1. #1
    GERT
    Gast

    "Wissen" oder "Vom menschlichen Glück"

    Wissen oder Vom menschlichen Glück

    Unter einer Eiche sitzend
    entblößt sich mir die Welt.
    Ich zähle die Blätter,
    lausche des Regens Fall,
    während ein Tautropfen
    herab auf mein Haupte zerfällt.

    Ich tauche ein in die Ströme,
    wohlwissend, dass mir deren Grund
    stets unerreichbar bleiben wird.

    Himmelstränen kühlen brennend
    meinen Geist, wissend, dass
    meine niemals fähig seien,
    zu tun was jene vermögen.

  2. Diese Benutzer bedanken sich bei GERT für diesen Beitrag:

    Limetree (21.04.2013)

  3. #2
    Freysinn
    Gast

    AW: "Wissen" oder "Vom menschlichen Glück"

    Auch wenn ich die Aussage, dass es dein "erstes ernsthaftes" Gedicht ist, nicht ganz zu interpretieren weiss ( vorher Büttenreden und Schüttelreime, oder was?), merkt mans ihm doch an.

    Den Hang von lyrischen Neulingen zu einer merkwürdig-entstellten antiquierten Sprache werd ich nie verstehen... so auch hier... ich wünsche mir einfach ein tolles Ausdrucksvermögen und eine bunte Bildsprache von einem Lyriker... und da zählt ein antiquierter Krampf wie "Haupte" (besonders schlimm durch das e!) im 21. Jahrhundert nicht so richtig dazu... aber da gewünscht, geh ich mal ein wenig präziser auf den Text ein...

    Unter einer Eiche sitzend
    entblößt sich mir die Welt.
    kann man sagen, muss man nicht... *g*... tut jetzt nicht weh... aber ist halt irgendwie auch ein naturalistisches Klischee

    Ich zähle die Blätter,
    lausche des Regens Fall,
    dadurch wirkt die Entblößung irgendwie sehr reduziert... aber soll bestimmt sowas meditativ geistig-entblößendes haben... aber dann ist die Welt vergeistigt, was natürlich rein vokabulös irgendwie abgefuckt ist...

    während ein Tautropfen
    herab auf mein Haupte zerfällt.
    in einem total durchdacht wirkenden Gedicht, mit einem Fokus auf diese Szene, dass sich daran klammert, fänd ich das vermutlich sogar toll... aber bei dir vermute ich einfach eine szenische Unüberlegtheit... der Tautropfen ist auch zu nebensächlich um seinen absurden Antagonismus im Kontrast zum Regen entfalten zu können... so bleibt mir irgendwie nicht viel übrig, als den lyrischen Jürgen für etwas merkwürdig zu halten, weil er durch wildes Raten Regen von Tau differenziert....

    Ich tauche ein in die Ströme,
    wohlwissend, dass mir deren Grund
    stets unerreichbar bleiben wird.
    da bin ich mir jetzt nicht ganz sicher, was dein scheinbares Hochwasser ausgelöst hat... Tautropfenmassaker oder Regen? Muss ja übel geschüttet haben, eben sahs der lyr.Jür. ja noch friedlich da... auf einmal ist es ein grundloser Unquell... wirkt sehr unüberlegt

    Himmelstränen kühlen brennend
    meinen Geist, wissend, dass
    meine niemals fähig seien,
    zu tun was jene vermögen.
    "brennend kühlend" ist ja auch schon fast wieder ein Klischee... und hier weiss ich nicht so recht, warum es auftritt... gegen ein bisschen Kitsch hab ich ja nichts, aber es ist halt auf einmal da... und will sich in mir nicht so richtig existenzberechtigend auflösen...

    rein von der Syntax her muss ich davon ausgehen, dass die "Himmelstränen" wissen, dass "meine" (meine was? das schreit entweder nach schreibfehler oder Wortmangel) niemals fähig "seien" (warum diese Form? wirkt falsch) zu tun, was jene vermögen (wer ist denn jetzt wieder jene? das löst sich alles nicht wirklich auf

    also ich hab zwei Schlagwörter, die mir dabei haften bleiben

    Es ist recht "undurchdacht" und es mangelt dem Gedicht an der Fähigkeit, sich selbst immanent anständig aufzulösen... es entstehen beim lesen mehrmals Lücken

  4. #3
    GERT
    Gast

    AW: "Wissen" oder "Vom menschlichen Glück"

    vorher Büttenreden und Schüttelreime, oder was?
    Jap, genau das.

    da zählt ein antiquierter Krampf wie "Haupte" (besonders schlimm durch das e!) im 21. Jahrhundert nicht so richtig dazu... [...] "seien" (warum diese Form? wirkt falsch)
    Dazu erstmal: Ich habe versucht das Ganze nach einem bestimmten Schema von Silben auftreten zu lassen. Dadurch musste ich einige Wörter umformen, wodurch dann - unbeabsichtigter Weise - eine etwas antiquarische, blumige Wortwahl rausgekommen ist. Im Nachhinein fand ich das allerdings gar nicht so dramatisch, weswegen ich es auch dabei belassen habe.

    ist halt irgendwie auch ein naturalistisches Klischee
    Hm, das sollte es in diesem Zusammenhang gar nicht unbedingt darstellen. Die Eiche sowie das Entblößen der Welt habe ich aus einem anderen Kontext gezogen. Eine Situationsbeschreibung war nicht unbedingt beabsichtigt, liegt beim Lesen aber wohl nahe. Blöd.


    in einem total durchdacht wirkenden Gedicht, mit einem Fokus auf diese Szene, dass sich daran klammert, fänd ich das vermutlich sogar toll... aber bei dir vermute ich einfach eine szenische Unüberlegtheit...
    Das hatte durchaus seinen Sinn...

    der Tautropfen ist auch zu nebensächlich um seinen absurden Antagonismus im Kontrast zum Regen entfalten zu können...
    ...ich wollte eigentlich das Bild auf den einzelnen Tropfen richten, aber da die Silbenzahl bei einem Regentropfen, etc. nicht gepasst hätte, habe ich da eben einen Tautropfen gewählt. Im Nachhinein passt das nicht, da muss ich dir Recht geben.

    da bin ich mir jetzt nicht ganz sicher, was dein scheinbares Hochwasser ausgelöst hat... Tautropfenmassaker oder Regen?
    ... gemeint sind Regenströme.

    rein von der Syntax her muss ich davon ausgehen, dass die "Himmelstränen" wissen, dass "meine" (meine was? das schreit entweder nach schreibfehler oder Wortmangel) niemals fähig zu tun, was jene vermögen (wer ist denn jetzt wieder jene? das löst sich alles nicht wirklich auf
    "Meine" Tränen. "Wissend" ist hier auf den - wie du ihn so schön nennst - lyrischen Jürgen bezogen. "Jene" für die des Himmels.

    Es ist recht "undurchdacht" und es mangelt dem Gedicht an der Fähigkeit, sich selbst immanent anständig aufzulösen... es entstehen beim lesen mehrmals Lücken
    Die Unterstellung das Gedicht sei undurchdacht muss ich zurückweisen, ich habe mir durchaus was dabei gedacht und allem einen Sinn gegeben, allerdings scheint mir das nicht so gut gelungen zu sein. Erklärungsbedarf danach ist immer blöd.

    Vermutlich war die Idee des Silbenschemas eher hinderlich als sinnvoll, aber für mich erschien das in dem Moment recht schön.

    Danke für die Kritik, ich denke das wird mir weiterhelfen. (:

 

 

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