib und Weh, liebtöte meinen Hals

    Entstehe, Meer, in deiner Seele Tosen
    und Ende nicht mit deiner Kronen Gischt
    Sei lausig und von Sandbänken durchstoßen
    Verschlucke Lunas Schein, der dir erlischt

    Die Güte „blüht“ wie altes Dünen Grasen
    Doch blütenleer, ein salzumwölbtes Reifen
    Das Meer, dass wir zur späten Lese lasen
    Es wird dir tief ins Wurzelstreben greifen

    Die Laridae schreit sich ihre Seele
    hinaus aus ihrem Leib und trägt den Schein
    er weht hinfort aus ihrer finst'ren Kehle
    die Mauser und pneumatisches Gebein

    Das Kalkgeschale raunt dir, Salz umteuert
    entgeistert es sich selbst, von Innen leer
    So seelenlos, wer deine Schatten heuert
    der rege sich der Sandgewalt zur Wehr

    Entschleie dich, Geböhme klagt zur Lau,
    zersetze an dem Heim, das trocken staubt
    Bist Tochter und gebrannter Burgen Frau
    Dennoch hat dich das Baltische geraubt

    Und meerst du Nacht auf sanfter Lippen Röte
    wird dein Tosten schwarz und nur der Wind
    flüstert mit der Böe „Kind, ach töte“
    und weiss, dass wir doch alle Mörder sind

    Vielleicht bist du nicht mehr, und dieser Drang
    er hallt durch jeden Ozean, wie Staub
    Noch klingt aus dir der Möwenschar Gesang
    der macht, dass ich an Bernstein in dir glaub'

    Entmehre, Meer, beschwör das Wellentosen
    Beschwör das wilde Strömen der Undine
    Sei Heim und Weh den irren Heimatlosen
    Sei Lethe, Balsam ihr, und Guillotine


    V. Der thaddäische Kranz

    Was graut uns nur, uns armen Hoffnungslosen
    Ein Frevel, dass die Welt uns noch belehrt
    Ein Stern bezeugt die himmlischen Almosen
    Drum wär ich "Du", wenn ich mich ihm erwehr

    Ich richte mich, um aufrechter zu sprechen
    Die Tinte fehlt, ich stoß den Federkiel
    in mich, und seh Blutströme niederbrechen
    Die Tat ist rein, doch opfert viel zu viel

    Was bringt es mir die Geister frei zu schreiben
    Wenn nur ein Narr das Weltgesetz erkennt
    Und doch, der Narrenzünfte wildes Treiben
    mir selbst die Brücke „Leben“ niederbrennt

    Und könnt ich auch die Welt in Worte fassen
    Die Ohren sind zu taub für diesen Klang
    er ist zu hoch und grell, die Menschen hassen
    was sie zerstößt, und leugnet ihren Rang

    Und Gott ist nur der König der Autisten
    Ein sabbernder Symphat, Titanenstaub
    Er schreibt ins Weltenbuch, in seine Listen
    Nur „Golgatha“ und „Frühlingsmorgenlaub“

    Selbst Teufel wird an seinem Zorn bald scheitert
    Das „Non Servam“ zerschmettert an dem Dienst
    Der Menschenschaum, Pathetenstaub erheitert
    Den Unmoment, den du, mein Gott, ergrienst

    Ach Mutter, wünschte deinem Schoß die Asseln
    sie wären wert, und mein Unmenschenfleck
    sag Vater, spiehest du mit Säbel rasseln
    meine Seel', nach vorn,ins Imperfekt

    Und was - und wenn des alten Pudels Kern
    Geflochten wär, im Bruch des stolzen Degen
    Dann fehle ich, und tu dies schrecklich gern
    Werd' Schande mir zum Strophenmangel legen

    Auch über tausend Worte könn' nichts regen
    Kein Silbenklang, kein Wortlaut verführt dich
    Und kann kein Tausendvers dich mehr bewegen
    so schweig ich nun...

    ...doch schweig ich mich an dich
    Geändert von AbWerk (27.04.2008 um 18:55 Uhr)

  2. #2
    Das_Regal
    Gast
    das ende wiedermal... echt toll...

  3. #3
    AbWerk
    Gast
    jetzt tu doch nicht so, als hättest du es ganz gelesen.... *g*

  4. #4
    Das_Regal
    Gast
    oh..allmächtiger, allwissender, entschuldige meine unmündigkeit..

  5. #5
    AbWerk
    Gast
    gar nicht... du hast bloss nen schlechtes gedächtnis... haste gestern im msn zugegeben.....

  6. #6
    Das_Regal
    Gast
    achso, ja. kp!

  7. #7
    Lebende Foren Legende
    Registriert seit
    20.10.2005
    Alter
    30
    Beiträge
    5.161
    Danke verteilt
    0
    Danke erhalten
    4 (in 4 Beiträgen)
    Irgendwie klingt der Titel total mies ...

 

 

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Back to Top

Search Engine Optimization by vBSEO 3.6.1

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60